Verkehrspolitik

Sechs U-Bahnlinien in Berlin sollen verlängert werden

Drei Monate vor der Wahl lassen SPD und CDU Kosten und Zeitplan prüfen. Die Tram soll verschont bleiben.

Berliner U-Bahn

Berliner U-Bahn

Foto: dpa

Berlin wird nach aktuellen Prognosen von derzeit 3,5 Millionen bis zum Jahr 2030 auf vier Millionen Einwohner wachsen. Das stellt nicht nur an den Wohnungsbau Herausforderungen, sondern auch an den öffentlichen Personennahverkehr. Viel wurde deshalb in den vergangenen Monaten auch über mögliche Verlängerungen im Berliner U-Bahnnetz diskutiert.

Doch jetzt wollen es SPD und CDU genau wissen. Ihre Fraktionen im Abgeordnetenhaus fordern den Senat auf, die Verlängerungen von sechs Linien auf Kosten, verkehrliche Auswirkungen und Zeitplan zu prüfen. „Bislang gibt es nur Gemengelagen und Wünsche“, sagte am Montag der verkehrspolitische Sprecher der SPD, Ole Kreins. Über den Antrag soll das Parlament am Donnerstag entscheiden.

>>>Der Wunschfahrplan der Berliner für die U- und S-Bahn<<<

Hintergrund für den Vorstoß ist die jüngste Debatte um eine Verlängerung der U8 ins Märkische Viertel (Reinickendorf). Der Regierende Bürgermeister Michael Müller (SPD) hatte angekündigt, „ernsthaft zu prüfen“, ob das Projekt in die Investitionsplanung des Landes aufgenommen werden kann. Weil andere Bezirke ebenfalls neue Linien wünschen, sollen nun weitere Varianten geprüft werden. Neben der U8 gehören dazu die Verlängerungen der U1 bis zum Ostkreuz (Friedrichshain), der U7 zum Flughafen BER (Schönefeld) und zur Heerstraße Nord (Spandau), der U6 zum Flughafengelände in Tegel, der U3 zum Mexikoplatz (Zehlendorf) und der U2 ins Falkenhagener Feld (Spandau) sowie innerhalb Pankows.

Grüne: Verwaltung soll sich lieber mit Straßenbahnen beschäftigen

Eine Bedingung der Fraktionen: Verkehrsprojekte wie die Verlängerung von Straßenbahnlinien dürfen nicht gefährdet werden. Tatsächlich hat Verkehrssenator Andreas Geisel (SPD) der Tram Priorität eingeräumt. Dass es jetzt, drei Monate vor der Abgeordnetenhauswahl, wieder um die U-Bahn geht, bewertet die Opposition als „Wahlkampfgetöse“. „Die personell schwach besetzte Verkehrsverwaltung sollte sich nicht mit den Prüfungen von U-Bahnlinien, sondern lieber mit dem Ausbau der Straßenbahn beschäftigen“, sagte der Grünen-Abgeordnete Stefan Gelbhaar. Der Fahrgastverband Igeb verweist darauf, dass ein Teil der Verlängerungen deutlich schneller und kostengünstiger mit der Tram realisierbar wäre.

Die Vorhaben sind auch deshalb umstritten, weil Berlin auf schnellere, günstigere Lösungen im Nahverkehr angewiesen ist. Einzig eine U3-Verlängerung zum S-Bahnhof Mexikoplatz findet Befürworter. Der Lückenschluss könnte die oft überfüllte S1 entlasten, wäre relativ günstig umzusetzen. Auch eine Verlängerung der U2 in Pankow bewerten die Grünen – ebenso wie die SPD – als überlegenswert, da kein Bezirk in den vergangenen Jahren so schnell gewachsen ist.

Gleiches gilt für das Falkenhagener Feld. Doch dort wird eine bessere Anbindung mit Bus, Regionalbahn oder der von der S-Bahn angeregten Express-Linie nach Falkensee bevorzugt. Für mehr Interesse sorgt eine Verlängerung der U7 zur Heerstraße Nord. „Auf der Heerstraße gibt es viele Staus. Alles, was an Verkehr auf die Schiene verlagert wird, wäre eine Entlastung“, sagt Spandaus Bürgermeister Helmut Kleebank (SPD).

Verlängerungen von U1 und U7 sind umstritten

Umstritten sind die Pläne für eine längere U7 Richtung BER. Nach aktuellem Stand wird der künftige Hauptstadtairport mit Regional-, S-Bahn und Bussen erschlossen. Eine Verlängerung der U7 würde aber auch das Frauenviertel im Süden Neuköllns sowie zukünftige Siedlungen in Brandenburg anbinden, sagt Martin Hikel, SPD-Spitzenkandidat in Rudow. Experten bemängeln indes die mit geschätzten 700 Millionen Euro ex­trem hohen Kosten.

Ob eine Verlängerung der U1 von Warschauer Straße bis Ostkreuz wirtschaftlich wäre, ist bislang ebenfalls unklar. Eine Prüfung könnte Klarheit bringen. Laut Berliner Verkehrsbetriebe (BVG) gibt es inzwischen eine Einigung mit der Deutschen Bahn. Ihr gehört das Gelände, über das die Trasse führen soll.

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