Verkehr in Berlin

Warum Berlins Flughafen-Bus TXL so oft unpünktlich ist

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Brigitte Schmiemann
Menschentrauben vor den Bushaltestellen am Flughafen – keine Ausnahme in Tegel, sondern inzwischen eher der Regelfall  David Heerde

Menschentrauben vor den Bushaltestellen am Flughafen – keine Ausnahme in Tegel, sondern inzwischen eher der Regelfall David Heerde

Foto: David Heerde

Am überlasteten Flughafen gehört langes Warten auf den Bus zum Alltag. Nur 59 Prozent aller TXL-Fahrten waren im Mai pünktlich.

Das Flugzeug landet pünktlich in Tegel, der Koffer kommt kurz danach vom Band, die Bushaltestelle ist auch schnell gefunden. Doch dann geht erst mal nichts mehr. Trauben von Menschen warten an den Haltestellen. Alle wollen schnell in die Stadt. Doch sie müssen Geduld haben. Langes Warten auf den Bus gehört am Flughafen zum Alltag.

Diese Erfahrung musste auch Johannes Hübner aus Frankfurt am Main machen. Er leitet dort das Referat Verkehr des Automobilclubs von Deutschland (AvD). „Die Situation in Tegel ist unübersichtlich. Die BVG müsste mehr tun, um die Besucher besser zu leiten“, kritisiert er.

Auch die zwei Schalter der BVG im Innern reichten nicht. Meistens seien dort Warteschlangen. Die Ausschilderung nütze Gästen, die Berlin nicht kennen, nichts: „Das System erfordert Ortskenntnisse, aber nirgends hängen Stadtpläne“, so Hübner. Im Gegensatz zu Berlin seien Hamburg, Düsseldorf und Dortmund mit Stadtplänen an ihren Flughäfen „gut aufgestellt“. München dagegen sei eine Katastrophe.

21 Millionen Fluggäste im vergangenen Jahr

Der Flughafen Tegel sei eben ursprünglich für eine deutlich geringere Passagieranzahl konzipiert worden, gibt Lars Wagner, Sprecher der Flughafen Berlin Brandenburg GmbH (FBB), zu bedenken. 2015 betrug das Passagieraufkommen mehr als 21 Millionen, die ursprüngliche Planung für den 1974 eröffneten Flughafen ging von 2,5 Millionen jährlichen Passagieren aus. Der baulichen Situation geschuldet, gebe es „gewisse verkehrliche Einschränkungen“, so Wagner. Auswirkungen auf die Pünktlichkeit der Busse ergäben sich oftmals jedoch nicht durch den Engpass vor dem Flughafen, sondern durch die steigende Verkehrsdichte Berlins. Mitarbeiter der FBB würden in der Hauptverkehrszeit zwischen 6 und 22 Uhr deshalb schon Busse einweisen oder Falschfahrer und -parker verweisen.

Auch am Montag hieß es auf den Anzeigetafeln der BVG in Tegel für den TXL-Bus wieder: „Auf dieser Linie kommt es zurzeit wieder zu erheblichen Fahrplanabweichungen.“ Verkehrsstau sei der Grund. Petra Reetz, Sprecherin der BVG, bestätigte auf Nachfrage der Berliner Morgenpost, dass das Unternehmen den Fahrplan in Tegel „nicht in den Griff bekommt“. Der sei nämlich eigentlich ausreichend: mit vier Buslinien werde der Flughafen zwischen 3.30 und 0.30 Uhr bedient. 27 An- und 27 Abfahrten gebe es dort pro Stunde.

Nur 59 Prozent aller Fahrten pünktlich

Alle 2,2 Minuten fährt der Bus also ab. Aber eben nur in der Theorie. Denn die Verspätungen sind immens: Bei der Linie TXL sind laut BVG im Mai nur 59 Prozent aller Fahrten pünktlich gewesen. Beim 109er Bus 79 Prozent, beim X9 und 128er Bus immerhin 85 Prozent. „Bis zu 45 Minuten verspäten sich die Busse“, bilanziert Reetz. Oft seien Fahrspuren auf der Strecke von Falschparkern zugeparkt, Lieferanten in zweiter Spur seien ein weiterer Grund. „Die Busspuren müssen frei gehalten werden, speziell für die TXL-Linie, aber auf der Alexanderplatz-Linie sind die Busspuren gerade Unter den Linden überall voll, auch die Haltestellen“, kritisiert sie. Außerdem gebe es nur wenige Vorzugsschaltungen an den Ampeln. Obwohl gerade die helfen könnten.

Sperrungen wegen Veranstaltungen seien weitere Gründe, warum die Busfahrer den Plan häufig nicht schafften. Auch bei Umleitungen müsse der öffentliche Nahverkehr Vorrang haben, was aber häufig nicht der Fall sei. „Die Stadt ist wie sie ist, und es muss ja auch gebaut werden. Wir haben einen idealen Fahrplan, aber er weicht extrem ab, und deshalb brauchen wir in der Verkehrsplanung Unterstützung“, sagt Reetz. Die BVG versuche gegenzusteuern, aber selten laufe ein Tag auf diesen Strecken normal. Alleine in Tegel befördere der TXL-Bus täglich 25.000 Fahrgäste. Die restlichen drei Linien beförderten mehr als 30.000 Kunden.

Nicht genügend Platz, um Stadtpläne aufzuhängen

Zur Kritik über zu wenige Schalter im Flughafen sagt die Sprecherin, dass dort außen sechs Fahrscheinautomaten aufgestellt seien. Und bis zu zehn Kollegen verkauften dort per Bauchladen Tickets, damit jeder schnell wegkomme. „Die Kollegen geben auch Auskunft in Englisch, beantworten, wer mit welchem Bus wohin kommt. Es sind Anschlagtafeln, und man sieht, über welche Punkte welcher Bus fährt. Wir können nicht mehr verändern“, so Reetz. Und weil alles schon so „verdammt eng“ sei, könnten dort auch keine Stadtpläne aufgehängt werden. Eine Weile jedenfalls muss TXL noch funktionieren. Erst mit der Öffnung des neuen Flughafens BER geht er vom Netz. Spätestens nach sechs Monaten. Das sieht die Planung vor.