Protest in Mitte

Anwohner am Magdeburger Platz wollen ihren Park zurück

Seit Herbst ist die Grünfläche wegen Drogen und Prostitution durch den Bezirk gesperrt. Ob ein neuer Zaun das Problem lösen kann?

Kämpfen um ihren Park:

Kämpfen um ihren Park:

Foto: Sergej Glanze

Die Mauer muss weg, darüber waren sie sich im Kiez einig. Doch jetzt steht die Mauer immer noch, und das geplante Picknick fällt aus. Am Freitag wollten die Aktivisten des „Quartiersrat Magdeburger Platz“ sich ihren Magdeburger Platz eigentlich zurückerobern. „Doch es hieß, das Betreten des Platzes sei illegal“, sagt Anwohner Jörg Borchardt, der seit 45 Jahren am Magdeburger Platz wohnt und zusammen mit seinen Mitstreitern erfolglos versucht hatte, Zugang zu beantragen.

Seit Herbst ist der Platz in Mitte durch einen unüberwindbaren Bauzaun abgesperrt, ganz offiziell, durch den Bezirk. Für die Öffentlichkeit nicht zugänglich, weil das Grünflächenamt personell nicht in der Lage war, benutzte Kondome, Spritzen, Fäkalien und Prostitution von der Anlage fernzuhalten. Von „untragbaren hygienischen Zuständen“, sprach Stadtrat Carsten Spallek (CDU) damals. Heute klebt am Zaun ein Schild: „Geschütztes Biotop. Bitte nicht betreten!“ So kann man es natürlich auch formulieren.

Seit jeher ist die Gegend im Süden Tiergartens und Norden Schönebergs das Epizentrum der Berliner Straßenprostitution, der Magdeburger Platz gilt als besonders betroffen. Die überwiegend aus Osteuropa stammenden Damen stehen oft mitten auf der Straße, gefährden den Verkehr und sprechen auch Väter mit Kindern an.

Manche glauben, dass die Zustände durch die Politik gewollt sind

Wenn sie einen Freier gefunden haben, bedienen sie diesen nicht selten auf dem Magdeburger Platz. Dort, wo eigentlich die zahlreichen Familien mit Kindern ihre Zeit verbringen wollen. Die Prostitution zieht außerdem Dealer an, die Drogen an die oft abhängigen Frauen verkaufen.

Es gibt Unternehmer, die ihr Geschäft wegen der Zustände bereits zu gemacht haben. „Viele Anwohner sind angeekelt“, weiß Borchardt. Eine Anwohnerin, die anonym bleiben möchte, ist überzeugt, dass das gewollt ist: „Die Prostitution soll hier bei uns zentriert werden, damit sie sich nicht auf den Rest der Stadt ausweitet.“

Mittelfristig soll der jetzige Bauzaun am Magdeburger Platz weg und ein neuer, kleinerer Zaun mit Eingangspforten gebaut werden, der den 3000 Quadratmeter großen Park abriegelt. Erst dann soll er auch wieder öffnen, zumindest tagsüber. Doch der Bau verzögert sich, da die beauftragte Firma nicht so schnell liefern kann wie erhofft.

Die Anwohner bezweifeln generell, dass ein neuer Zaun reicht; das große Ganze werde sich wohl nicht ändern, so der Konsens. „Wir wissen, dass man die Prostitution nicht wegbekommen kann“, sagt Borchardt. Vielmehr gehe es um eine Möglichkeit des Miteinanders.

Im Kiez sind sie gespalten. Ein Teil möchte auf Kooperation setzen, andere würden die Prostitution am liebsten ganz verbannen. Sie fordern, dass die Gegend zum Sperrgebiet wird. Solche Überlegungen finden in der Berliner Politik bislang aber wenig Zustimmung.

Neue Gestaltung der Wege soll den Platz auflockern

Manche sehen eine Lösung in der Gestaltung des Parks. An den Gittern des Bauzauns präsentiert Stefan Kunze seine Ideen. „Wir müssen mehr Aktivität auf den Platz bekommen“, sagt der Anwohner. Etwa durch einen Weg, der quer durch den Park führt, und nicht – wie bisher – nur außen herum. Kunzes Vorbild: der Gleisdreieckpark mit seinen klug angelegten Wegen.

Zudem müssten die Gebüsche regelmäßig und effektiver gerodet werden, damit sie nicht mehr als Verstecke dienen. Zuletzt sei dies nur dilettantisch geschehen. „Die Pflanzen wurde nur am Stamm gekürzt und sind danach umso stärker gewachsen“, sagt Kunze.

Im Bezirksamt sind sie offen für Verschönerungsideen. Bis dahin wollen Jörg Borchardt und seine Nachbarn am Ball bleiben. Denn: „Es ist nicht perfekt, aber ich fühle mich wohl hier.“