Berlin

Tour durch den queeren Kiez

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Anja Meyer

Bezirksbürgermeisterin Angelika Schöttler spricht Orlando-Opfern ihr Beileid aus

Das Thema ihres 33. Kiezspaziergangs hatte die Bezirksbürgermeisterin von Tempelhof-Schönberg, Angelika Schöttler (SPD), schon lange festgelegt: Durch den homosexuellen und queeren Kiez am Nollendorfplatz sollte es gehen. Dass die Tour nun ausgerechnet an diesem Wochenende stattfand, war eher ein trauriger Zufall. Am offiziellen Trauerwochenende für die Opfer des Anschlags in Orlando führten Schöttler und ihr Co-Referent Florian Filtzinger zwei Stunden lang durch den Berliner Regenbogenkiez – das Viertel, in dem sich eine der international wichtigsten Szenen der LGBT-Community entwickelt hat. Mit Institutionen, Cafés, Clubs, Mahnmahlen, Frisören, Boutiquen und sogar Reisebüros für lesbische und schwule Menschen. Eine Auswahl dieser Orte stellten Schöttler und Filtzinger auf dem Spaziergang vor.

Bevor es losging, erklärte Angelika Schöttler ihr Beileid für die Opfer von Orlando und ihre Solidarität mit der lesbisch-schwulen und queeren Gemeinschaft. Vor dem Schöneberger Rathaus wurden Regenbogen-Flaggen gehisst, Schöttler selbst trug ihre Halskette in den entsprechenden Farben. Auch im Nollendorfkiez flatterte die Regenbogenflagge aus vielen Häusern. Selbst ein Geldautomat trägt dort derzeit bunte Farben. „Die LGBT-Community ist nicht irgendeine Community“, sagte Schöttler. „Sondern eine, die sowieso schon häufig genug diskriminiert wird und unser aller Schutz benötigt.“

Der Stadtrundgang ging durch den Nollendorfkiez zum schwulen Informations- und Beratungszentrum „Mann-O-Meter“. In den Fenstern des Zen­trums hängen Fotos der Opfer von Orlando, außerdem liegt ein Kondolenz- buch aus. Als Beispiel für legendäre In­stitutionen des schwul-lesbischen Nachtlebens ging es dann am Hotel Sachsenhof vorbei, in dem die Schriftstellerin Else Lasker-Schüler von 1924 bis 1933 lebte. Der Sachsenhof war kein rein homosexueller Treffpunkt, aber das Nachtleben sei für die Gemeinschaft schon immer ein wichtiger Rückzugsort gewesen, die Tageszeit, in der sich Lesben und Schwule offen und frei ausleben konnten. Nicht weit vom Sachsenhof entfernt ging es zum ehemaligen Nachtclub Eldorado. „Das war früher die Galionsfigur des Nachtlebens“, erzählte Florian Filtzinger. Die vorderen Räume seien offen für alle gewesen. Prominente wie Marlene Dietrich, David Bowie und Claire Waldoff waren häufig zu Gast. In die hinteren Räume kamen nur schwule und lesbische Besucher. David Bowie war liiert mit der früheren Inhaberin des heute für die LGBT-Szene wichtigen Clubs Connection an der Fuggerstraße: Romy Haag. Sie führte das Lokal einst unter dem Namen „Chez Romy“.

Aber auch ernste Orte lagen auf der Kieztour. Darunter die Gedenktafel am Nollendorfplatz, die in Form eines Rosa Winkels an während der Nazizeit ermordete schwule und lesbische Menschen erinnert. Sie mussten sich mit dem Rosa Winkel im Konzentrationslager kennzeichnen. Die Stele „Gegen das Vergessen“ an der Urania erinnert mit einer roten Schleife an die Aids-Toten.