Begehbare Wippe

Initiatoren wagen neuen Anlauf für Einheitsdenkmal in Berlin

Jahrelang wurde über ein Denkmal gestritten - bis der Bundestag das Projekt kippten. Doch die Initiatoren lassen nicht locker.

Ein Modell des geplanten Freiheits- und Einheitsdenkmals in Berlin

Ein Modell des geplanten Freiheits- und Einheitsdenkmals in Berlin

Foto: dpa Picture-Alliance / Milla & Partner / picture alliance / dpa

Das seit Jahrzehnten geplante Freiheits- und Einheitsdenkmal in Berlin soll nach Wunsch der Mitinitiatoren Günter Nooke (CDU) und Wolfgang Thierse (SPD) eine neue Chance bekommen.

Zwei Monate nach dem Veto des Haushaltausschusses im Bundestag gegen die begehbare Wippe am Berliner Schloss unternehmen beide Politiker wieder einen gemeinsamen Anlauf. Gleichzeitig forderten sie am Mittwoch vor Journalisten die zuständige Kulturstaatsministerin Monika Grütters (CDU) dazu auf, Farbe zu dem Projekt zu bekennen.

Eine „unheilige Allianz der Kleingeister“

Das Nein der Haushälter gegen das Vorhaben sei fadenscheinig, sagte Nooke, und das Argument, die Kosten seien aus dem Ruder gelaufen, vorgeschoben. Nebenkosten, etwa für die Umsiedelung von Fledermäusen, für Gutachter-Honorare und PR-Arbeit der Kulturstaatsministerin, seien künstlich zum Entwurf der Stuttgarter Architekten Sebastian Letz und Johannes Milla dazugerechnet worden.

Dabei seien die Architekten mit rund 11 Millionen Euro mit ihrem Entwurf im Rahmen geblieben. Nooke sprach von einer „unheiligen Allianz der Kleingeister“, die sich gegen das Denkmal verschworen habe.

Einen ersten Erfolg konnten Nooke und Thierse inzwischen verbuchen: Der Vorsitzende des Bundestags-Kulturausschusses, Siegmund Ehrmann (SPD), bestätigte auf Anfrage, das Denkmal-Projekt wieder auf die Tagesordnung setzen zu wollen. Nooke sagte, er sei bereit, die Mehrkosten aus anderen Quellen aufzubringen.

Thierse kritisierte, dass ein Geschmacksurteil mit der Hochrechnung drohender Kosten vermengt werde. Man müsse begründen, warum man das Denkmal nicht wolle. Die Ablehnung sei eine peinliche Geringschätzung der Freiheitsrevolution von 1989.

Kosten von zehn auf fast 15 Millionen Euro gestiegen

Die voraussichtlichen Kosten für die von der Choreographin Sascha Waltz angeregte Wippe auf dem Sockel des früheren Nationaldenkmals von Kaiser Wilhelm I. am Berliner Schloss waren nach einem Bericht des Finanzministeriums von 10 auf fast 15 Millionen Euro gestiegen. Der Haushaltsausschuss hatte Mitte April die Bundesregierung daraufhin einstimmig aufgefordert, den Bau nicht weiterzuverfolgen.

Der Haushaltsexperte Rüdiger Kruse (CDU) erklärte am Mittwoch, auch in der Kultur müssten manchmal unangenehme Entscheidungen getroffen werden. Die Debatte um das Denkmal laufe seit 1999. Es sei zu befürchten, dass es zu einer weiteren Kostenfalle werden könnte.