Fitness-Clubs

Fitnesskette Hard Candy - Jopp AG meldet Insolvenz an

Die Jopp AG, Betreiberin der Fitness-Kette Hard Candy, hat Insolvenz angemeldet. Zuvor hatte es bereits Probleme in den Studios gegeben.

Der Hard Candy Fitness Club  an der Clayallee zählt zu den edlesten der Kette. Aber auch hier fiel in dieser Woche der Strom aus

Der Hard Candy Fitness Club an der Clayallee zählt zu den edlesten der Kette. Aber auch hier fiel in dieser Woche der Strom aus

Foto: dpa Picture-Alliance / Eventpress HerrRa / picture alliance / Eventpress He

Die Jopp AG, nach eigenen Angaben Betreiberin von elf Fitness-Studios in Berlin, hat Insolvenz angemeldet. Das Amtsgericht Charlottenburg hat am Freitag einen vorläufigen Insolvenzverwalter benannt (Aktenzeichen: 36j N 2547/16).

Die Jopp AG ist Betreiberin der Hard Candy Fitness-Studios in Berlin. Dort hatten sich in den vergangenen Tagen und Wochen die Beschwerden der Mitglieder gehäuft. Es ging um defekte Trainingsgeräte, klemmende Schließfächer, Hygienemängel, ausfallende Kurse. Die Marke war 2013 in Berlin als Premiummarke eingeführt worden, zu deren Eröffnung sogar Namenspatronin Madonna persönlich eingeflogen kam und werbewirksam ein paar Trainingsschritte absolvierte. Im Internet auf der Hard Candy-Facebookseite und bei der Berliner Verbraucherzentrale häuften sich Beschwerden und Warnungen. Mitte der Woche fiel in einigen der Clubs nun auch noch der Strom aus, sodass die Mitglieder ganz draußen bleiben mussten.

Laut einem Bericht der "Berliner Zeitung" hatte Vattenfall einigen Studios den Strom abgestellt. Demnach sagte Vattenfall-Sprecher Olaf Weidner, dass es "erheblich Zahlungsverzüge" gegeben habe. Der Strom bleibe aus, solange die Rechnungen nicht bezahlt würden.

Madonna nur Lizenzgeberin

Es steht also nicht gut um die von der Berliner Jopp AG geführten Marke, die inzwischen neun der Clubs in Berlin betreibt. Neben den technischen Mängeln sollen laut Medienberichten auch Kursleiter nicht bezahlt worden sein, die daraufhin nicht mehr antraten. Die Jopp AG war am Freitag für eine Stellungnahme nicht zu erreichen. Zugpferd Madonna kann es auch nicht richten, sie ist an den Studios nur als Lizenzgeberin beteiligt.

Studentin Christalex, die am Freitagmorgen in der Filiale am Kurfürstendamm 195 nur ein paar Mitarbeiterinnen im Halbdunkel antraf, die sie wegen einer Betriebsstörung zum geöffneten und recht leeren Club ins Europacenter weiterschickten, übte sich da in Geduld. „Ich habe schon beobachtet, dass es mit dem Club bergab geht“, sagt die 26-Jährige, die ihren vollen Namen nicht nennen will, und erzählt von defekten Geräten, klemmenden Schließfächern und kaputten Toiletten, „aber die Mitarbeiter sind nett und ich zahle hier als Studentin nur 29 Euro bei einem Monat Kündigungsfrist“, sagt sie.

Die Studentin ist erst seit dem Frühjahr dabei. Andere Mitglieder haben in der Anfangseuphorie um die edlen Madonna-Clubs zum Teil sehr langfristige Verträge zum Beispiel über fünf Jahre abgeschlossen und sind dafür in Vorkasse gegangen. Dass immer wieder kurzrfistig Schnäppchenangebote gemacht wurden, werten viele als Indiz dafür, dass es der Firma nicht gut geht. Mitglieder an der Clayallee fragen sich bereits, ob sie im Fall einer Pleite ihr Geld zurückbekommen - ein Fall, der jetzt eingetreten ist. Christalex, die gerade keine günstigere Alternative sieht, wollte am Morgen erst mal abwarten. Doch da war das Insolvenzverfahren bereits eröffnet.

An eine Kündigung denken indes immer mehr Kunden. Und auch die Verbraucherzentrale (VZ), die täglich mehrere Beschwerden über Hard-Candy-Clubs erreichen, rät dazu, wegen offenkundiger Mängel aktiv zu werden.

Fitness-Kette wurde schon einmal abgemahnt

Die Fitness-Kette ist schon einmal durch ungewöhnliche Geschäftspraktiken aufgefallen. Im vergangenen Jahr zog sie ohne Ankündigung und ohne Einwilligung ihrer Mitglieder eine sogenannte „Umweltpauschale“ von 49 Euro von deren Konten ein. „Die meisten haben das Geld umgehend zurückgebucht“, sagt Jana Brockmann Juristin bei der Verbraucherzentrale Berlin. Dafür kassierte die Jopp AG von der Verbraucherzentrale ein Abmahnverfahren und gab schließlich eine Unterlassungserklärung ab.