Gedenken

Nach Orlando: Brandenburger Tor in Regenbogenfarben

Das Brandenburger Tor soll am Sonnabend in Regenbogenfarben erstrahlen, um der Opfer des Massakers in einem Schwulenclub in Florida zu gedenken.

Foto: pa

Nach dem Terroranschlag auf einen Schwulenclub in der amerikanischen Stadt Orlando wird das Brandenburger Tor nun doch in Regenbogenfarben angestrahlt. Das ließ Berlins Regierender Bürgermeister Michael Müller (SPD) am Donnerstag bekanntgeben.

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Der Berliner Lesben- und Schwulenverband hatte am Mittwoch ein „deutliches Zeichen der Solidarität“ von Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) und Müller verlangt. Zuvor hatten bereits zwei Aktivisten der LGBT Community über Facebook dazu aufgerufen und die Aktion angestoßen. In der Nacht zum Sonntag hatte ein islamistischer Attentäter in einem Schwulen-Club in Orlando 49 Menschen getötet und 53 weitere verletzt.

Mahnwache vor der US-Botschaft am Sonnabend

Müller kündigte nun an, dass das Tor am Samstagabend ab 21.45 Uhr angestrahlt werde. „Der Anschlag von Orlando war ein Anschlag auf die Freiheit. So wie die Anschläge von Paris und von Brüssel. Sexuelle Orientierung, Geschlecht, Herkunft oder Religion dürfen niemals zur Einschränkung der Freiheit führen.“ Deshalb setze Berlin mit einer Mahnwache am Samstagabend vor der amerikanischen Botschaft ein Zeichen. Die Botschaft steht in der Nachbarschaft zum Brandenburger Tor.

Merkel antwortete auf eine Journalistenfrage zu dem Thema: „Wir wissen ja, dass die genauen Hintergründe noch nicht vollkommen bekannt sind. Aber eines wissen wir: Der Attentäter war sich vollkommen klar, dass er in dem Nachtclub lesbische und schwule Menschen antreffen wird. Und genau auf diese Menschen war das Massaker gezielt.“

Zugleich versicherte sie: „Mein Denken und Handeln ist davon geprägt und geleitet, dass unser Leben in offenen und freien Gesellschaften geprägt sein muss von Respekt gegenüber dem jeweils anderen - egal, was er glaubt, egal, wie er aussieht und egal, wen er liebt.“ Nur so könne man in einer Gesellschaft Hass bekämpfen.

Berliner gedenken der Opfer von Orlando
Berliner gedenken der Opfer von Orlando

Die Kanzlerin war in den vergangenen Tagen kritisiert worden, weil sie den Tatort in Orlando bislang nicht als Homo-Club beschrieben und die schwulen Opfer nicht hinreichend gewürdigt habe.

Verband: "Der Kampf gegen Homophobie und Transphobie geht alle an"

Auch der Lesben- und Schwulenverband hatte sich am Mittwoch beschwert. „Während der Eiffelturm in Paris und die Stadtverwaltung in Tel Aviv in Regenbogenfarben erstrahlen, leuchtet kein Regenbogen am Brandenburger Tor.“ Zudem seien in mehreren Erklärungen von Regierungsseite „erstaunlicherweise die Worte lesbisch, schwul, bisexuell und transgeschlechtlich vermieden“ worden.

Nun sagte der Sprecher Jörg Steinert der Deutschen Presse-Agentur: „Die Beleuchtung des Brandenburger Tors in den Regenbogenfarben ist das richtige Signal. Der Kampf gegen Homophobie und Transphobie geht alle an.“ Ein vergleichbares Zeichen wie nach dem Terroranschlag auf die Redaktion der Satirezeitschrift „Charlie Hebdo“ im Januar 2015 sei angemessen.

Der Berliner Senat tat sich mit der Entscheidung über die Beleuchtung in den Farben des Regenbogens, dem Symbol der schwul-lesbischen Szene, etwas schwer.

Streit um Beleuchtung des Brandenburger Tors

Das Brandenburger Tor war auch in der Vergangenheit nicht bei jedem islamistischen Terroranschlag in den Farben des betroffenen Landes beleuchtet worden. Nur zweimal wurde es bunt angestrahlt, nach den Anschlägen von Paris und Brüssel. Beide Hauptstädte sind Partnerstädte von Berlin. Zahlreiche weitere Anschläge, zum Beispiel auf ein russisches Passagierflugzeug, auf Demonstranten in der türkischen Hauptstadt Ankara oder auf Menschen in Tunesien führten nicht zu offiziellen Beleuchtungsaktionen am Berliner Wahrzeichen.

>> Debatte um Brandenburger Tor in belgischen Farben

Daher ist die jetzt angekündigte Solidaritätsaktion des Senats vorerst eine Ausnahme und ein Signal an die Homosexuellen in der Stadt. Exakt drei Monate nach der Mahnwache und dem beleuchteten Brandenburger Tor an diesem Samstag wird in Berlin eine neue Landesregierung gewählt.