Protest

Angestellte Lehrer streiken wieder in Berlin

An vielen Berliner Schulen fällt wieder Unterricht aus. Die angestellten Lehrer sind erneut zum Warnstreik aufgerufen.

Angestellte Lehrer fordern eine tariflich verbindliche Eingruppierung für die Hauptstadt, wie in anderen Bundesländern

Angestellte Lehrer fordern eine tariflich verbindliche Eingruppierung für die Hauptstadt, wie in anderen Bundesländern

Foto: Emina Benalia

Berlin.  Angestellte Lehrer in Berlin streiken wieder, diesmal zwei Tage lang. Am heutigen Montag und Dienstag werden deshalb etliche Unterrichtsstunden ausfallen. Es geht um bessere Bezahlung angestellter Pädagogen. Zudem sollen Grundschullehrer genauso bezahlt werden wie Kollegen an Sekundarschulen oder Gymnasien. Zuvor war ein Gespräch zwischen der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft und Finanzsenator Matthias Kollatz-Ahnen (SPD) gescheitert.

Zum Start übergaben die Lehrer eine Protestnote an Finanzsenator Matthias Kollatz-Ahnen (SPD). Es ist der dritte große Warnstreik in diesem Jahr, zu dem die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft aufruft. Zuletzt hatten sich rund 3000 der knapp 13.000 angestellten Lehrer beteiligt. Anfang Juni hatten sich die Pädagogen mit Kollatz-Ahnen getroffen - die Gespräche blieben allerdings ohne Ergebnis.

Die GEW fordert, dass angestellte Lehrer in Berlin genauso bezahlt werden wie ihre verbeamteten Kollegen. Außerdem sollen die Grundschullehrer mehr Geld bekommen. Kollatz-Ahnen ist der Meinung, solche grundsätzlichen Tariffragen müssten in der Tarifgemeinschaft der Länder geklärt werden.

Vor allem Grundschullehrer fehlen

Dabei spitzt sich der Personalnotstand an Berliner Grundschulen weiter zu. Viele fänden keine qualifizierten Lehrer, die sie einstellen könnten, sagte Nuri Kiefer, Schulleiter der Reinickendorfer Hannah-Höch-Gemeinschaftsschule. „Im Lehrercasting, bei dem ich kürzlich dabei war, haben sich 80 Schulleiter um 13 anwesende Grundschullehrer bemüht“, so Kiefer.

In einem späteren Casting hätten die Schulleiter dann nur noch unter Studienräten auswählen können. „Viele von denen haben gesagt, dass sie eigentlich nicht an eine Grundschule wollen.“ Ähnliche Erfahrungen hat auch die Schulleiterin der Spandauer Grundschule am Eichenwald gemacht. Sabine Dargel sagte, dass vier der 29 Lehrer ihrer Schule Studienräte seien. Zum neuen Schuljahr würden zwei weitere hinzu kommen. Viele Studienräte hätten es an Grundschulen aber schwer, weil ihnen sowohl pädagogisches als auch didaktisches Fachwissen für den Unterricht junger Kinder fehle.

700 Lehrer fehlen zum neuen Schuljahr

In Berlin müssen zum neuen Schuljahr allein an Grundschulen etwa 700 Lehrer eingestellt werden. Da aber keine ausgebildeten Fachkräfte mehr zur Verfügung stehen, werden vor allem Studienräte und Quereinsteiger die Lücken schließen müssen. „Rechnerisch wird es wohl klappen, wie es mit der Qualität aussieht, scheint die Bildungsverwaltung nicht zu interessieren“, sagte Schulleiter Nuri Kiefer. Er muss zum kommenden Schuljahr sechs offene Stellen besetzen. Drei Kollegen hat er bereits eingestellt, zwei von ihnen sind Studienräte. „Noch ist völlig unklar, wen ich für die noch offenen Stellen finde. Die Lehrer-Castings sind vorbei“, sagte Kiefer. Jetzt gebe es nur noch Runden, auf denen sich Quereinsteiger vorstellen würden.

Harald Liegel, Schulleiter der Grundschule in den Rollbergen, muss sieben offene Stellen zum neuen Schuljahr besetzen. Einen Studienrat und einen Sonderpädagogen habe er in den zentralen Vorstellungsrunden immerhin gefunden. Für die fünf offenen Stellen bleibt ihm nur die Hoffnung auf geeignete Quereinsteiger. Die Grundschule in Waidmannslust (Reinicken- dorf) hat ein besonderes inklusives Konzept mit jahrgangsübergreifendem Unterricht bis zur sechsten Klasse. Selbst für ausgebildete Pädagogen ist das eine Herausforderung. Gerade für Schulen in Randgebieten, wie die Grundschule in den Rollbergen ist es schwierig, Personal zu finden.

Nach Angaben von Gesamtpersonalrat Dietmar Haase gibt es jetzt noch etwa 300 Stellen an Grundschulen, für die keine ausgebildeten Lehrer zur Verfügung stünden. Das liege daran, dass auch die anderen Bundesländern dieses Jahr verstärkt Grundschullehrer einstellen würden, so Haase. Vergangenes Jahr habe die Bildungsverwaltung noch auf Überkapazitäten zum Beispiel in Bayern zurückgreifen können. Auch die Resonanz aus Österreich, wo die Senatsverwaltung um Lehrer geworben hat, sei bescheiden. In der Senatsbildungsverwaltung gibt man sich dennoch optimistisch. „Wir sind auf einem guten Weg, das erforderliche Soll erfüllen zu können“, sagte Ilja Koschembar, Sprecher der Senatorin Sandra Scheeres (SPD).