Verkehr

Täglich steigen bis zu 500.000 Berliner auf das Fahrrad

Die Zahl an Radfahrern ist in Berlin in den vergangenen Jahren stark gestiegen. Auch Autofahrer fordern mehr Geld für Radwege.

Ein Fahrradfahrer fährt über den Radweg am Moritzplatz

Ein Fahrradfahrer fährt über den Radweg am Moritzplatz

Foto: Britta Pedersen / dpa

Die meisten Berliner benutzen die öffentlichen Verkehrsmittel, um sich in der Stadt zu bewegen. Jeder zweite ist mit Bus, S- oder U-Bahn unterwegs. 32 Prozent der Berliner nutzen das Auto oder Motorrad, 15 Prozent setzen sich hauptsächlich auf das Fahrrad. Das ist das Ergebnis einer Umfrage von Infratest dimap im Auftrag der Berliner Morgenpost und der RBB-Abendschau.

Der Anteil der Radfahrer ist demnach im Ostteil der Stadt (18 Prozent) höher als im Westteil (12 Prozent). Der Anteil der 35- bis 49-Jährigen am Radverkehr ist am größten. Aus dieser Altersgruppe nutzt jeder vierte Berliner das Rad als hauptsächliches Verkehrsmittel. Bei den 18- bis 34-Jährigen sind es 15 Prozent. Mit zunehmendem Alter nimmt die Radnutzung wieder ab. Bei der Gruppe der 65 Jahre alten oder älteren Berliner beträgt er nur noch sieben Prozent.

Gut die Hälfte der Berliner will mehr Investitionen in den öffentlichen Nahverkehr

Der Anteil der Radfahrer ist – naturgemäß – bei den Anhängern der Grünen am höchsten (28 Prozent), gefolgt von den Wählern der Linken (21 Prozent) und der SPD (13 Prozent). Anhänger von CDU (acht Prozent) und AfD (neun Prozent) sind dagegen die größten Fahrradmuffel.

Auffällig ist, dass selbst ein großer Teil der Autofahrer, den Ausbau der Infrastruktur für Radfahrer unterstützt. Jeder zweite Autofahrer findet die Idee nach mehr Radinfrastruktur gut. Und nicht einmal jeder dritte Autofahrer würde mehr Geld in die Straßeninfrastruktur für Autos ausgeben (29 Prozent). Bei allen Verkehrsteilnehmern spricht sich eine Mehrheit für den Ausbau des öffentlichen Nahverkehrs aus (54 Prozent).

100 Kilometer Radschnellwege und 200.000 Abstellplätze

Die Umfrage gibt dem Volksbegehren Radverkehr weiteren Rückenwind. Anfang der Woche hatten die Initiatoren bereits 105.000 Unterschriften von Unterstützern beim Senat abgegeben. Die Rad-Aktivisten wollen den Senat mit einem Volksentscheid zu mehr Radfreundlichkeit im Straßenverkehr zwingen. Sie fordern unter anderem zwei Meter breite Radwege an allen Hauptstraßen, 100 Kilometer Radschnellwege und 200.000 zusätzliche Abstellplätze innerhalb von acht Jahren. Der Senat verweist auf die Radverkehrsstrategie, die ähnliche Ziele verfolgt. Beide Seiten signalisierten Gesprächsbereitschaft, um möglicher­­weise einen Kompromiss zu finden. Dazu sollen in naher Zukunft Gespräche zwischen Senat und Initiative stattfinden.

Seit Jahren steigt der Anteil der Radfahrer in der Stadt. Täglich steigen bis zu 500.000 Berliner auf das Rad. In manchen Straßen, wie der Kastanienallee in Prenzlauer Berg, nimmt der Radverkehr zu Stoßzeiten bereits 50 Prozent des Verkehrsaufkommens ein.

Staatssekretär räumt ein: Ausbau der Rad-Infrastruktur wurde vernachlässigt

Verkehrsstaatssekretär Christian Gaebler räumte zuletzt im Interview mit der Berliner Morgenpost ein, dass die Infrastruktur für Radfahrer in den vergangenen Jahren nicht in gleichem Maß mitgewachsen ist. Zudem gibt es Kompetenzstreitigkeiten zwischen der Landesregierung und den Bezirken. Jährlich gibt das Land nach eigenen Angaben bis zu 15 Millionen Euro für den Radverkehr aus.

Nach den Vorstellungen der Initiative müsste es jedoch viel mehr sein. Sie beziffern die Kosten für die Umsetzung ihrer Forderungen bei 320 Millionen Euro in acht Jahren, das entspricht 40 Millionen Euro pro Jahr. Der Senat geht dagegen von weit höheren Kosten aus. Sollten die Forderungen des Volksentscheides alle umgesetzt werden, wären demnach zwei Milliarden Euro nötig, behauptet der Senat. Diese Rechnung ist allerdings umstritten.

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