Singles in Berlin

Fünf Minuten gegen das Alleinsein im Alter

Wie läuft ein Speed-Dating eigentlich bei Senioren ab? Die Berliner Morgenpost war vor Ort.

Gaby R. und Jürgen S. haben sich beim Senioren-Speed-Dating in Frohnau kennengelernt

Gaby R. und Jürgen S. haben sich beim Senioren-Speed-Dating in Frohnau kennengelernt

Foto: David Heerde

Fünf Herren, sechs Damen und sechs Tische. Adrett sind sie gekleidet. Die Damen tragen Blusen mit floralen Mustern, die Herren karierte oder gestreifte Hemden. Ein Mann dreht bereits im Eingang des Restaurants „Tie Break“ um und geht zurück zu seinem Auto „Das ist einfach nichts für mich“, murmelt er.

Inspiriert von dem Film „Altersglühen – Speed Dating für Senioren“, überlegte sich die Organisatorin Karin Mademann eine Kennenlern-Plattform für ältere Menschen anzubieten, da es solche Veranstaltungen sonst meist für jüngere Teilnehmer gibt. Die Regeln sind die gleichen. Auch beim ersten Senioren-Speed-Dating in Frohnau mit Teilnehmern von 65 bis 75 Jahren hat jedes Paar fünf Minuten Zeit, sich kennenzulernen.

Etwas nervös nehmen die Teilnehmer in romantischem Ambiente an den Tischen Platz: Liebes-Gummibärchen auf den Tischen, Herzchen-Luftballons an den Wänden und bunte Strohhalme in Gläsern. „Möchtest du etwas trinken?“, fragt einer der Herren die ihm gegenüber sitzende Dame. „Gerne, ein Wasser bitte“, antwortet sie und lächelt. Ihr Haar hat sie mit einer Spange zu einem Pferdeschwanz gebunden, eine opulente Kette schmückt ihren Hals. „Anfang der 80er- Jahre bin ich nach Frohnau umgezogen“, erzählt sie. Jetzt genieße sie ihre Rente, habe zwei Kinder und einen Enkel. „Ich bin eigentlich zufrieden mit meinem Leben. Noch bin ich ja ganz gut beieinander“, sagt sie und spielt an ihrem Zopf. Ihr Gesprächspartner erzählt indes, dass er schon zweimal verheiratet war, aber es nicht wirklich funktioniert habe. „Jetzt möchte ich gerne jemanden Neues kennenlernen.“ Über Online-Dating-Portale klappe das nicht so gut. Deswegen habe er sich zum Senioren-Speed-Dating angemeldet. „Wenn man sich erstmal persönlich kennenlernt, ist es doch viel einfacher einzuschätzen, ob es passt oder nicht“, sagt er. Seine Gesprächspartnerin nickt und erzählt, dass sie das erste Mal an einer Veranstaltung dieser Art teilnehme. Als sie gerade beginnt, von ihren Lieblingsbeschäftigungen zu erzählen, klingelt die Glocke. „Die Herren müssen jetzt eine Dame weiter rücken“, sagt Organisatorin Karin Mademann.

„Ich möchte die Wochenenden wieder zu zweit verbringen“

Angeregt werden die Unterhaltungen mit den neuen Partnern fortgesetzt. Die Damen und Herren haben ihre erste Scheu überwunden. Sie erzählen von Kindern und Enkelkindern, Orte an die sie gerne reisen und was für Berufe sie vor ihrer Rente ausgeübt haben. „Mein Ehemann ist vor einigen Jahren verstorben. Mittlerweile würde ich die Wochenenden gerne wieder mit jemandem gemeinsam verbringen“, erzählt eine Dame mit kurz geschnittenem Haar ihrem Gesprächspartner und schaut zu ihrem goldenen Ring an der rechten Hand. Sie lächelt zaghaft. Und dann klingelt wieder die Glocke. „Schon vorbei?“, fragt der Herr und rutscht einen Platz weiter.

Zum Schluss gibt es Spargel-Quiche mit Crème fraîche und Sommersalat. „Ein Herr hat mein Interesse geweckt“, flüstert eine Teilnehmerin ihrer Sitznachbarin zu. Nicht nur Frauen und Männer lernen sich an diesem Abend kennen, auch einige Frauen scheinen untereinander Sympathien zu entwickeln. Denn dieser Abend soll nicht nur der Partnerschaftssuche, sondern auch der Suche nach Freizeit- und Reisepartnern dienen. Im Laufe des Abends werden die Gespräche vertieft, Telefonnummern und Adressen ausgetauscht.

Nächster Termin: 29. Juli im Wintergarten der Bar Frohnau, weitere Gruppen ab 40 und 50 Jahren möglich, Anmeldungen unter kult_made@yahoo.com