Fall Elias und Mohamed

Silvio S. offenbart sich in Brief an seine Eltern

Tag drei des Prozesses: Der Richter verlas einen Brief, in dem Silvio S. zumindest indirekt die Morde an Elias und Mohamed zugibt.

Justizbeamte bringen Silvio S. in den Saal des Landgerichtes. Der Prozess gegen den mutmaßlichen Mörder von Elias und Mohamed wurde fortgesetzt

Justizbeamte bringen Silvio S. in den Saal des Landgerichtes. Der Prozess gegen den mutmaßlichen Mörder von Elias und Mohamed wurde fortgesetzt

Foto: Bernd Settnik / dpa/picture alliance

Den Paukenschlag gibt es am Ende des dritten Verhandlungstages. Alle geplanten Zeugen sind gehört, als der Vorsitzende des Potsdamer Schwurgerichts, Theodor Horstkötter, angekündigt, noch einen Brief verlesen zu wollen. Geschrieben hat ihn der mutmaßliche Doppelmörder Silvio S. aus der Haft an seine Angehörigen. Ein Brief, in dem der 33-Jährige zumindest indirekt zugibt, den sechsjährigen Elias und den vierjährigen Mohamed getötet zu haben: „Hallo Familie, vermisse euch sehr. Ich weiß, was ich euch und auch anderen mit meinen Taten angetan habe, würde mich aber über einen Besuch oder Brief sehr freuen.“

Zuvor hatten vor Gericht Bekannte des Angeklagten ausgesagt. Darunter zwei ehemalige und der aktuelle Lebensgefährte der vier Jahre jüngeren Schwester des Angeklagten. Sie sagten übereinstimmend aus, dass sie mit Silvio S. eigentlich nie richtig ins Gespräch gekommen seien. Er sei sehr zurückhaltend gewesen, in sich gekehrt, ein „Eigenbrötler“.

Vom Vater gedemütigt

Mehrere Zeugen betonten, dass Silvio S. unter seinem Vater gelitten habe. Der 73-Jährige habe den Sohn ständig gemaßregelt, oft auch lautstark beschimpft. Dabei sei es auch um Körperpflege und Kleidung gegangen, beides habe Silvio S. vernachlässigt. „Er hatte fettige Haare, trug Schlabberklamotten, aber war nun mal so“, sagte einer der Zeugen.

Das Verhältnis von S. zu seiner Mutter war den Beschreibungen der Zeugen zufolge deutlich besser. Der aktuelle Lebensgefährte der Schwester von Silvio S. sagte: „Er war nicht wie ein Mann. Er hat auf die Anweisungen seiner Mutter regelrecht gewartet. Er war Silvio S., ein großes Mutti-Kind“. Eine Bekannte der Familie S. sagte aus, dass die Freundin ihrer Tochter mit neun Jahren von dem knapp 20 Jahre älteren Silvio S. „regelrecht geschwärmt“ habe. Sie habe „mit ihm geschäkert und sich mit ihm sogar geküsst“, das habe ihr das Mädchen zumindest erzählt. Sie habe die beiden auch mal beim Händchenhalten gesehen, sagte die 39-Jährige.

Beileidskarte an die Mutter von Elias

Ein anderer Zeuge berichtete, dass Silvio S. im Dorf Kaltenborn „Berti“ gerufen wurde, von einigen auch „Schmökel“. Der Zeuge wusste jedoch nicht, ob mit diesem Spitznamen Bezug zu Frank Schmökel genommen wurde, der in Brandenburg als Mörder und Vergewaltiger für Schlagzeilen gesorgt hatte. 2002 wurde dieser zu „lebenslänglich“ verurteilt.

Als Zeuge gehört wurde auch ein Bestatter aus Brandenburg/Havel. Bei ihm war irrtümlich eine Beileidskarte gelandet, die Silvio S. an die Mutter von Elias geschrieben hatte. Zu dieser Zeit wurde noch fieberhaft nach dem vermissten Jungen gesucht. Die Beileidskarte wurde handschriftlich verfasst: „In tiefer Trauer um den verstorbenen Elias. Todeszeitpunkt: in der Nacht vom 11.7. auf den 12.7. zwischen 22 und 6 Uhr. Todesursache: Ersticken“. Das Schreiben schloss mit dem Wort „Sorry“. Nebenklagevertreter Andreas Schulz sagte dazu: „Wie gestört muss ein Mensch sein, der ein Kind bestialisch missbraucht und tötet und danach der Mutter auch noch sein Beileid übermittelt unter Angabe von Todeszeit und Todesursache?“ Der Prozess wird am 27. Juni fortgesetzt.

>>>Darum geht es im Prozess gegen Silvio S.<<<