Bauprojekt

Bezirk Mitte stoppt Hochhaus auf der Fischerinsel

Das Hochhaus auf der Fischerinsel wird nicht gebaut. Auch in Treptow gibt es Proteste gegen Wohn- und Hoteltürme.

Das WBM-Hochhaus auf der Fischerinsel darf nicht gebaut werden

Das WBM-Hochhaus auf der Fischerinsel darf nicht gebaut werden

Foto: WBM/ DMSW Dahlhaus Müller Wehage bbz landschaftsarchitekten / BM

Der von der landeseigenen Wohnungsbaugesellschaft Mitte (WBM) geplante Wohnturm auf der Fischerinsel darf nicht gebaut werden. Das zuständige Bezirksamt Mitte habe den Bauvorbescheid für den geplanten 19-Geschosser abgelehnt, sagte WBM-Sprecherin Steffi Pianka am Donnerstag. Als Begründung sei der WBM mitgeteilt worden, dass der Neubau nicht in das bestehende Gebäudeensemble passe.

Die Entscheidung des Bezirks ist sowohl für die WBM als auch für das Kreuzberger Architekturbüro DMSW Dahlhaus Müller Wehage bitter: Dem Bauvorhaben war ein langwieriges Wett­bewerbsverfahren vorausgegangen, das die Planergemeinschaft im Herbst 2015 gewonnen hatte. "Es ist schwer nachvollziehbar, was zu dieser Entscheidung geführt hat", sagte die WBM-Sprecherin. Denn der Bezirk sei am Wettbewerbsverfahren beteiligt gewesen. Vertreter des Amtes haben in der Jury gesessen, die den Entwurf zur Realisierung vorgeschlagen hatte.

Der Baustadtrat des Bezirks, Carsten Spallek (CDU), bestätigte gegenüber dieser Zeitung die Entscheidung des Bezirks und schickte einen Auszug aus der schriftlichen Mitteilung mit. Darin heißt es: "Ein fremdes Bebauungselement zerstört die bestehenden Strukturen". Wie berichtet hatte es gegen das Bauvorhaben Proteste von Anwohnern und Bürgergruppen gegeben. Die WBM werde den Bescheid nun prüfen, sagte Pianka weiter. So lange liegt das Bauvorhaben mit 200 Wohnungen auf Eis.

6000 Unterschriften gegen das Bauvorhaben übergeben

Auch im Berliner Südosten wird derzeit über ein Hochhausprojekt gestritten. Das Unternehmen Agromex plant zwei Wohntürme mit 99 und 110 Meter Höhe und ein 63 Meter hohes Hotel am Spreeufer in Alt-Treptow. 220 Wohnungen und 160 Hotelapartments sind vorgesehen, außerdem eine Tiefgarage und eine 2000 Quadratmeter große Grünfläche. Ein Entwurf der Architekturbüros Pysall wird realisiert. Der Uferweg soll öffentlich zugänglich bleiben.

Anwohner protestieren gegen das Vorhaben. Sie haben am Donnerstag zusammen mit der Initiative "Mediaspree versenken" rund 6000 Unterschriften an die Bezirksverordnetenversammlung Treptow-Köpenick übergeben. Ihr Vorwurf: Die Einwendungen der Anwohner gegen das Vorhaben seien nicht berücksichtigt worden und hätten nicht zur Veränderung der Pläne geführt.

Mieter der umliegenden Häuser meinen, dass die Neubauten zu wenig Abstand zu ihren Wohnhäusern haben und kritisieren die geplante Versiegelung der Fläche und die Privatisierung des Uferweges. Der Protest hat Wirkung. Das Bauvorhaben sollte Thema der BVV-Sitzung am Donnerstag sein, ist jedoch kurzfristig wieder von der Tagesordnung genommen worden. In einer außerordentlichen Sitzung hatte der Stadtentwicklungsausschuss am Mittwoch entschieden, dass sich die Fraktionen noch einmal damit beschäftigen werden.

In den vergangenen Jahren ist ein vorhabenbezogener Bebauungsplan für das 9000 Quadratmeter große Grundstück an der Fanny-Zobel-Straße entwickelt worden. Der Entwurf wurde öffentlich ausgelegt. Weil es Verfahrensfehler gab, musste die Auslegung wiederholt werden. Einwendungen konnten beim Bezirksamt eingereicht werden. Unterdessen hat das Amt diese Einwendungen geprüft und abgewogen. Es habe insgesamt 84 Stellungnahmen der Öffentlichkeit gegeben, teilte das Bezirksamt mit. Sie hätten nicht zu einer Änderung der Planinhalte geführt, so die Behörde in ihrem Bericht. Über dieses Ergebnis der Abwägung werden die Bezirksverordneten nun erst im Juli abstimmen.

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