Bau-Schlamperei

U-Bahn-Eingang am Hauptbahnhof muss abgerissen werden

Am Hauptbahnhof droht der Abriss des südöstlichen Zugangs zur Linie U55. Schuld sind Schlampereien bei der Fertigstellung des Bahnhofs.

Neue Bauposse in Berlin: Weil beim Bau des Hauptbahnhofs nicht überall ordentlich gearbeitet wurde, müssen zehn Jahre nach seiner Eröffnung wohl bestehende Anlagen wieder abgerissen und neu gebaut werden. Konkret geht es um einen Zugang zur U-Bahnstation unter dem Hauptbahnhof. Sie ist derzeit Endhaltepunkt für die Stummel-Linie U55. Von 2020 an sollen dort aber die Züge der Linie U5 halten.

Der Bahnhofseingang, der am Friedrich-List-Ufer hinab zur U-Bahn führt, steht nun jedoch einem anderen wichtigen Verkehrsprojekt im Wege. Unter dem Arbeitstitel „S21“ will die Deutsche Bahn eine neue Nord-Süd-Verbindung für die S-Bahn schaffen. An einem ersten Teilstück für die S21 wird bereits seit längerer Zeit gebaut. Die rund zwei Kilometer lange Trasse führt von den nördlichen Ringbahn-Stationen Wedding und Westhafen direkt bis unter den Hauptbahnhof.

Da dieses Projekt Teil des Bahnknotenkonzepts für Berlin ist, sollten bereits beim Bau des Hauptbahnhofs entsprechende Vorkehrungen für einen unterirdischen S-Bahnhof getroffen werden. Doch wie sich herausstellte, entsprachen die Vorbereitungen für die S21 nicht den Anforderungen, wie die Bahn bereits vor einiger Zeit einräumte. Hinter vorgehaltener Hand ist da auch von Fehlplanungen die Rede, die wohl dem hohen Bautempo geschuldet sind. Bekanntermaßen hatte der damalige Bahn-Chef Hartmut Mehdorn die Projektverantwortlichen angetrieben, den Hauptbahnhof wie von ihm versprochen rechtzeitig zur Fußball-WM 2006 fertigzustellen. Das Ziel wurde erreicht, allerdings nur durch rigide Eingriffe in das Projekt. Legendär ist das um 133 Meter verkürzte Dach für die oberirdischen Bahnsteige.

Bahn und Senat planen einen Interimsbahnsteig

Damit das erste Teilstück für die S21 noch in diesem Jahrzehnt in Betrieb genommen werden kann, planen Bahn und Senat einen Interimsbahnsteig nördlich vom Hauptbahnhof. Der eine Zugang zum U55-Bahnhof steht nun jedoch den Arbeiten dafür im Wege. Der Abriss und ein Wiederaufbau des Treppenaufgangs gemeinsam mit dem südlichen Ausgang für den S21-Bahnhof sei technisch und wirtschaftlich die günstigste Lösung, wie ein Bahnsprecher sagte. Berichte, wonach diese Arbeiten vier Millionen Euro kosten würden, wollte er aber nicht bestätigten. Der Kosten- und Zeitplan sei noch in der Erarbeitung. Im Übrigen werde der eigentliche U-Bahnhof „nicht angerührt“.

Die BVG als Betreiber der U-Bahnstation erwartet für die wenigen Nutzer der U55 (zuletzt 6200 Fahrgäste pro Tag) keine Einschränkungen. Insgesamt gebe es sechs Eingänge zum U-Bahnhof. „Der Zugang vom Friedrich-List-Ufer aus ist dabei derjenige, der am wenigsten genutzt wird“, so BVG-Sprecher Markus Falkner.