Studie

Berliner machen am liebsten Urlaub in Deutschland

Nur 60 Prozent der Berliner verreisen in den Sommerferien. Wegen niedriger Zinsen investieren viele in Anschaffungen wie Autos.

Für viele das Tor zum Sommerurlaub: der Flughafen Tegel

Für viele das Tor zum Sommerurlaub: der Flughafen Tegel

Foto: Ralf Hirschberger / dpa

Berliner sparen beim Sommerurlaub. Sie geben 15 Prozent weniger aus als im vergangenen Jahr. Das geplante Budget ist von 1466 Euro auf 1239 Euro gesunken. Zu diesem Ergebnis kommt eine repräsentative Umfrage der Berliner Sparkasse, die der Berliner Morgenpost exklusiv vorliegt. Das Geldinstitut befragte mehr als 1000 Menschen nach ihren Ausgaben, Lieblingszielen und ihrer bevorzugten Beschäftigung.

„Da es ja so gut wie keine Zinsen mehr gibt, leisten sich viele Berliner derzeit eher größere Anschaffungen wie Möbel oder ein Auto“, versucht Olaf Schulz, Direktor Privatkunden bei der Berliner Sparkasse, den Spar-Trend der Berliner beim Urlaub zu erklären. „Und wegen der günstigen Kredite entscheiden sich immer mehr für den Kauf einer Wohnimmobilie.“ Da müsse dann an anderer Stelle gespart werden, in diesem Jahr wohl beim Urlaubsbudget, so Schulz.

Überhaupt wollen nur sechs von zehn Berlinern zwischen Juni und September verreisen. Knapp 40 Prozent bleiben in dieser Zeit lieber in der Stadt und verreisen in der Nebensaison oder gar nicht. Sommerreisen planen insbesondere Personen in den Altersgruppen 18 bis 29 Jahre (64 Prozent) sowie 30 bis 49 Jahre (65 Prozent). Auch Haushalte mit Kindern unter 14 Jahren nutzen nach Möglichkeit die Sommer­ferien und zeigen im Durchschnitt eine deutlich stärkere Reiseabsicht.

Männer geben im Urlaub mehr Geld aus als Frauen

Männer geben im Urlaub mehr Geld aus als Frauen: Das Sommerurlaubsbudget von durchschnittlich 1239 Euro inklusive der persönlichen Ausgaben vor Ort liegt bei Männern im Durchschnitt bei 1346 Euro, bei Frauen bei 1147 Euro. Einkommensbedingt liegt der Urlaubsetat in der Altersgruppe von 18–29 Jahren niedriger. Sie geben nur 929 Euro im Durchschnitt aus. Wesentlich höher ist das Budget bei Berlinern im Alter ab 50 Jahren. In ihrer Urlaubskasse liegen 1442 Euro.

„Generell zahlen die Deutschen lieber mit Bargeld. Daher setzt sich auch auf Auslandsreisen die Kartenzahlung langsamer durch“, sagt Olaf Schulz. Aber der Trend gehe in die Richtung der bargeldlosen Bezahlung. „So ist die Kartennutzung seit 2013 um zehn Prozent gestiegen. Rund 40 Prozent der Berliner zahlen inzwischen im Ausland auch mit der Karte.“ Hinzu komme, dass viele Berliner ihre Reise schon vorab komplett bezahlt haben und vor Ort nur noch Taschengeld benötigen.

Bei den Reisezielen der Berliner steht Deutschland mit großem Abstand an erster Stelle (42 Prozent). Vor allem Frauen (49 Prozent), Personen in der Altersgruppe 30 plus, Rentner und Pensionäre (56 Prozent), Bewohner östlicher Stadtbezirke (47 Prozent) sowie Personen bis mittlerem Schulabschluss (46 Prozent) verbringen ihren Sommerurlaub bevorzugt im eigenen Land.

Türkei und Frankreich weiterhin beliebt

Wer seine Ferienzeit nicht in Deutschland verbringt, wählt in der Regel ein europäisches Land. Hier zeigen sich die Berliner erstaunlich unbeeindruckt von aktuellen Terrorgefahren. So haben sich die Präferenzen weder für die Türkei noch für Frankreich im Jahresvergleich signifikant geändert. Bei den europäischen Sommerurlaubszielen folgen Spanien (17 Prozent), Italien (11 Prozent), Türkei (8 Prozent), Griechenland (6 Prozent), Österreich (5 Prozent), Frankreich (5 Prozent), Dänemark (5 Prozent) und Polen (3 Prozent). Doch nur jeder zehnte Berliner plant in diesem Sommer eine Fernreise.

Insgesamt gehört der große lange Urlaub am Stück der Vergangenheit an, lautet das Ergebnis einer Studie des Instituts für Freizeit- und Tourismusforschung in Wien. „Wir reihen heute eher mehrere Kurzurlaube aneinander. Diese Urlaube dauern im Durchschnitt eine knappe Woche“, erläutert Peter Zellmann den Trend. Aus den „schönsten Wochen des Jahres“ sind ein paar Tage geworden. Und dabei, betont Zellmann, unterscheiden sich Familien nicht von kinderlosen Paaren.