Posse am Wannsee

Steg für neues Berliner Feuerwehrboot nicht geeignet

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Andreas Gandzior
Eines der beiden MZB Mehrzweckboote der Berliner Feuerwehr  bei der Übergabe im April

Eines der beiden MZB Mehrzweckboote der Berliner Feuerwehr bei der Übergabe im April

Foto: Detlef Machmüller

Die Anlegestelle in Wannsee ist für das Mehrzweckboot zu hoch. Doch im Etat ist kein Geld für den Umbau der Anlegestelle vorgesehen.

Die Berliner Feuerwehr hat Schwierigkeiten mit einem neuen Boot und der dazu passenden Anlegestelle. Denn nach Informationen der Berliner Morgenpost ist der Steg in Wannsee baufällig und zu hoch für das neue Wasserfahrzeug.

Anfang April dieses Jahres wurden zwei neue Mehrzweckboote (MZB) an die Feuerwehr ausgeliefert, Stückpreis knapp 130.000 Euro. Flacher, schneller und technisch aufgerüstet sollten sie auf den Berliner Gewässern zum Einsatz kommen. Eines dieser neuen Wasserfahrzeuge wird tatsächlich genutzt, für das zweite fehlt aber der passende Steg.

So ist seit 18. Mai ein Boot bei der Freiwilligen Feuerwehr in Tegelort im Einsatz. Das zweite MZB konnte bislang nicht zu seinem Bestimmungsort, der Feuerwache Wannsee, gebracht werden. Es liegt derzeit bei der Feuerwache Spandau-Süd im Wasser, dient als taktische Reserve. Mit einer längeren Vorlaufzeit könne das MZB zu einem Einsatz ausrücken, erklärte ein Fachmann.

Der Anleger muss an einer Stelle tiefer gelegt werden

Die beiden Mehrzweckboote „MZB 3“ und „MZB 4“ sollen mit ihrer speziellen Bauart und der technischen Ausrüstung die Arbeit der Rettungskräfte auf dem Wasser unterstützen. An Bord befinden sich unter anderem ein GPS-Kartenplotter, der auf einem Bildschirm eine Karte des Gewässers mit allen Besonderheiten anzeigt. Außerdem ist ein Seitensichtsonar vorhanden, mit dem Menschen und Gegenstände leichter aufgespürt werden können. Die Boote bieten Platz für bis zu zehn Personen, haben wenig Tiefgang und fahren bis zu 60 Kilometer in der Stunde.

„An dem Steg an der Feuerwache Wannsee muss noch gearbeitet werden“, sagte Feuerwehrsprecher Stephan Fleischer. „Da auch ein Polizeiboot dort anlegt, muss er an einer Stelle tiefer gelegt werden, da das Mehrzweckboot eine tiefere Einstiegshöhe hat als das Boot der Polizei.“ Sobald diese Maßnahmen auf dem Großen Wannsee abgeschlossen sind, werde das MZB dort eingesetzt.

Gewerkschaft kritisiert Missstände bei der Planung

Aber: „Wegen unerwarteter Kosten ist zurzeit noch nicht sicher, ob diese Maßnahmen noch in diesem Jahr abgeschlossen werden können“, sagte Fleischer. Die Kosten dafür seien im laufenden Etat so nicht veranschlagt, hieß es. Offenbar versäumte die Feuerwehrführung, neben den Planungen für die Neuanschaffung der MZB die Um- und Neubauarbeiten sowie deren Finanzierung für den Steg zu planen. „Diesen Vorwurf müssen wir uns wohl gefallen lassen“, sagte der Behördensprecher der Berliner Morgenpost.

Die Bezirksgruppe Feuerwehr in der Gewerkschaft der Polizei (GdP) kritisiert die Missstände bei der Planung. „Die Steganlage der Feuerwache Wannsee ist ehemals für ein Löschboot erstellt worden, das dort stationiert war“, sagte der Vorsitzende der Bezirksgruppe, Michael Schombel. „Dass dort ein unzureichender Ersatz für ein Löschboot, ein sogenanntes Mehrzweckboot, keinen Platz findet, war und ist doch bekannt.“ Es spiegele die Sicherheitspolitik des Berliner Senats wieder, bei der der Brandschutz auf den Gewässern und den bewohnten Inseln komplett in den Hintergrund geraten sei, so Schombel.

Minderwertige Technik zur Brandbekämpfung auf Gewässern

Laut Gewerkschaft wurden vor Jahren veraltete Polizeiboote mit minderwertiger Technik zur Brandbekämpfung ausgestattet und sollten die in die Jahre gekommenen Löschboote der Feuerwehr ersetzen. „Die liegen jetzt am Steg in Wannsee und eins in Spandau bei der Wasserschutzpolizei“, erklärte Schombel. „Bei einem größeren Feuer können sie nicht eingesetzt werden, da sie technisch nicht dazu in der Lage sind.“