Auszeichnung

Tita von Hardenberg: Kreativität, Kinder und Karriere

Tita von Hardenberg ist die Unternehmerin des Jahres. Die Chefin von „Kobalt“ produziert Fernsehbeiträge.

Tita von Hardenberg

Tita von Hardenberg

Foto: dpa Picture-Alliance / Ralf Succo / picture alliance / SuccoMedia /

Man kennt dieses Gesicht. Klassisch hübsch mit spitzer Nase und einem freundlichen Ausdruck in den braunen Augen. Tita von Hardenberg moderierte 17 Jahre lang im Fernsehen. Unter anderem die Sendung „Polylux“. Sie ist hoch gewachsen, hat gleichermaßen eine zarte Erscheinung. Ihr Gang auf die Bühne an diesem Sonnabend, als sie den ersten Platz als Berliner Unternehmerin 2016/17 vom Wirtschaftsstaatssekretär Hans Reckers entgegennimmt, zeigt das. Ihre Präsenz vor dem Publikum, den Fotografen, ihre entspannte und trotzdem überlegte Wortwahl beweisen, dass sie Erfahrung damit hat, im Mittelpunkt zu stehen.

Dabei wird die 48-Jährige an diesem Tag als Chefin ihrer Produktionsfirma „Kobalt“ ausgezeichnet, wo sie mehr hinter den Kulissen agiert. „Aufstieg“, „Kreativität“, „ökonomischer Erfolg“, „Standhaftigkeit“ heißt es von der Jury über die Firma. Seit der Gründung 1997 produziert sie für öffentlich-rechtliche Sender Kultur-Fernsehen. Dort ist sie der Kopf eines mittlerweile 60-köpfigen Teams, aber sie betont beim Erhalt des Preises, dass „Kobalt“ ein Gemeinschaftsprojekt sei. Zusammen entwickeln sie Konzepte, die sie in Reportagen, Dokumentationen und Live-Sendungen umsetzen. Ihre persönliche Stärke, sagt Tita von Hardenberg, sei es, Ideen zu erkennen – egal von wem sie kommen.

„Anfangs fühlte ich mich oft nicht ernst genommen“

Tita von Hardenberg ist die Auszeichnung, für die 24 Firmen im Rennen waren, sehr wichtig, das merkt man ihr an. Zuvor dachte sie noch, dass „Preise etwas für Kleingeister seien, die ständig gelobt werden wollen – wenn er dann aber kommt, fühlt es sich natürlich sehr gut an“, sagt sie – und bedankt sich dann bei ihrer Familie und dem Team.

Es ist die siebte Verleihung des Berliner Unternehmerinnen-Preises. Und eigentlich sollte so etwas Geschlechtsspezifisches doch gar nicht mehr nötig sein, meint man. Immerhin gibt es seit 1957 das Gleichberechtigungsgesetz, und fast jede zweite Gründung in Berlin erfolgt durch eine Frau. Tatsache ist: Die Stellung der Frau in der Berufswelt hat sich zwar verbessert, Chefin oder Gründerin zu sein ist etwas selbstverständlicher geworden, aber eben nur etwas. Als Tita von Hardenberg Ende der 90er-Jahre als junge Frau „Kobalt“ ins Leben rief, „da fühlte ich mich häufig nicht ernst genommen“, erinnert sie sich. Heute sieht sie, dass immer wieder neue junge Frauen dazukommen, auch in ihr Team, die gut ausgebildet und international seien, die man schlichtweg ernst nehmen müsse. „Eigentlich wäre es schön, wenn wir schon so weit wären, dass es diesen Preis nicht mehr geben müsste“, sagt sie.

Vorbildfunktion für andere Frauen

Nur, wieso braucht man ihn noch? „Junge Frauen trauen sich oft weniger als junge Männer“, meint sie. Männliche Kollegen würden schneller ‚hier‘ schreien, während weibliche erstmal fragen, um was es überhaupt geht. „Beim weiblichen Geschlecht sind Selbstzweifel stärker ausgeprägt“, meint Hardenberg. Zu reflektieren, bevor man Dinge umsetzt, hat doch auch etwas Feinsinniges? „Kann man aber oft nicht gebrauchen.“ Wenn sie spricht, kann man sich vorstellen, wie sie alle Fäden in die Hand nimmt, wenn ihr Attitüde oder Geschwindigkeit ihres Teams nicht passen.

Tita von Hardenberg schafft es, Familie und Beruf zu vereinen. Damit übernimmt sie eine Art Vorbildfunktion. Sie hat drei Kinder im Alter zwischen acht und 14 Jahren, ist seit 1999 verheiratet und leitet erfolgreich ihre Firma. Was müsste sich verändern, damit noch mehr Frauen selbstständig arbeiten wie sie? „Bei der Betreuung muss noch viel passieren – das ist meiner Meinung nach der Schlüssel.“

Ohne Kindermädchen wäre es nicht gegangen

Entspannt weiterarbeiten konnte sie nur deshalb, weil sie von Anfang an wusste, dass ihr Nachwuchs gut betreut ist. „Ich habe mir schon sehr früh ein Kindermädchen geleistet – damals floss fast mein ganzes Geld direkt da rein“, sagt sie. So schwer man es als Frau auch oft zu haben scheint, ob nun durch gesellschaftliche Stigmatisierung oder durch sich selbst, dürfe man nicht vergessen, dass man als Frau genauso Vorteile habe. „Natürlich setzt man das ein wenig ein, wäre wohl blöd, wenn man das nicht täte.“ Nur mit der Dosierung müsse man aufpassen, sagt Tita von Hardenberg – und freut sich über den Preis.