Rigaer Straße

Nach Polizeieinsatz: Die Gewalt in Berlin reißt nicht ab

Auf ein Polizeiauto fliegen Steine, in Nikolassee brennen Autos, ein Jobcenter wird beschmiert: In Berlin häufen sich die Attacken.

Der Schriftzug "Rigaer bleibt" in Nikolassee

Der Schriftzug "Rigaer bleibt" in Nikolassee

Foto: Thomas Schröder

Die Attacken auf Polizeibeamte, Autos und Gebäude nach der Polizeiaktion in der Rigaer Straße in Berlin reißen nicht ab. In der Nacht zum Freitag wurde in Pankow ein Funkwagen mit Pflastersteinen beworfen. Innensenator Frank Henkel (CDU) verurteilte die Tat als „versuchten Mord“ und kündigte für die kommenden Nächte hohe Polizeipräsenz im Stadtgebiet an.

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Der Streifenwagen war beschädigt worden, die Polizisten blieben unverletzt. Einsatzkräfte, die einen Stein ohne Helm an den Kopf bekämen, hätten keine Chance, sagte Henkel. „Die Täter legen es bewusst darauf an, dass Polizeibeamte schwerstens verletzt werden oder sogar ums Leben kommen.“

Gewalt-Aufruf nach Einsatz an der Rigaer Straße

Nach einem Einsatz der Polizei in einem von Linksautonomen bewohnten Haus in der Rigaer Straße in Friedrichshain am Mittwoch war im Internet zu Gewalt aufgerufen worden. Seitdem brannten mehrere Autos und es wurden verschiedene Gebäude attackiert. Der für politische Straftaten zuständige Staatsschutz ermittelt.

Unbekannte beschmierten in der Nacht zum Freitag das Jobcenter in der Müllerstraße in Wedding mit Farbe. Im Internet tauchte danach ein Bekennervideo auf, in dem am Ende ein Bezug zur Rigaer Straße hergestellt wurde. In der Nähe des Jobcenters wurde zudem ein im Bau befindliches Wohngebäude in der Gerichtstraße beschmiert. Wie die Polizei am Nachmittag mitteilte, seien die Täter als Zebra und Giraffe verkleidet gewesen. In dem Zusammenhang sucht die Polizei Zeugen. Hinweise an: (030) 4664-952101 oder per Mail: lka521@polizei.berlin.de

In der Teutonenstraße in Nikolassee wurden am Freitagmorgen vier Wagen angezündet, ein weiteres Auto fing dabei Feuer. Die Täter hinterließen in der Umgebung mehrere Graffiti. Auf Gehwegen und Mauern standen Parolen wie „Rigaer bleibt“ und „R;94“ mit einem Herz dahinter.

Für Samstagnachmittag war eine Solidaritätsdemonstration für das Haus in der Rigaer Straße angekündigt. Laut Polizei wollen bis zu 100 Teilnehmer vom Hermannplatz zum Kottbusser Tor ziehen.

Bereits in der Nacht zum Donnerstag war es zu Ausschreitungen gekommen: Autos brannten, an Bankgebäuden wurden Fensterscheiben eingeschmissen. Zwei Männer waren vorläufig festgenommen worden.

Im Abgeordnetenhaus hatten Parlamentarier von Grünen, Linken und Piraten am Donnerstag die Polizei und auch Henkel für den Einsatz kritisiert. Die Piratenpartei warf dem Senator gezielte Eskalation vor.