Amtsgericht Tiergarten

Eklat beim Prozess gegen Model Gina-Lisa Lohfink

Gina-Lisa Lohfink ist zu einer Symbolfigur der „Nein heißt Nein“-Bewegung geworden. Beim Prozess in Berlin kam es jetzt zum Eklat.

Als Gina-Lisa Lohfink das Gerichtsgebäude betrat, hatten sich schon viele Unterstützerinnen versammelt

Als Gina-Lisa Lohfink das Gerichtsgebäude betrat, hatten sich schon viele Unterstützerinnen versammelt

Foto: HANNIBAL HANSCHKE / REUTERS

Im Prozess gegen das Model Gina-Lisa Lohfink ist es zu einem Eklat gekommen. Lohfink und ihre Verteidiger verließen am Montagnachmittag empört den Verhandlungssaal im Amtsgericht Berlin-Tiergarten. Zur Begründung hieß es von ihnen, das Gericht habe die Öffentlichkeit bei einer geplanten Anschauung eines Sex-Videos mit Lohfink nicht ausschließen wollen. Die Richter wollten Filmsequenzen auf einem Laptop, abgewandt vom Publikum und ohne Ton, ansehen. Der Bildschirm wäre für das Publikum im Saal und die Presse nicht sichtbar gewesen. Wann die Verhandlung fortgesetzt werden sollte, war zunächst unklar. Zuvor waren Zeugen gehört worden.

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Die frühere „Germany's next Topmodel“-Kandidatin steht wegen falscher Verdächtigung vor dem Amtsgericht Berlin-Tiergarten. Sie hatte einem Fußballer sowie einem VIP-Manager Vergewaltigung vorgeworfen. Der Verdacht bestätigte sich bei ersten Ermittlungen nicht. Die beiden Männer bekamen aber einen Strafbefehl, weil sie einen Film vom Sex mit Lohfink verbreitet hatten.

Lohfink bekam wegen falscher Verdächtigung einen Strafbefehl - sie sollte 24 000 Euro zahlen. Weil sie den nicht akzeptierte, kam es nun zu einer öffentlichen Verhandlung. Es stand auch die Vermutung von Lohfink im Raum, dass ihr K.o.-Tropfen verabreicht worden seien.

Der Fall hat bundesweit Aufsehen erregt und spaltet die Gemüter. Die einen sehen Lohfink als ein Opfer der Justiz sowie als Vorkämpferin für die Rechte von Frauen, die sexuelle Gewalt erlitten haben. Andere sehen in dem Fall eine inszenierte Tränenshow. Ein Urteil sollte am Montag voraussichtlich nicht mehr gesprochen werden, wann es fällt, war noch offen.

Die Verhandlung beginnt mit einem Befangenheitsantrag der Verteidiger gegen die Richterin. Der wird zurückgestellt. Der erste Zeuge wird aufgerufen. Es ist der heute 28-jährige Fußballer, der damals in Wolfsburg spielte und Lohfink in einem Berliner Club kennenlernte. Der Sex sei einvernehmlich gewesen - an drei aufeinanderfolgenden Tagen im Juni 2012. „Ich würde niemals etwas machen, was sie nicht will“, sagte der Sportler. „Das war schon eine engere Bindung zwischen uns.“

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Er habe den Strafbefehl wegen der Verbreitung des Videos geschluckt, damit die Sache nicht noch weiter öffentlich werde. „Ich habe sehr darunter gelitten, das hat meiner Karriere geschadet“, sagte der Fußballer, der heute im Ausland spielt. Er habe den Sex auch gefilmt, „aber ich habe das niemals an die Presse gegeben“.

Immer wieder schüttelt Lohfink den Kopf, wischt sich Tränen aus den Augen, atmet schwer und wedelt sich Luft zu. Einer der beiden Anwälte hält kurz ihre Hand. Im Gerichtssaal äußert sich Lohfink nicht, das machen ihre beiden Anwälte.

Vor dem Gerichtssaal sind schrille „Nein, nein, nein“-Rufe zu hören. Wachtmeister schleppen eine Femen-Anhängerin weg, die mit nacktem Oberkörper demonstriert. Im Gang vor dem Saal 572 erklingt rhythmisches Klatschen, als das Model zur Toilette geht.

Als Zeugin spricht auch Lohfinks Ex-Managerin von den damaligen Vorgängen. Die 40-Jährige erzählt, wie Lohfink nach der zweiten Partynacht irgendwann nachmittags mit einem Taxi vor einem Köpenicker Hotel angekommen und torkelnd und verstört ausgestiegen sei. „Da hab' ich schon gesehen, da stimmt was nicht.“ Richterin Antje Ebner sagt dazu: „Davon haben Sie kein Wort bei der polizeilichen Vernehmung gesagt, das ist doch aber wichtig. (...) Oder war das gar nicht so?“