Urteil

Gefängnisstrafe nach Drohungen gegen Flüchtlingshelfer

Der vorbestrafte Mann habe aus Hass gegen Flüchtlinge die Initiative „Hellersdorf hilft“ in mehreren E-Mails bedroht, so die Richterin.

Vielleicht sollte ja doch mal von einem Psychiater geprüft werden, ob Dirk H. wusste, was er tat. Einiges spricht dagegen. Eine Moabiter Strafrichterin verhängte am Donnerstag gegen den 39-Jährigen ein Jahr Haft wegen Störung des öffentlichen Friedens durch Androhung von Straftaten. Ohne Bewährung.

Der mehrfach vorbestrafte H. hatte im Juli 2015 mehrere E-Mails an die Initiative „Hellersdorf hilft“, die Flüchtlinge unterstützt, geschickt und dabei massiv gedroht. Unter anderen mit: „Nazikumpel“ würden ihnen die „Bude abfackeln“; er sei „als einer der allerschlimmsten Bombendroher, Intensivtäter, psychisch Kranker bekannt“; es bleibe nicht „bei Handzeichen oder Patronenhülsen“.

Vor Gericht gestand Dirk H. die Taten. Er hatte die E-Mails von seinem eigenen Computer abgeschickt, sodass sie leicht zurückzuverfolgen waren. In einer der Mails hatte er auch noch seinen Vor- und Zunamen, nebst Geburtsdatum und Adresse genannt. Er habe zum Tatzeitpunkt viel Alkohol getrunken, sagte er, und dass er sich heute von den Drohungen distanziere.

Noch ein anderes Verfahren anhängig

In einem früheren Urteil, das die Richterin am Donnerstag verlas, wurde vermerkt, dass Dirk H. schon als Kind verhaltensauffällig gewesen sei. Als er 14 Jahre alt war, wurde er für etwa ein Jahr in der Jugendpsychiatrie untergebracht. Seine Mutter habe ihn „da rausgeholt“, sagte er, „die anderen hätten mich gern drin behalten“.

Seit 2009 steht Dirk H. unter gesetzlicher Betreuung. Eine Psychiater bescheinigte ihm eine emotional instabile Persönlichkeit. Experten sprechen in diesem Zusammenhang von einer Neigung des Betroffenen zu emotionalen Ausbrüchen und einer Unfähigkeit, impulshaftes Verhalten zu kontrollieren. Auch bestehe eine Tendenz zu streitsüchtigem Verhalten und zu Konflikten.

Das Urteil gegen Dirk H. ist noch nicht rechtskräftig. Es gibt außerdem noch eine offene Strafe von einem Jahr Haft, die gegen ihn im März 2016 verhängt wurde. In diesem Verfahren wurde ihm vorgeworfen, am 12. Mai 2014 im Schlosshotel Kronberg im Taunus angerufen und gedroht zu haben: „Ich habe eine Bombe gelegt!“ Altkanzler Gerhard Schröder (SPD) wollte an diesem Tag im Schlosshotel seinen 70. Geburtstag feiern. Das Haus wurde nach dem Anruf evakuiert. Dirk H. hat gegen die Verurteilung Berufung eingelegt. Seine Verteidigerin sagte am Donnerstag, dass er diese Tat bestreite.