Neue Berechnung

Die Sanierung aller Schulen kostet fünf Milliarden Euro

Die Bezirke sollen dem Senat bis zum 30.Juni melden, was an ihren Schulen gemacht werden muss. Fest steht schon jetzt: Es wird teuer.

Die Paul-Natorp-Oberschule gehört zu den sanierungsbedürftigen Schulen

Die Paul-Natorp-Oberschule gehört zu den sanierungsbedürftigen Schulen

Foto: Buddy Bartelsen / impress picture - Buddy Bartelsen

Der Bezirk Tempelhof-Schöneberg hat bisher alle Erwartungen übertroffen: Einen Sanierungsbedarf von 560 Millionen meldete der Bezirk nach Informationen der Berliner Morgenpost der Senatsverwaltung für Bildung. In Reinickendorf werden es laut Bildungs-Stadträtin Katrin Schultze-Berndt (CDU) mindestens 410 Millionen Euro sein. Die Feinabstimmung laufe gerade. Schultze-Berndt sagte der Berliner Morgenpost: "Wir müssen berlinweit mit mindestens fünf Milliarden Euro rechnen, die für die Sanierung aller Schulgebäude nötig sind."

Bis zum 30. Juni sind alle Bezirke aufgefordert nach einem einheitlichen Gebäudescan die Mängel an den Schulen zu erfassen und die Kosten zu berechnen. Zum ersten Mal hat die Bildungsverwaltung gemeinsam mit den Bezirken Kriterien festgelegt, denn bisher wurde der von den Bezirken geschätzte Sanierungsbedarf von zwei Milliarden Euro in Zweifel gezogen.

Nervosität ist groß

Nun zeigt sich, die Schätzungen waren weit untertrieben: Schon als Charlottenburg-Wilmersdorf die Zahl von 368 Millionen Euro öffentlich machte, war die Aufregung groß. Staatssekretär Mark Rackles (SPD) schrieb umgehend in einem Brief an den Bildungsstadtrat Oliver Schruoffeneger, der Bezirk müsse erklären, wie es sein könne, dass es an den Schulgebäuden so viele Schäden gebe.

Zu den Schulen, die die Bezirke als stark sanierungsbedürftig melden werden, gehören unter anderem das Friedrich-Engels-Gymnasium sowie die Ber­tha-von-Suttner-Oberschule in Reinickendorf. Aber auch die Paul-Natorp-Oberschule in Friedenau oder die Birger-Forell-Grundschule in Wilmersdorf sowie die Fichtenberg-Oberschule in Steglitz.

Die Nervosität ist groß, denn schließlich hatte der Regierende Bürgermeister Michael Müller (SPD) bereits das Wahlversprechen abgegeben, in den kommenden zehn Jahren alle Schulgebäude sanieren zu wollen. Die Fachleute vom Bezirk Tempelhof-Schöneberg haben die Kriterien in der gemeinsamen Arbeitsgemeinschaft mit der Bildungsverwaltung sogar selbst mitentwickelt und wissen somit genau, was in den Gebäudecheck reingehört, und was nicht. "Wir sind nicht überrascht über die hohe Summe, schließlich sind im Bezirk 70 Prozent der Schulen älter als hundert Jahre", sagte Bildungsstadträtin Jutta Kaddatz (CDU). Schon bei der letzten Schätzung habe die Summe bei 250 Millionen Euro gelegen.

Nun seien in der Abfrage zusätzliche Kriterien wie zum Beispiel Außengelände und Sportanlagen hinzugekommen. In Spandau liegt die vorläufige Summe bei 305 Millionen Euro. "Die Endabstimmungen laufen noch" sagte Schulamtsleiter Gregor Kempert. Fest stehe jedoch, auch in Spandau habe sich der Sanierungsbedarf zur ursprünglichen Schätzung mehr als verdoppelt.

In Neukölln wird die bisher genannte Zahl von 150 Millionen Euro laut Bürgermeisterin Franziska Giffey (SPD) nicht zu halten sein. "Die Summe wird etwa doppelt so hoch ausfallen", sagte sie der Berliner Morgenpost. Auch die Bildungssenatorin Sandra Scheeres (SPD) steht unter Druck. "Wir behalten uns vor, Stichproben zu machen und die Daten auf ihre Plausibilität zu prüfen, bei dem ganzen Prozess haben Sorgfalt und Genauigkeit ganz klar Vorrang", sagte Scheeres.

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