Bürgerinitiative

Postplatz in Zehlendorf bekommt Bahn-Anschluss

Die Deutsche Bahn hatte bereits Pläne für einen S-Bahneingang am Teltower Damm in Zehlendorf. Eine Bürgerinitiative konnte das verhindern.

Blick auf den S-Bahnhof Zehlendorf

Blick auf den S-Bahnhof Zehlendorf

Foto: Jörg Krauthöfer

Jahrelang wurde über den Standort des zweiten Zugangs zum S-Bahnhof Zehlendorf diskutiert. Die Deutsche Bahn wollte ihn unter der Brücke am Teltower Damm bauen. Dagegen wehrten sich der Bezirk und eine Bürgerinitiative. Sie plädierten für einen weiteren Zugang am Platz vor der ehemaligen Post, um damit das Wohngebiet und die Schulen besser anzuschließen. Den Streit beendete offenbar ein Besuch des Regierenden Bürgermeisters Michael Müller (SPD) vor Ort. Der hatte den Zehlendorfern zugesagt, sich über die beiden Hauptvarianten zu informieren. Kürzlich bekam die Bürgerinitiative eine Mitteilung aus der Senatskanzlei. Darin wurde ihnen die Entscheidung für ihre Variante am Postplatz mitgeteilt.

Startschuss für einen behutsamen Stadtumbau

Das Wichtigste sei, dass die Grundsatzentscheidung Planungssicherheit schaffe, sagt Christian Küttner, Gründer der Initiative. Nun könnten Anwohner und Bezirk beginnen, das Umfeld konkreter zu planen. Dabei gehe es zum Beispiel um den Wochenmarkt am sogenannten kleinen Teltower Damm und auch um Radstellplätze. „Die Entscheidung für den zweiten Zugang am Postplatz sehen wir als Startschuss für einen behutsamen Stadtumbau der historischen Mitte Zehlendorfs“, sagt Küttner. Der Bezirk sei aufgefordert, noch im Sommer das Planungsverfahren mit der Bürgerbeteiligung zu beginnen.

Die von den Zehlendorfern favorisierte Variante sieht einen kurzen Tunnel unter dem S-Bahnhof vom Postplatz – der offiziell keinen Namen hat – zur Machnower Straße vor. Der Tunnel soll von Bahnkunden, Fußgängern, die von der einen Seite der Gleise auf die anderen gelangen wollen, und Radfahrern genutzt werden. Für die Radfahrer ist eine Rampe geplant. Über die genaue Lage der Rampe auf der Postplatzseite laufen derzeit noch Abstimmungen.

Deutsche Bahn will sich noch nicht äußern

In dem Schreiben der Senatskanzlei, das der Berliner Morgenpost vorliegt, wird auch ein Zeitplan skizziert. So sollen in diesem Jahr die Planungen vertieft und die Finanzierung gesichert werden. 2017/2018 sind für das Planfeststellungsverfahren vorgesehen, sodass der Bauauftrag 2019 ausgeschrieben und vergeben werden kann. Die Bau könnte dann von 2020 bis 2022 erfolgen.

Die Deutsche Bahn hält sich angesichts der Entscheidung für die Variante, für die sie sich anfangs nicht ausgesprochen hatte, bedeckt. Auf Fragen nach den Kosten und den Hintergründen für die Entscheidung heißt es nur, dass noch Abstimmungen mit dem Land Berlin liefen und aus diesem Grund keine Auskünfte gegeben werden könnten.

Wasserbetriebe wechseln eine Abwasserleitung

Für Küttner und seine Mitstreiter zählt erst einmal, dass sie erfolgreich mit ihrem Protest waren. Als viel zu eng und zu gefährlich für Fußgänger, Radfahrer und Autos wurde der von der Bahn favorisierte Zugang unter der Brücke am Teltower Damm eingeschätzt. Der Tunnel am Postplatz habe zudem den Vorteil, dass er auch von den Schülern genutzt werden könne, die beidseits des Bahndamms wohnen beziehungsweise die Gymnasien besuchen. „Viele unserer Vorschläge zur Lage und Ausgestaltung des Tunnels sind nun Teil des offiziellen Plans“, sagt Küttner. Die Feinplanung sollte die Entscheidung und die Bestellung des Baus der Unterführung bei der Deutschen Bahn nicht weiter verzögern.

Im Moment ist der Postplatz eine Baustelle. Die Berliner Wasserbetriebe wechseln auf einer Länge von 670 Metern eine alte Abwasserdruckleitung entlang der Anhaltiner Straße und der Martin-Buber-Straße aus. „Die Arbeiten werden im Februar 2017 abgeschlossen sein“, sagt Stephan Natz, Sprecher der Berliner Wasserbetriebe. Davon betroffen ist auch der Wochenmarkt, der auf dem kleinen Teltower Damm geplant ist. Auch der muss jetzt noch warten.