Pleite oder nicht?

Mitglieder der Hard-Candy-Clubs sind verunsichert

| Lesedauer: 2 Minuten
Gerlinde Schulte
Die Unternehmer Jürgen (l.) und Rolf Jopp mit Namensgeberin Madonna im  Fitness Club "Hard Candy Fitness"

Die Unternehmer Jürgen (l.) und Rolf Jopp mit Namensgeberin Madonna im Fitness Club "Hard Candy Fitness"

Foto: Jörg Carstensen / dpa

134.000 Euro offene Rechnungen hat Hard Candy allein beim Stromanbieter. Die Verbraucherzentrale empfiehlt die Kündigung.

Ist die Jopp AG nun pleite oder nicht? Das fragen sich derzeit die Mitglieder der Hard-Candy-Fitnessclubs in Berlin, die von der Firma betrieben werden. Auch wenn die Jopp-Brüder möglicherweise ein Insolvenzverfahren abwenden können, ist bisher noch nicht bekannt, wie es mit der Fitnesskette weitergeht.

Sieben der neun Clubs sind derzeit geschlossen, weil Vattenfall den Studios den Strom abgestellt hat. Es soll allein hier um offene Rechnungen von 134.000 Euro gehen. Die Firmenchefs sind in diesen Tagen ebenso wenig zu erreichen wie die Hotline für die Mitglieder. Wie berichtet hatten sich in den letzten Wochen Beschwerden über gravierende Mängel in den Studios gehäuft. Kurse entfielen, weil Trainer nicht bezahlt wurden; vor einer Woche gingen dann die Lichter aus.

Langfristige Verträge im Voraus bezahlt

Nun fürchten die Mitglieder um ihr Geld. Sie haben teilweise ungewöhnlich langfristige Verträge abgeschlossen und alles im Voraus bezahlt. Nach Auffassung der Verbraucherzentrale Berlin (VZ) haben die Mitglieder ein außerordentliches Kündigungsrecht. Angesichts der unklaren Lage sollten sie aber unbedingt die formaljuristischen Vorgaben einhalten und in zwei Schritten vorgehen, rät VZ-Juristin Jana Brockfeld.

„Zuerst sollten die Kunden die Jopp AG anschreiben und mit einer zweiwöchigen Fristsetzung die Behebung der von ihnen beschriebenen Mängel verlangen. Sie sollten auch darauf hinweisen, dass sie andernfalls von ihrem fristlosen Kündigungsrecht Gebrauch machen.“ Erst wenn die Frist ergebnislos verstrichen sei, könne die fristlose Kündigung folgen. Ebenfalls schriftlich und wie der erste Brief per Einschreiben. Dann sollte man zudem die Einzugsermächtigung widerrufen und den Kontostand auch überprüfen, sagt Brockfeld.

Betroffene sollten zur Verbraucherzentrale gehen

Wer Vorkasse geleistet hätte, sollte mit dem Kündigungsschreiben zudem einen Teil des Geldes zurückfordern. Die Höhe dieser Summe sei nicht immer einfach zu ermitteln, sagt Brockfeld, und rät Betroffenen mit ihrem Vertrag zur Beratung in die Verbraucherzentrale zu kommen. Die Kette hätte mit ihren Kunden eine Fülle von unterschiedlichen Verträgen und Rabatten ausgehandelt. Wie die Chancen stehen, tatsächlich Geld zurückzubekommen, könne man zum jetzigen Zeitpunkt allerdings nicht sagen.