Protestaktion

#Flüchtlingefressen: Tigerkäfig kann noch bleiben

Die Tiger bleiben vor dem Gorki Theater. Trotz des Räumungsbeschlusses hat die Künstlerinitiative noch eine Frist für ihre Aktion.

Der Tigerkäfig vor dem Maxim-Gorki-Theater muss zwar geräumt werden. Dennoch kann die Aktion wohl beendet werden

Der Tigerkäfig vor dem Maxim-Gorki-Theater muss zwar geräumt werden. Dennoch kann die Aktion wohl beendet werden

Foto: Maurizio Gambarini / dpa

Seit Mittwoch ist es offiziell: Der Tigerkäfig muss weg. Das öffentliche Straßenland sei innerhalb der nächsten zehn Tage zu räumen, teilte das Bezirksamt Mitte der Gruppe „Zentrum für Politische Schönheit“ (ZPS) mit. Es geht um den umstrittenen Käfig mit vier libyschen Tigern vor dem Gorki-Theater. Die Kunstaktion heißt „Flüchtlinge fressen“ und richtet sich gegen das Beförderungsverbot von Flüchtlingen. Eigentlich sollte schon am Tag des eingegangenen Widerrufungsbescheids geräumt werden. Nur lag den Veranstaltern bis dahin nichts Schriftliches vor.

Also bauten sie nicht ab, sondern antworteten sogar mit einem Anbau und erweiterten durch ein Geländer auf dem Dach den an eine römische Arena erinnernden Käfig. Gegen 13 Uhr am Mittwoch wurde ihnen dann jener Bescheid vom Straßen- und Grünflächenamt zugestellt.

Aufgeben wollen Theater und Künstlergruppe trotzdem nicht. Das kündigte die Gorki-Sprecherin, Xenia Sircar an. Sie sehen nicht ein, wieso ihre im Mai als Theaterveranstaltung genehmigte Aktion abgebrochen werden sollte. Philipp Ruch vom ZPS vermutet, dass sich das Amt an dem Titel stört, der politisch zu sehr provoziert.

„Mit der Arena machen wir Kunst und genau als diese wurde die Aktion auch angemeldet. Dass sich die Kunst politischer Symbole bedient, haben wir von Anfang an deutlich gemacht“, sagte Sircar am Mittwoch. Laut Harald Büttner, Leiter des Straßen- und Grünflächenamts, sei die Aktion aber schlichtweg nicht richtig angemeldet worden und falle aus Sicht des Bezirks nicht ins Straßengesetz. Die Künstler hätten die „Meinungskundgabe“ bei der Polizei anmelden müssen.

Das Theater und die Künstlerinitiative werden nun gemeinsam gegen den Bescheid Widerspruch einlegen. Vor dem Verwaltungsgericht wollen sie gegen die Anordnung des Amts klagen. Dafür seien sie mit ihren Anwälten bereits im Gespräch.

Mit der angesetzten Zehn-Tage-Frist bleibt ihnen übrigens noch genug Zeit, um ihre zynische Aktion wie geplant am Dienstag zu Ende zu bringen. Dann, wenn sich die aus Syrien geflohene Künstlerin May Skaf den Tigern zum Fraß vorwerfen lassen will, sollte die Regierung das Beförderungsverbot von Flüchtlingen in den kommenden Tagen nicht aufheben – wie das aussehen soll, ist offen.