Ausstellung

Erinnerung an den Vernichtungskrieg im Osten

Eine kompakte, temporäre Ausstellung auf dem Potsdamer Platz beschäftigt sich mit dem Überfall auf die Sowjetunion vor 75 Jahren

Kulturstaatsministerin Monika Grütters (CDU) beschirmt den russischen Botschafter in Deutschland, Wladimir Grinin, bei der Eröffnung der Freiluftausstellung „Vernichtungskrieg gegen die Sowjetunion 1941- 1945“ auf dem Potsdamer Platz

Kulturstaatsministerin Monika Grütters (CDU) beschirmt den russischen Botschafter in Deutschland, Wladimir Grinin, bei der Eröffnung der Freiluftausstellung „Vernichtungskrieg gegen die Sowjetunion 1941- 1945“ auf dem Potsdamer Platz

Foto: Jörg Carstensen / dpa

Freiluft-Präsentationen haben ihre Tücken, aber plötzlich einsetzender Regen kann auch zu spontanen politischen Gesten führen. Bei der Eröffnung der Ausstellung „Vernichtungskrieg gegen die Sowjetunion 1941-1945“ am Dienstag rang Kulturstaatsministerin Monika Grütters (CDU) mit dem Redemanuskript, das der Wind auf dem Potsdamer Platz wegzuwehnen drohte. Als später der russische Botschafter Wladimir Grinin sprach, begann es auch noch zu regnen. Grütters nahm einen Schirm, spannte ihn auf und stellte sich schützend neben den Botschafter. Ein durchaus symbolträchtiges Bild.

Eine Geste auf diplomatisch glitschigem Parkett. Nicht wegen der Vergangenheit, der 75. Jahrestag des Überfalls durch Nazi-Deutschland jährt sich am heutigen Mittwoch, am 22. Juni 1941 begann in den frühen Morgenstunden der Angriff unter dem Decknamen „Unternehmen Barbarossa“. Sondern der Gegenwart, der Annektierung der Krim durch Russsland und der von Moskau unterstützen Kämpfer in der Ost-Ukraine.

Den Nationalismus überwinden

Grütters erwähnte das in ihrer Rede: „In der Ukraine, die schon die nationalsozialistische Terrorherrschaft, die sowjetkommunistische Diktatur und die Verwerfungen nach dem Zerfall der Sowjetunion durchlitten hat, dauern die blutigen Konflikte an, die wir längst überwunden glaubten.“ Und wies darauf hin, dass es „ohne die Überwindung des Nationalismus, der einst im barbarischen Eroberungsfeldzug Hitlers im Osten gipfelte und der heute vielerorts wieder im Aufwind ist“, keinen dauerhaften Frieden in Europa geben könne. Wichtig sei, dass „wir durch Auseinandersetzung und Erinnerung an das präzedenzlose Leid, das Deutschland im 20. Jahrhundert über Europa gebracht hat, der Saat des Nationalismus den Boden entziehen“, sagte Grütters.

27 Millionen Menschen, überwiegend Zivilisten, starben bei diesem Krieg, in dem unter anderem die Großstadt Leningrad, das heutige Sankt Petersburg, 900 Tage lang belagert wurde und viele Einwohner verhungerten. Auf fünf großen Stelltafeln erinnert die kompakte Freiluftausstellung – wer shoppen geht, will sich nicht allzu lange mit der grausigen Geschichte beschäftigen – an das Leiden, an die Verantwortlichen, an die militärischen und ideologischen Vorbereitungen. So zeigen vier Karikaturen antisemitische und antibolschewistische Propaganda aus der Zeit von 1919 bis Kriegsende.

Die Diskussion über ein Denkmal ist eröffnet

Die Ausstellung ist von der Ständigen Konferenz der Leiter der NS-Gedenkorte im Berliner Raum konzipiert. Grütters hat dafür 48.000 Euro aus ihrem Haushalt zur Verfügung gestellt.

Günter Morsch, der Direktor der Stiftung Brandenburgische Gedenkstätten, forderte in seiner Rede zur Eröffnung der Ausstellung, dass „endlich hier im Zentrum Berlins ein Gedenkort und ein Erinnerungszeichen für die Millionen Opfer der geplanten Lebensvernichtung im Osten errichtet werden“.

Von dieser Initiative zu einem weiteren Denkmal zeigte sich Grütters überrascht – und wenig angetan. Das fängt ja schon mit den Problemen der Gestaltung an – zuletzt waren Freiheits- und Einheitsdenkmäler in Berlin und Leipzig auch daran gescheitert. Grütters verwies in einem Gespräch am Rande der Veranstaltung darauf, dass im Deutsch-Russischen Museum in Karlshorst der Vernichtungskrieg im Zentrum der Ausstellung stehe. Und sich auch andere Museum wie das im Herzen der Hauptstadt gelegene DHM diesem Thema ausführlicher widmen könnten.