Umstruktierungen

Deutsche Bank schließt in Berlin mehr als 20 Filialen

Konzern und Betriebsrat haben sich auf massive Umstrukturierungen geeinigt. Die Zweitmarke Berliner Bank verschwindet komplett vom Markt.

Eine Filiale der Deutschen Bank

Eine Filiale der Deutschen Bank

Foto: Frank Rumpenhorst / dpa

Die Deutsche Bank wird bis Ende 2017 deutlich mehr als 20 Filialen in Berlin schließen. Das kündigte der Regionaldirektor des Geldhauses in Berlin, Harald Eisenach, in einem Gespräch an. Am Vortag hatten sich Konzernleitung und Betriebsrat auf massive Umstrukturierungen geeinigt. Die genaue Zahl und Standorte wollte der Bankmanager nicht nennen, weil zunächst mit den betroffenen Mitarbeitern über neue Stellenangebote sowie Versetzungen gesprochen und die Kunden direkt informiert werden sollen.

Das Filialnetz der Banken in Berlin

Die Umstrukturierung biete auch „Chancen für Berlin“, sagte Eisenach. „Es geht nicht nur um Filialen, sondern um ein Zukunftsmodell.“ Weiter sagte er: „Wir müssen wachsen, effizienter werden und Technologien besser nutzen, weil sich unsere Umfeld verändert hat.“ Schon jetzt würden 27 Prozent der Kunden ihre Bank nach deren digitalem Angebot auswählen.

Deutsche Bank beschäftigt in Berlin 4000 Mitarbeiter

Die Deutsche Bank beschäftigt zusammen mit ihrer Zweitmarke Berliner Bank in der Hauptstadt insgesamt 4000 Menschen. Davon sind 1600 direkt in Filialen tätig. Weil das Geldhaus die Berliner Bank (38 Filialen) bis Ende 2017 komplett vom Markt nehmen und in die Hauptmarke integrieren will, fallen die Einschnitte in Berlin „deutlich höher“ aus als im landesweiten Durchschnitt. „In Deutschland sind 25 Prozent der Filialen von der Schließung betroffen“, sagte Eisenach. In urbanen Zentren werde „mehr konsolidiert“ als auf dem flachen Land.

Eisenach skizzierte weitere Schritte, mit denen er das Geschäft der Bank in Berlin umstrukturieren will. So werde in diesem September der Neubau an der Otto-Suhr-Allee in Charlottenburg bezogen, wo insgesamt 2000 Mitarbeiter des Konzerns arbeiten sollen. Der Fortschritt der Bauarbeiten liege im Plan. Dort soll auch das Risikomanagement des Bankkonzerns zentralisiert werden. Aktuell arbeiten in dieser Abteilung 600 Fachkräfte. Ihre Zahl soll im Laufe dieses Jahres um zehn Prozent steigen.

Beratung per Chat, Telefon und Video

In Berlin wird die Deutsche Bank ein neues Konzept von Beratungscentern testen, wo Kunden auch außerhalb der gewöhnlichen Öffnungszeiten per Chat, Telefon oder Videokonferenz bedient werden.

Der Pilot dieser Center wird mit 100 Beschäftigten direkt gegenüber dem Bahnhof Zoo eröffnet. Diese Einrichtung soll vor allem Privat- und Gewerbekunden sowie Selbstständigen dienen. Die in Berlin gewonnenen Erkenntnisse sollen den Aufbau sechs weiterer solcher Zentren in den übrigen Direktionen der Bank optimieren. Damit reagiert das Geldhaus auf das geänderte Kundenverhalten. „43 Prozent der Kunden besuchen ihre Bank nur ein Mal pro Jahr und 60 Prozent wünschen sich Zugang auf anderen Wegen“, sagte Eisenach.

Die vor mehr als zehn Jahren eröffnete „Filiale der Zukunft“ an der Friedrichstraße in Mitte wird umgebaut und soll nach einer dreimonatigen Schließung im November als „Quartier der Zukunft“ wieder eröffnet werden. Dort hatte die Bank Geschäftsmodelle der Zukunft getestet.

„Deutsche Bank Lab“ am Hackeschen Markt bleibt bestehen

Bestand hat das „Deutsche Bank Lab“ am Hackeschen Markt in Mitte, das gemeinsam mit Schwester-Laboratorien in London und im Silicon Valley an zukunftsweisenden Konzepten für das digitale Ökosystem der Deutschen Bank arbeitet. Pro Jahr werden dort neue 500 Ideen beobachtet, neue Konzepte entwickelt und auch eigene Mitarbeiter auf die digitalen Herausforderungen vorbereitet. Die Deutsche Bank will bis zum Jahr 2020 insgesamt 750 Millionen Euro in die digitale Transformation ihres Geschäftsmodells investieren – davon 200 Millionen Euro schon in diesem Jahr.

Ferner hat die Bank eine Initiative „Startup@Berlin“ ins Leben gerufen, die Kunden in der Gründerszene betreut und Kontakte zu Wagniskapitalgebern vermittelt. Diese Abteilung betreut bereits 1000 Geschäftskunden aus der Berliner Gründerszene.

„Wir streben eine sozialverträgliche Lösung ohne betriebsbedingte Kündigungen an“, sagte Eisenach. „Alle Mitarbeiter können sich auf jede neue Stelle bewerben.“ Wie berichtet, sollen In Deutschland insgesamt 2500 Vollzeitstellen gestrichen werden.