Prozess

Amokfahrer in Berlin floh vor eingebildeten Mutanten

Der 40-jährige Christian K. raubte ein Auto und rammte bei der Flucht andere Fahrzeuge. Vor Gericht spricht er von Wahnvorstellungen.

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Im Prozess um den Raub eines Autos und einer anschließenden Unfallserie hat der 40 Jahre alte Angeklagte vor einer Moabiter Strafkammer ein umfassendes Geständnis abgelegt.

Christian K. ließ über seinen Verteidiger erklären, dass er sich nach dem Tsunami und der Atomkatastrophe in Japan im Jahr 2011 intensiv mit dieser Problematik befasst und nächtelang im Internet gesurft habe. Um wach zu bleiben, habe er Amphetamine konsumiert. Der Drogenkonsum habe sich derart gesteigert, dass er unter Wahnvorstellungen zu leiden begonnen habe.

In der Nacht zum 20. September 2014 sah er sich den US-Film „Omega-Mann“ an. Charlton Heston kämpft darin als der einzige Überlebende in einer postapokalyptischen Welt gegen Mutanten. Der Film habe ihn derart aufgewühlt, so der Angeklagte, dass er ruhelos durch die Gegend gezogen sei. „Ein Auto war die letzte Chance, um Folter und Tod zu entgehen.“

Derzeit auf freiem Fuß

Gegen 8.30 Uhr versuchte Christian K. in der Trachtenbrodtstraße im Ortsteil Pankow, einer 61-jährigen Frau, die gerade in ihren Renault Twingo steigen wollte, die Schlüssel wegzunehmen. Sie bekam jedoch Hilfe von Männern, die einige Meter entfernt einen Umzug ausführten. Wenig später gelang es dem Softwareentwickler, eine 59 Jahre alte Autofahrerin zu stoppen, sie aus ihrem Toyota Corolla zu zerren und mit deren Auto loszufahren. Mit diesem Auto wollte er in seinem Wahn aus Berlin fliehen; dabei verursachte er mehrere Karambolagen mit anderen Autos.

Weil es ihm wegen des starken Verkehrs nicht schnell genug gelang, die Stadt zu verlassen, versuchte K. schließlich, sich mit einem bewusst herbeigeführten Unfall das Leben zu nehmen. Er fuhr mit stark überhöhter Geschwindigkeit auf einen vor ihm fahrenden Skoda auf. Die Fahrerin wurde bei der Karambolage verletzt. Der Sachschaden beträgt insgesamt mehr als 25.000 Euro.

Der nicht vorbestrafte Täter wurde zunächst in die Psychiatrie gebracht. Derzeit ist er auf freiem Fuß. Der Prozess wird am 4. Juli fortgesetzt.