Friedrichshain

Größte Jugendherberge Berlins eröffnet am Ostkreuz

Am Ostkreuz eröffnet die größte Jugendherberge der Stadt. Schon jetzt verzeichnet sie viele Buchungen. Es gibt aber auch Kritik.

Die größte Jugendherberge in Berlin am Ostkreuz

Die größte Jugendherberge in Berlin am Ostkreuz

Foto: Sergej Glanze

Versteckt hinter einer kleinen Mauer ruht das ruht das massive, rostfarbene Backsteingebäude inmitten der durch­einander gewürfelten Bauten am Ostkreuz. Autos rauschen vorbei, die Züge donnern entlang der Schiene. Trotz der unmittelbaren Nähe zu der viel befahrenen Straße und zum Bahnhof herrscht auf dem großen Hof der neuen Jugendherberge Ostkreuz absolute Ruhe. Noch.

Am Sonnabend eröffnete unweit der belebten Warschauer Brücke und des berühmten Nachtclubs Berghain die größte Jugendherberge Berlins. Am Sonntag, 11 bis 17 Uhr, will der Betreiber seine neue Herberge am Tag der offenen Tür den Anwohnern und allen Interessierten präsentieren. Die ersten Gäste werden am 1. Juli erwartet. Doch bereits vor der offiziellen Eröffnung sei die Resonanz überwältigend, sagt der Betriebsleiter der Jugendherberge, An­dreas Scheuring. „Bis Oktober sind wir mehr oder weniger komplett ausgebucht“, so der Leiter. Lediglich Einzelbelegungen in den Dorm-Zimmern, wie die Räume mit den sechs Einzelbetten genannt werden, seien möglich. Insgesamt liegen für das zweite Halbjahr bereits rund 40.000 Buchungen vor, so die Betreibergesellschaft des Deutschen Jugendherbergswerks (DJH).

Zehn-Millionen-Investition

Zehn Millionen Euro investierte die gemeinnützige Gesellschaft in den Umbau des denkmalgeschützten Backsteingebäudes, welches seit 1907 als Gymnasium, später als Sitz der Fachhochschule für Wirtschaft und Technik genutzt wurde. In zweijähriger Bauzeit wurden aus den ehemaligen Klassenräumen Schlafzimmer mit insgesamt 445 Betten. „Wir schafften zusätzlich Platz, indem wir in die Schulräume Trennwände einbauten“, erklärt Scheuring. Eine besondere Herausforderung: Die Räume brauchten Türen. Da das Gebäude unter Denkmalschutz steht, konnten deshalb nicht alle Eingänge einheitlich umgebaut werden. Gehe man jetzt entlang der Flure, so wechseln sich jeweils eine alte und eine neue Tür ab, sagt er lachend. Neben den Schlafräumen stehen den Gästen 16 Veranstaltungsräume und eine Aula zur Verfügung, die Platz für bis zu 180 Personen bietet. Dort können Seminare, Events und Weiterbildungen stattfinden.

Für die Betreiber sei es wichtig, nicht nur einen Möglichkeit zum Übernachten zu bieten. Vielmehr setzten sie auf ein pädagogisches Konzept, um Berlin für Klassen-und Jugendgruppen erlebbarer zu machen. Geplant sei ein Programm, das die jungen Leute einerseits mit der Geschichte der Stadt vertraut macht, andererseits den Spaß am Entdecken weckt. „Ein Beispiel dafür wäre das Selfie-Sightseeing“, erzählt Marketingchefin Jessica Braun. Es sei eine Art moderne Schnitzeljagd, bei der die jungen Leute vor den Sehenswürdigkeiten Selbstporträts mit ihren Handys aufnehmen, dabei aber spezielle Anforderungen erfüllen müssen, um die Bilder lustiger zu gestalten.

Jugendherbergswerk pachtet Gebäude gratis vom Land

Der pädagogische Ansatz und die Teilnutzung des Gebäudes für Seminare ist ein verbindlicher Bestandteil des Vertrages zwischen dem Betreiber und dem Land Berlin. Als Eigentümer des Gebäudes verpachtete das Land das Haus für 30 Jahre an das Deutschen Jugendherbergswerk – und das gratis. Nach Ablauf der Vertragszeit soll neu verhandelt werden. „Es ist eine Win-Win-Situation für beide Parteien“, erklärt der Geschäftsführer der Herberge, Jacob Geditz. Natürlich sei es ein Entgegenkommen seitens Berlins. Andererseits bringe der Vertrag viele Pflichten mit sich. „Die Projekte zum nationalen als internationalen kulturellen Austausch werden komplett von dem DJH-Hauptverband und acht weiteren Verbänden finanziert“, so Geditz. Hinzu kommen die Kosten für den Umbau und die Instandhaltung des Gebäudes. „So hat Berlin ein Gebäude, was in den nächsten 30 Jahren genutzt und gepflegt wird, ohne das die Haushaltkasse belastet wird“, sagt Geditz.

Kritik an dem Projekt gibt es trotzdem. Zwar boomt die Berliner Tourismusbranche – im vergangenen Jahr wurde der Rekordwert von 30 Millionen Übernachtungen in Hotels und Pensionen geknackt. Das kurbelt einerseits die Wirtschaft an. Andererseits steigern die wachsenden Touristenzahlen die Nachfrage nach Übernachtungsmöglichkeiten.

Jedoch locken Hostels und Pensionen im Billigpreissegment vor allem die sogenannten Partytouristen in die Stadt. Das erfreut die Berliner eher weniger und sorgt in den Kiezen immer wieder für angespannte Stimmung. Uringeruch in den Hauseingängen, Erbrochenes an der Straße oder grölende Jugendliche mitten in der Nacht – das kennen die Anwohner in Szene-Bezirken mehr als gut. „Es ist uns wichtig, dass wir hier im Kiez nicht zum Fremdkörper werden“, sagt Geschäftsführer Geditz. Deshalb möchte er die Jugendherberge als einen Ort der Begegnung etablieren. Er soll sowohl von den Gästen als auch von den Anwohnern genutzt werden. Künftig sollen gemeinsam Lösungen für die Probleme, die der Partytourismus mit sich bringt, erarbeitet werden.