Millionenschaden

Weniger Graffiti bei der Bahn dank mehr Überwachung

Die Bahn hat 2015 nicht ganz so viele Schmierereien an Waggons und Bahnhöfen gezählt wie 2014. Grund ist verbesserte Überwachung.

In der Waschanlage - der Schaden durch Graffiti geht in die Millionen.

In der Waschanlage - der Schaden durch Graffiti geht in die Millionen.

Foto: dpa Picture-Alliance / Paul Zinken / picture alliance / dpa

Sprayer haben im vergangenen Jahr Bahnhöfe und Züge der Deutschen Bahn (DB) in Berlin im Vergleich zu den Vorjahren geschont. Das Unternehmen zeigte 1500 Graffiti-Straftaten an, sieben Prozent weniger als noch 2014. Die Bahn führt dies unter anderem darauf zurück, dass die Anlagen stärker bewacht werden.

Für den Rest der Stadt kann die Polizei den rückläufigen Trend nicht bestätigen, wie eine Umfrage der Deutschen Presse-Agentur ergab. 2015 seien 9921 Sprayer erwischt worden, 7,1 Prozent mehr als im Jahr zuvor, sagte ein Sprecher. Wie viele Straftaten die Berliner Verkehrsbetriebe (BVG) im vergangenen Jahr angezeigt haben, konnte eine Sprecherin auf Anfrage nicht sagen. Es gebe jedoch Hoch- und Tiefphasen. Am Wochenende um den 4. und 5. Juni etwa seien 38 Wagen beschmiert worden, das sei eher viel.

Die Kosten für die Entfernung der Graffiti sind hoch. Sechs Millionen Euro investiert etwa die Bahn nach eigenen Angaben jährlich, um Züge und Bahnhöfe allein in Berlin zu reinigen. Müssen Werkstattmitarbeiter einen ganzen Triebwagen säubern, kann das bis zu 20 000 Euro kosten. Der BVG entstand nach eigenen Angaben in den Jahren 2014 und 2015 ein Schaden von knapp einer Million Euro. „Wir mussten zwar in anderen Jahren schon höhere Summen zahlen“, sagte die Sprecherin. „Dennoch ist es ärgerlich. Von einer Million Euro könnten wir auch drei bis vier neue Busse kaufen.“

Zwischen Kunst und Crime - Unterwegs mit Berlins Sprayern

Betroffene Wagen ziehen Bahn und BVG möglichst schnell aus dem Verkehr, denn jedes Bild provoziere andere Sprayer zum Wettstreit und damit zu weiteren Graffiti, sagte DB-Sicherheitschef Hans-Hilmar Rischke. Wer erwischt werde, müsse mit Geldstrafen rechnen. Bei besonders schwerer Sachbeschädigung seien auch Haftstrafen möglich.

Am Ende bekommen die Fahrgäste die Auswirkungen zu spüren - etwa wenn nur ein Kurzzug einfährt, der deutlich weniger Menschen befördern kann. „Die Werkstattmitarbeiter können sich, während sie die Wagen reinigen, weniger um andere Probleme kümmern“, sagte die BVG-Sprecherin. „Dadurch werden zum Beispiel defekte Züge später repariert.“

Bei der Bahn reinigen speziell ausgebildete Fachkräfte die Anlagen und Züge - häufig mit aggressiven Chemikalien. Das kann die Lackschichten der Züge schwer beschädigen. Auch an Gebäuden ist die Beseitigung nach Angaben des Unternehmens oft nicht einfach, besonders bei historischen Bauwerken. Müssen Graffiti-Flächen immer wieder überstrichen werden, wird der Stein weniger luftdurchlässig. So drohen Feuchtigkeitsschäden und Schimmel.

Kirchen, Kindergärten, Verwaltung - alles wird besprüht

Generell würden alle Arten von Gebäuden besprüht, sagte Miriam Marnich vom Deutschen Städte- und Gemeindebund. „Von Polizeistationen über Kindergärten bis zu Kirchen und Verwaltungsgebäuden ist alles dabei.“ Die meisten Anzeigen kämen dabei von kommunaler Ebene. Privatleute zeigten seltener Delikte an, etwa wenn ihr Gebäude beschmiert wurde.

Öffentliche Plätze werden laut Marnich mittlerweile stärker überwacht - von Polizeibeamten oder mit Kameras. Auch die Bahn setze vermehrt Sicherheitskräfte ein und leuchte Bahnanlagen besser aus, damit Sprayer weniger Schlupfwinkel fänden, hieß es von Seiten des Unternehmens. „Sicherheitskräfte legen sich Nacht für Nacht auf die Lauer, um Sprayer auf frischer Tat zu stellen“, berichtete DB-Sicherheitschef Rischke. Mit Erfolg: Seit Jahresanfang seien mehr als 80 Sprayer erwischt und der Polizei übergeben worden. Das Unternehmen nutzt außerdem Schutzlacke, von denen sich Graffiti leichter entfernen lassen.

„Der finanzielle Schaden und der Aufwand zur Bekämpfung von Graffiti betrifft uns. Oft wird aber vergessen, dass Sprayen auf Bahnanlagen schlicht lebensgefährlich ist“, mahnte Rischke. Durch elektrische Oberleitungen flössen 15 000 Volt Strom. „Für einen oft tödlichen Stromschlag reicht es, wenn sich ein Mensch auf einen Meter nähert.“ Sprayer, die sich ungesichert auf Bahnanlagen bewegten, würden immer wieder von Zügen erfasst. Dabei würden sie häufig schwer verletzt oder getötet. Auf die Risiken machen Bahnmitarbeiter wie auch Polizisten regelmäßig in Schulen aufmerksam.