Natur

Die neue Lust an der Bienenzucht

Imkern ist in der Stadt immer beliebter, doch auf dem Land fehlen die Bienenvölker. Reinickendorfer Verein hat einen neuen Garten.

 Melanie von Orlow,t Vorsitzende des Imkervereins Reinickendorf-Mitte kontrolliert im Garten der Alten Fasanerie in Lübars einen Bienenkasten

Melanie von Orlow,t Vorsitzende des Imkervereins Reinickendorf-Mitte kontrolliert im Garten der Alten Fasanerie in Lübars einen Bienenkasten

Foto: David Heerde

In der Einflugschneise herrscht Hochbetrieb. Die Bienen drängeln sich vor dem kleinen Flugloch, um ihre gesammelten Pollen loszuwerden. Drinnen im Bienenschaukasten sind einige Waben halb gefüllt, manche voll mit Honig und verdeckelt. Schnatternd kommen Gänse angewatschelt, eine Katze streift um das Gelände.

In der Alten Fasanerie, auch als Familienfarm Lübars bekannt, hat der Imkerverein Reinickendorf ein kleines Refugium mit Museum und Garten für die Bienen geschaffen. Jetzt gibt es Pläne, den Garten neu zu gestalten. Die Ideen werden unter anderem am „Tag der Reinickendorfer Imkerei“ am 3. Juli in der Alten Fasanerie vorgestellt.

Elisabethstift stellt Imkern Räume und Vorgarten zur Verfügung

Die Familienfarm Lübars wird seit zwei Jahren vom Elisabethstift betrieben, einer Einrichtung für Kinder- und Jugendhilfe im Diakonischen Werk. Auf dem Gelände, auf dem nicht nur Bienen, sondern auch Fasane, Wollschweine, Ziegen, Ponys und Alpakas zu Hause sind, sollen benachteiligte Jugendliche wieder an Tagesstrukturen und an die Arbeitswelt gewöhnt werden.

Das Elisabethstift hat den Imkern die Räume für das Museum und nun auch den Vorgarten kostenlos zur Verfügung gestellt. Noch ist der Garten verwildert, das Unkraut steht hoch. „Wir wollen Wege anlegen und Sitzgelegenheiten schaffen“, sagt Melanie von Orlow, Vorsitzende des Imkervereins Reinickendorf-Mitte und Fachbuchautorin für Imkerei und Wildbienen.

Der Garten soll neu bepflanzt und teilweise überdacht werden. Wenn er fertig ist, können ihn auch Rollstuhlfahrer nutzen. Finanziert wird das Projekt unter anderem über ein Preisgeld, das die Bienenzüchter bei einem Wettbewerb des Natur­schutzbunds (Nabu) gewonnen haben.

Bienenpest in Pankow und Mitte ausgebrochen

1923 wurde der Imkerverein Reinickendorf-Mitte gegründet. Die Zahl der Mitglieder habe gerade in der jüngsten Vergangenheit rasch zugenommen und die 100 überschritten, sagt Melanie von Orlow. Zweimal im Monat treffe man sich zum Erfahrungsaustausch. Im Moment ist auch die amerikanische Faulbrut ein Thema. Die sogenannte Bienenpest, von der Larven betroffen sind, ist in Pankow und Mitte ausgebrochen. Für Menschen besteht keine Gefahr.

Die promovierte Biologin und Chemikerin hat selbst 20 Bienenvölker zu Hause im Garten in Tegel. Die Imkerei, so erzählt die Mutter von drei Kindern, sei längst keine Nische mehr. Im Gegenteil, Bienen seien mittlerweile so populär, dass sie auf dem Weg sind, ein Volkssport zu werden. Seit etwa zehn Jahren wird die Imkerei in den Städten immer beliebter. Das liegt nicht zuletzt an mittlerweile einfachen Haltungssystemen, wie zum Beispiel der Bienenbox, die an der Balkonbrüstung angebracht werden kann.

500 Bienenvölker in Reinickendorf sind genug

Etwa 500 Bienenvölker gibt es in Reinickendorf, in ganz Berlin kümmern sich 1100 Imker um mehr als 5000 Bienenvölker. Der Imkerboom habe dazu geführt, dass es zum Beispiel in Reinickendorf genügend Völker gebe, sagt die Expertin. „Es muss nicht noch mehr Imker in der Stadt geben, um die Bestäubung sicherzustellen“, so Melanie von Orlow.

Viel wichtiger sei es, dass sich mehr Bienenzüchter auf dem Land ansiedeln. Dort würden es immer weniger werden, teils weil sie in die Stadt ziehen, teils weil sie einfach mit der Imkerei aufhören. In Berlin gebe es zwar noch viele Bäume, aber es müsste mehr für deren Erhalt getan werden. Sonst könnte es passieren, dass es mehr Bienen als Bäume gebe, sagt die Biologin. Eine Situation, die in New York schon eingetreten sei. Dort würden die Bienen auf der Suche nach Blütenstaub schon Holzmehl sammeln.

Melanie von Orlow kann stundenlang von Bienen erzählen. Sie steht am Bienenkasten und erklärt, was jedes Tier gerade tut. Da klingelt ihr Handy. Alarm. Ein Reinickendorfer meldet Hummeln im Abluftschacht. „Ein einfaches Problem“, sagt die Bienenfachfrau. Sie muss den Schacht öffnen lassen und die Hummeln umsiedeln. Wenige Minuten später sitzt sie schon im Auto.

Tag der Reinickendorfer Imkerei, 3. Juli, in der Alten Fasanerie, Fasanerie 10, 13 bis 17 Uhr