Berlin

Auch Jusos gegen Fahnenschwenken bei der EM

Nach der Kritik der Grünen Jugend Berlin hat jetzt auch die Jugendorganisation der SPD das Schwenken der Deutschland-Fahne zur Fußball-EM verurteilt. In einer Mitteilung der Jusos erklärt die Juso-Landesvorsitzende Annika Klose: „Die empörten Reaktionen auf die Kritik der Grünen Jugend am Nationalismus zeigt eins: Sie haben recht. Wir teilen ihre Kritik an dem Abfeiern eines Nationalgefühls“, heißt es darin. „Es geht bei dieser Männer-EM um Fußball – nicht um Schwarz-Rot-Gold.“

Kloses Stellvertreter Oliver Gaida ergänzte: „Eine deutsche Nation unkritisch zu zelebrieren, während die EU bedroht ist, die nationalistische AfD hetzt und rassistische Brandanschläge verübt werden, ist schlicht gefährlich.“ Die zur Schau getragene „nationale Einheit“ beruhe stets auf der Ausgrenzung anderer.

Die Grüne Jugend hatte zum Start der EM in Frankreich gefordert: „Selbst viele, die die AfD verpönen, werden wieder ganz unverkrampft die Deutschlandfahne schwenken. In Berlin wird Patriotismus und Nationalismus mit der Fanmeile und vielen Public Viewings besonders viel öffentlicher Raum geboten“.

Als Reaktion darauf hatte der Berliner CDU-Generalsekretär Kai Wegner die Grüne Jugend als „intolerante und verbohrte Spielverderber“ bezeichnet. Die Berliner Jusos bezeichnen Wegners Äußerung dagegen als „Empörungstheater“, das demonstriere, dass CDU und Junge Union ein „gestörtes Verhältnis zum Nationalismus“ hätten, hieß es in der Reaktion der Jugendorganisation.

Vor vier Jahren hatte es bereits in Berlin Streit über das Fahnenschwenken zu Deutschlandspielen gegeben. Linke Gruppen aus Kreuzberg rissen eine riesige Deutschlandfahne in der Sonnenallee von der Fassade, die eine arabischstämmige Familie an die Front ihres Hauses gehängt hatte. Die Familie wollte sich ihre Deutschlandeuphorie allerdings nicht nehmen lassen und hängte eine neue Fahne an das Haus.

( BM )