Stadtforum Berlin

Andreas Geisel will Spreepark zum Kreativquartier machen

Vor überwiegend skeptischen Zuhörern stellte Andreas Geisel (SPD) seine „Berlin Strategie 2.0“ vor. Konkret wurde er beim Spreepark.

Senator Andreas Geisel (SPD) spricht bei Stadtforum Berlin

Senator Andreas Geisel (SPD) spricht bei Stadtforum Berlin

Foto: Isabell Jürgens

Wohnungen, Platz für Start-ups und andere Unternehmen, Grünflächen, Straßen und Radwege, U-Bahnen und Busse, Schulplätze und Sportangebote: Je nach ihrer persönlichen Lebenssituation wünschen sich viele Berliner, dass es in der mittlerweile eng geworden Bundeshauptstadt viel mehr gibt von dem, was ihnen gerade am meisten fehlt. Rund 200 Besucher waren am Montagabend in die kleine Arena des Tempodroms am Anhalter Bahnhof gekommen, um mitzudiskutieren und sich zu informieren, wie sich Stadtentwicklungssenator Andreas Geisel (SPD) das weitere Wachstum der Stadt vorstellt.

Beim mittlerweile fünften Stadtforum Berlin, zu dem der Senator eingeladen hatte, ging es diesmal in der nur mäßig gefüllten Veranstaltungshalle um die „BerlinStrategie 2.0“. Das Thema war offenbar zu schwammig formuliert, um wie etwa bei den vorigen Veranstaltungen zu den Themen „Wem gehört der öffentliche Raum?“ oder „welchen Wohnungsneubau brauchen wir?“ gut doppelt so viele Bürger zu mobilisieren.

Ausgewogenes Wachstum

Was die Strategie leisten soll, umriss der Senator im Vorfeld des Stadtforums: „Jährlich kommen Zehntausende Menschen zu uns, weil sie hier Möglichkeiten haben, die sie in anderen Städten der Welt nicht finden. Es ist Aufgabe der Politik, die besten Rahmenbedingungen zu schaffen, die der gesamten Stadt und ihren Bewohnern ein sozial ausgewogenes, wirtschaftliches und kulturelles Wachstum ermöglichen“, so der Senator.

Die im Herbst 2014 vom Senat verabschiedete „BerlinStrategie“, dem Stadtentwicklungskonzept bis zum Jahr 2030, müsse angesichts der Dynamik der wachsenden Stadt in zentralen Themenbereichen aktualisiert werden. Die „BerlinStrategie 2.0.“, so Geisel weiter, setzte auf die Schwerpunkte „Arbeiten“, „Wohnen“ und „offene Stadtgesellschaft“. Angesichts des Zuzugs von mindestens 220.000 Neubürgern bis 2030 habe Berlin Bedarf an nahezu allem, was Menschen zum Wohnen, Arbeiten und Leben brauchten. Dieses so zu gestalten, dass Freiräume erhalten blieben und das kreative Potenzial nicht verdrängt werde, sei die Herausforderung, die er zusammen mit der Stadtgesellschaft angehen wolle.

Neue Pläne für den Spreepark

Als Zeichen, dass es ihm mit der Einbeziehung der Bürger ernst ist, versprach Geisel, den 30 Hektar großen Spreepark in Treptow wieder öffentlich zugänglich zu machen. Und nicht nur das: der verwilderte und verfallene Vergnügungspark aus aus DDR-Zeiten soll nicht von der Verwaltung, sondern mit Kreativen und Künstlern gemeinsam entwickelt werden. Dabei sollen, mit der finanziellen Starthilfe des Landes, unter anderem auch Künstlerateliers entstehen. Konkrete Zahlen nannte Geisel jedoch nicht.

>>>Riesenrad im Spreepark soll sich wieder drehen<<<

Erst nach einer guten Stunde erhielten die ersten Bürger die Chance, ihre Meinung zu sagen. Und die äußerten sich in erster Linie besorgt, dass Naturräume schwinden und die neuen versprochenen Arbeitsplätze nur für die gut ausgebildete digitale Elite entstehen.“ Wir brauchen nicht nur Hochtechnologie sondern auch die Chance, mit unserer Hände Arbeit Geld zu verdienen“, sagte einer der Zuhörer und bekam dafür viel Applaus. Auch die Befürchtung, dass Menschen mit kleinen Einkommen aus den Wohnungen in der Innenstadt gedrängt werden, wurde geäußert. Die wachsende Stadt, soviel wurde am Ende der Veranstaltung immerhin deutlich, ist vielen Bürgern unheimlich und als Chance wohl „ eher was für Akademiker“, so das ernüchtert Fazit einer älteren Bürgerin, die vorzeitig den Raum verließ.