Brandenburger Tor

Berlin trauert mit seiner Partnerstadt Istanbul

Berlin trauert mit Istanbul. Am Mittwoch wurde das Brandenburger Tor zum Zeichen der Solidarität in den türkischen Nationalfarben angestrahlt.

Zeichen der Solidarität: Das Brandenburger Tor leuchtet am Mittwoch in den türkischen Nationalfarben

Zeichen der Solidarität: Das Brandenburger Tor leuchtet am Mittwoch in den türkischen Nationalfarben

Foto: Reto Klar

Nach den Selbstmordanschlägen auf dem Istanbuler Flughafen konzentrieren sich die Ermittlungen auf die Terrormiliz „Islamischer Staat“ (IS). Drei Selbstmordattentäter töteten nach türkischen Angaben am Dienstagabend in dem größten türkischen Flughafen und wichtigen internationalen Drehkreuz 41 Menschen und verletzten 239 weitere. Präsident Recep Tayyip Erdogan erklärte, der Angriff müsse zum Wendepunkt im globalen Kampf gegen den Terrorismus werden.

Unter den Getöteten waren nach türkischen Angaben 13 Ausländer, aber keine Deutschen. Das Auswärtige Amt teilte in Berlin mit, eine Deutsche sei verletzt worden. Die Frau werde von Mitarbeitern des Generalkonsulats Istanbul betreut.

Die USA verurteilten den Anschlag und sicherten der Türkei ihre Hilfe zu. UN-Generalsekretär Ban Ki-moon forderte ein verstärktes Vorgehen gegen Terrorismus. Bundeskanzlerin Angela Merkel sagte, die Hintergründe seien zwar noch nicht klar. „Ich möchte dem ganzen türkischen Volk aber sagen, dass wir uns im Kampf gegen den Terrorismus vereint sehen und uns gegenseitig unterstützen werden.“ Nach Angaben der russischen Regierung waren sich Präsident Wladimir Putin und Erdogan nach einem Telefonat einig, die Zusammenarbeit gegen den Terrorismus verbessern zu müssen.

Bundespräsident Joachim Gauck sagte der Türkei Solidarität zu. „Deutschland steht angesichts dieser hinterhältigen Gewaltakte an der Seite der Türkei“, schrieb er am Mittwoch an Erdogan. Die Nachricht von den Anschlägen habe ihn tief erschüttert, er verurteile die Gewalt nachdrücklich. Papst Franziskus und der Weltkirchenrat reagierten mit Entsetzen auf den Anschlag. „Wir beten für die Opfer, für ihre Familien und für das liebe türkische Volk“, sagte Papst Franziskus laut Radio Vatikan in Rom.

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Der Anschlag erinnert an das IS-Attentat auf den Brüsseler Flughafen im März, bei dem 16 Menschen getötet wurden. Einer der Täter habe am Istanbuler Flughafen in der Abflughalle kurz vor 22 Uhr am Dienstagabend um sich geschossen, berichteten Augenzeugen. Dann hätten sich alle drei in oder in der Nähe der eine Etage tiefer gelegenen Ankunftshalle in die Luft gesprengt.

Erste Hinweise deuteten auf die Terrormiliz IS hin, sagte der türkische Ministerpräsident Binali Yildirim. Die türkische Nachrichtenagentur Dogan berichtete, bei den Attentätern handele es sich womöglich um Ausländer. Auch zwei Terrorismusspezialisten der US-Regierung erklärten, die Art des Angriffs spreche für die Extremistenorganisation. Der IS habe in der Vergangenheit „weiche Ziele“ angegriffen. Die kurdische PKK und deren Splittergruppen griffen normalerweise das Militär oder Regierungsvertreter an.

Das Attentat zum Beginn der Feriensaison dürfte die Krise der Tourismusbranche in der Türkei noch verschärfen. Deutsche Reiseveranstalter bieten ihren Gästen für Aufenthalte in Istanbul kostenlose Stornierungen an. So können Urlauber beim größten deutschen Veranstalter Tui gebuchte Istanbul-Reisen bis einschließlich 31. Juli kostenlos umbuchen oder stornieren.

Unterdessen trauert Berlin mit der Partnerstadt Istanbul. Am Mittwochabend wurde das Brandenburger Tor zum Zeichen der Solidarität in den türkischen Nationalfarben angestrahlt. Am Donnerstag sollen auch die Flaggen an öffentlichen Gebäuden auf Halbmast wehen, erklärte Innensenator Frank Henkel (CDU). Die Innenverwaltung spricht von einer weiter „hohen abstrakten Gefährdungslage“ in Berlin. Die Sicherheitsvorkehrungen auf den Flughäfen Schönefeld und Tegel wurden nicht verstärkt. Diese seien seit den Anschlägen in Paris und in Belgien bereits auf einem sehr hohen Niveau, so ein Sprecher der Bundespolizei.