Natur

Neue Schlafzimmer für Fledermäuse

Das Land hat 15 Winterquartiere aufwendig hergerichtet. Beim 10. Langen Tag der Stadtnatur gibt es Einblicke in die Welt der fliegenden Säugetiere

Das Wasserwerk Friedrichshagen gehört zu den großen Winterquartieren der Fledermäuse. Biologe Carsten Kallasch zeigt Besuchern die Tiere

Das Wasserwerk Friedrichshagen gehört zu den großen Winterquartieren der Fledermäuse. Biologe Carsten Kallasch zeigt Besuchern die Tiere

Foto: imago/Bernd Friedel / IMAGO

Sie sehen mit den Ohren, fliegen mit den Händen und schlafen kopfüber – ihre ungewöhnliche Lebensweise macht Fledermäuse wohl für Menschen so faszinierend. Die Nachttiere sind nahezu lautlos, orientieren sich per Ultraschall. Als tierische Verwandte von Batman sehen vor allem Kinder die flauschigen Tiere. Mit dem Erfolg der Fantasy-Bücher und -Filme, von Harry Potter bis Twilight haben die mystischen Tiere eine ständig wachsende Fangemeinde.

Und die bedrohte Tierart lebt unter uns, mitten in der Stadt. Damit das so bleibt, hat der Senat ein Artenschutzprogramm für die fliegenden Säuger aufgelegt. In den Jahren 2014 und 2015 wurden in Berlin 15 Winterquartiere von gefährdeten Fledermausarten für die Tiere hergerichtet sowie langfristig rechtlich gesichert, darunter Fort Hahneberg in Spandau und das Wasserwerk Tegel. Für das Programm erhielt die Stadt die Auszeichnung als offizielles Projekt der UN-Dekade Biologische Vielfalt.

Bauprogramm mit einem Volumen von 250.000 Euro

„Berlin baut (auch) für Fledermäuse“ nennt die Obere Naturschutzbehörde ihr Programm zum Schutz der Flattertiere. Der Aufwand war teils erheblich. So wurden in einigen Unterschlupfen neue Mauern mit Spalten gezogen, in denen die Tiere Schlafplätze finden, es wurden neue Belüftungsschächte gebaut und sogar durch Dämmmaßnahmen für ein besseres Klima gesorgt. 250.000 Euro hat Berlin allein 2014/15 dafür bereitgestellt.

Das Programm reicht von kleineren Hilfsmaßnahmen bis zum Großprojekt. Bei der Herrichtung des Wasserwerks Friedrichshagen als nach der Zitadelle Spandau zweitgrößtem Winterquartier in Berlin wurden allein 300 Gewölbesteine, 200 Wandschalen, 940 Abdeckplatten verbaut und 327 Meter „lückige Mauer“ errichtet, in deren Spalten die Fledermäuse Verstecke finden. Kosten-punkt: rund 157.000 Euro.

Fledermäuse sind natürliche Schädlingsbekämpfer

„Fledermäuse sind sehr nützliche Tiere, die eng mit der Berliner Stadt verbunden sind und flächendeckend in der Stadt leben“, erklärt Derk Ehlert von der Senatsverwaltung für Umweltschutz den Vorteil des Programms über die Artenvielfalt hinaus. „Dies ist umso wichtiger, als Fledermäuse als natürliche Schädlingsbekämpfer einen hohen ökologischen Stellenwert einnehmen“, so der Sprecher der Senatsverwaltung. Tausende Insekten, darunter Mücken, vernichtet eine einzige Fledermaus pro Nacht. Quasi als Kescher zum Insektenfang nutzt sie ihre Flughäute, die sich zwischen den Fingerknochen spannen.

Der Berliner Biologe Carsten Kallasch hat sein Leben dem Schutz der Flattertiere gewidmet. Weil er auch Fundtiere aufnimmt, teilt er seine Wohnung schon mal mit zehn oder 15 Fledermäusen. Und im boomenden Berlin gehört die Beratung von Bauherren derzeit zu seinen wichtigsten Aufgaben. Denn egal, ob die Dämmung eines Plattenbaus erneuert, eine brüchige Fassade saniert oder ein Gebäude abgerissen wird: In jeder Ritze, in jedem Hohlraum könnten sich geschützte Stadtfledermäuse, allen voran die nur fünf Zentimeter große Zwergfledermaus, befinden. Auch den Senat hat Kallasch beim Artenschutzprogramm beraten. Er ist von der Wirksamkeit der Maßnahmen überzeugt. „Der Bestand hat sich deutlich erhöht“, sagt er. Von rund 1000 auf 4500 Tiere in Berlin. Gezählt werden können aber nur die sichtbaren Exemplare. Weil sich die Fledermäuse gut verstecken, gehen die Experten davon aus, dass ihre tatsächliche Zahl zehn- bis 20-fach höher liegt.

Führungen zu den Verstecken der Flattertiere

Fledermäuse spielen natürlich auch beim 10. Langen Tag der Stadtnatur an diesem Wochenende eine wichtige Rolle. So wird Carsten Kallasch am Sonntag Führungen durch die frisch hergerichteten Quartiere im Wasserwerk Frie­drichs­hagen, Müggelseedamm 307, in Köpenick anbieten (Sonntag stündlich von 11 bis 15 Uhr).

Aber auch das Berliner Artenschutzteam, das in der Spandauer Zitadelle einen eigenen Fledermauskeller unterhält, führt Interessierte zu den Schlafplätzen der Fledermäuse in den Gewölben der Festung (Sonnabend 17.15 bis 20.15 Uhr stündlich).

Und das Freilandlabor Britz will die abendlichen Flüge der nachtaktiven Tiere über den Teichen des Britzer Gartens zeigen (Sonnabend, 21.30 Uhr).

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