Gesundheitsforschung

BIG bekommt Neubau auf Charité-Campus

Das Berliner Institut für Gesundheitsforschung (BIG) bekommt einen Neubau. Es ist ein in Deutschland einzigartiges Gemeinschaftsprojekt.

Berlins neues Wissenschafts-Leuchtturmprojekt bekommt ein eigenes Gebäude. Das Berliner Institut für Gesundheitsforschung (BIG) wird einen Neubau direkt nördlich des Bettenhochhauses auf dem Charité-Campus in Mitte errichten. Die Finanzierung von 58 Millionen Euro trägt vor allem das BIG, aber auch das Land Berlin und die Charité geben Geld dazu. Wissenschaftsstaatssekretär Steffen Krach (SPD) sagte am Dienstag, er rechne mit einer Fertigstellung 2019 oder 2020.

Das BIG ist ein in Deutschland einzigartiges Gemeinschaftsprojekt aus dem wesentlich vom Bund bezahlten Max-Delbrück-Centrum für molekulare Medizin (MDC) in Berlin-Buch und der vom Land getragenen Universitätsklinik Charité. Es soll die medizinische Forschung und die Anwendung neuer Therapien beschleunigen, indem die Forscher buchstäblich näher an die Krankenbetten heranrücken und ihre Erkenntnisse schneller in die Praxis umsetzen können.

Wegen der dem Grunde nach in Deutschland nicht möglichen Kooperation des Bundes mit Universitäten der Bundesländer war es ein heikler Prozess, die richtige juristische Konstruktion und politische Unterstützung für das Projekt zu finden. Aber nun, so versicherte Krach, sei das BIG auf einem guten Weg.

Pro Jahr 200 Millionen

Vor allem ist das Institut vergleichsweise üppig ausgestattet. Das künftige Jahresbudget liegt bei fast 80 Millionen Euro, von denen der Bund 90 und Berlin zehn Prozent übernimmt. Um die Dimension zu verdeutlichen, verglich der Staatssekretär von Senatorin Sandra Scheeres diese Summe mit anderen Wissenschaftsetats. So habe die Fakultät, also der Wissenschaftsteil der Charité, pro Jahr 200 Millionen Euro zur Verfügung. Die Exzellenzinitiative des Bundes für die Hochschulen spült rund 50 Millionen Euro nach Berlin. „Allein diese Zahlen zeigen die Relevanz des BIG für die Spitzenforschung in Berlin und darüber hinaus“, sagte Krach.

Der Senat nahm am Dienstag den ersten Jahresbericht des BIG für 2015 zur Kenntnis. Am heutigen Mittwoch tagt erstmals der Aufsichtsrat. Um dessen Besetzung hatte es Streit gegeben, der aber durch den Rückzug der Wirtschafts- und Forschungssenatorin Cornelia Yzer zugunsten des Pharma-Managers Stefan Oelrich von Sanofi entschärft wurde.

Mehr als eine kleine DFG

Als Vorstände für das operative Geschäft wurde vor zwei Monaten Erwin Böttinger aus New York verpflichtet. Der 55-Jährige ist gleichzeitig Professor für personalisierte Medizin an der Charité. Als administrativer Vorstand steht ihm der Wissenschaftsmanager Rolf Zettl zur Seite.

Die beiden haben gemeinsam mit den Chefs der Charité, Karl Max Einhäupl und des MDC, Martin Lohse, die Aufgabe, das BIG zu voller Leistungsfähigkeit zu führen und dafür zu sorgen, dass der medizinische Fortschritt schneller zunächst bei den Berliner Patienten ankommt. Es solle mehr sein als eine „kleine DFG“, also eine Mini-Ausgabe der Deutschen Forschungsgemeinschaft, sagte Krach. Die DFG fördert einzelne Forschungsprojekte in verschiedenen Disziplinen. Das BIG solle vor allem durch Spitzenberufungen, die für Hochschulen finanziell nicht zu bewerkstelligen sind, ein eigenes Profil herausbilden. Jetzt soll das BIG sich auch an den Bewerbungen der Berliner Universitäten für die nächste Exzellenzinitiative beteiligen.

Schon jetzt finanziert das BIG fast 250 Wissenschaftler. Sie erforschen schwerpunktmäßig Erbkrankheiten von Kindern, chronische Erkrankungen, Krebs und Diabetes.