Strafprozess

Student wegen Vergewaltigungen vor Gericht

Zwei Frauen machen dem dem 24-jährigen Yassine T. die gleichen Vorwürfe. Er bestreitet und spricht von einvernehmlichem Sex.

Dem Angeklagten Yassine T. wird vor dem Kriminalgericht Moabit der Prozess gemacht. Das Verfahren geht am Dienstag in die nächste Runde.

Dem Angeklagten Yassine T. wird vor dem Kriminalgericht Moabit der Prozess gemacht. Das Verfahren geht am Dienstag in die nächste Runde.

Foto: Jens Kalaene / dpa

Prozesse um Vergewaltigungen haben ihre eigenen Gesetze: Es steht, wenn der Angeklagte die Vorwürfe bestreitet, stets Aussage gegen Aussage. Und es gibt fast nie Zeugen. Genau das ist auch der Ausgangspunkt für einen Prozess, der am Freitag gegen den Studenten Yassine T. begann. Dem 24-Jährigen wird die Vergewaltigung von zwei Frauen vorgeworfen. Der Angeklagte sieht das ganz anders und sagt, beide Frauen seien sehr interessiert an Sex gewesen und hätten den Kontakt zu ihm sogar gesucht.

Ein erster Prozess gegen Yassine T. wurde Ende 2015 abgebrochen, weil sich eine der Frauen bei ihrer Aussage vor Gericht in Widersprüchen verhedderte. Inzwischen wurde über die 25-Jährige ein Glaubwürdigkeitsgutachten gefertigt. Am Freitag sagte sie erneut aus.

Er soll wütend geworden sein, als es Widerstand gab

Sie berichtete, dass sie am 20. August 2015 schon sehr angetrunken gewesen sei, als sie den Marokkaner im Club „Alte Kantine“ in Prenzlauer Berg kennenlernte. Yassine T. habe sich als Student aus Frankreich vorgestellt. Was anschließend geschah, wisse sie nicht mehr. Die Erinnerung setze erst wieder ein, als sich beide in ihrem Zimmer in einem Studentenwohnheim am Ostbahnhof befunden hätten. Sie habe zu ihm gesagt, er solle gehen.

Er habe wütend reagiert und ihr vorgehalten, sie habe ihm versprochen, dass er bei ihr übernachten dürfe. Wenig später habe er sie vergewaltigt. Dabei habe er mehrfach gesagt, dass man so etwas nicht mit ihm machen könne und sie nun eine Lektion bekommen werde. Es sei ihr schließlich gelungen, auf die Toilette zu entkommen, sich einzuschließen und zu warten, bis er gegangen sei. Am nächsten Tag erstattete sie Anzeige.

Die übereinstimmenden Aussagen der Klägerinnen belasten den Angeklagten

Gäbe es nur diesen Fall, hätte es wegen der dürftigen Beweislage auf einen Freispruch hinaus laufen können. Doch es gibt noch ein zweites mutmaßliches Opfer: Am 24. Oktober soll Yassine T. gegen 0.35 Uhr in der Bachstraße in Tiergarten eine junge Frau aggressiv geküsst und in einer Art betatscht haben, dass es ebenfalls als Vergewaltigung gilt. Der Frau sei es schließlich gelungen, sich loszureißen und zu fliehen. Yassine T. habe sie eingeholt. Passanten gelang es jedoch, ihn von der Frau zu trennen.

Übereinstimmungen in beiden Fällen finden sich auch in der Aussage von Yassine T. Beide Male sei er überrascht gewesen, dass die Frauen den Sex plötzlich nicht mehr gewollt hätten.

Vielleicht hatte er die Situation falsch eingeschätzt. Er ist 1,85 Meter groß, wirkt durchtrainiert, ein, wie eine Prozessbeobachterin sagt, „wirklich schöner Mann“. Vielleicht war er es nicht gewohnt, Ablehnung zu erfahren. Vielleicht hat er sich aber auch einfach nur mit Gewalt genommen, was er ansonsten nicht bekommen hätte. Das Gericht wird das beurteilen müssen. Der Prozess wird am 21. Juni fortgesetzt.