Technik

Wo man in Berlin Ersatzteile aus dem 3-D-Drucker bekommt

Im Reparaturcafé der Technischen Universität kann seit kurzem jeder die neue Technik ausprobieren. Studenten geben Hilfestellung.

Initiator  und Student Thomas Finger zeigt anderen im Reparaturcafé der TU, wie der 3D Drucker funktioniert

Initiator und Student Thomas Finger zeigt anderen im Reparaturcafé der TU, wie der 3D Drucker funktioniert

Foto: Amin Akhtar

Der kaputte Lichtschalter hat eine so außergewöhnliche Form, dass man ihn nicht im Baumarkt nachkaufen kann. Pinkfarbene Pedalen wären der ideale Hingucker für das neue Fahrrad, aber es gibt sie nicht im Laden. Oder man will einfach nicht so viel Geld dafür ausgeben. Für solche Situationen bietet ein studentisch organisiertes Projektbüro der Technischen Universität Berlin (TU) eine Lösung: Dort eröffnete vor kurzem das erste 3-D-Druck Repair Café in Berlin. Ob Student oder nicht – jeder kann den Drucker nutzen und muss nur die Materialkosten und etwa einen Euro pro Stunde für den Verschleiß des Geräts zahlen. Die Bezahlung läuft über eine „Kasse des Vertrauens“.

Das Gerät, das in der TU gerade so viel Aufsehen erregt, sieht ziemlich unscheinbar aus. Erst beim zweiten Blick fällt es auf dem Tresen des studentischen Cafés im Initiativen-Keller auf. Die ersten selbstgedruckten Werke liegen daneben: Eine Zitronenpresse, Mini-Gartenzwerge, Fahrradsattel und ein Flyerständer. Kaum zu glauben, dass sie aus dem kleinen, weißen Kasten herausgekommen sind. Wie das genau funktioniert erschließt sich keineswegs intuitiv. Deshalb muss mindestens ein Student da sein, der sich damit auskennt.

Für fast alles gibt es Vorlagen im Internet

Einer von ihnen ist Thomas Finger. Er hat das 3-D-Druck Repair Café initiiert und betreut es gemeinsam mit seinen Kollegen Clemens Randow und Lukas Schattenhofer. Besucher können einfach zu den Öffnungszeiten vorbeikommen – am besten mit einem genauen Plan von dem, was sie ausdrucken möchten. „Noch besser wäre es, wenn die Leute schon eine konkrete Vorlage mitbringen“, sagt Thomas Finger.

Die Studenten helfen aber auch denjenigen, die sich mit 3-D-Druckern noch nicht auskennen und nicht wissen, woher sie Vorlagen bekommen. „Mittlerweile gibt es für fast alles Druckvorlagen im Internet“, sagt Finger. Die könne er vor Ort mit den Besuchern recherchieren – kurz danach kann der Druck auch schon losgehen.

In Workshops wollen die vier Studenten Interessierten alles rund um den Umgang mit 3-D-Druckern beibringen: Vom Erstellen einer 3-D-Druck-Datei übers Recyceln von Druck-Kunststoffen für den Druck bis hin zum Bau eines eigenen, günstigen 3-D-Druckers. Denn das ist schließlich das Konzept eines Repair Cafés – Hilfe zur Selbsthilfe, reparieren statt wegwerfen.

Studenten nutzen den Drucker für ihre Projekte

Die Idee für das Projekt hatte Thomas Finger, der im 24. Fachsemester Luft- und Raumfahrtechnik studiert, vor etwa einem Jahr während eines anderen Projekts. Er nennt sich selbst einen Vollzeitaktivisten, vor lauter Engagement kommt er kaum dazu, sein eigenes Studium abzuschließen.

Sein erstes großes Projekt war der Bau eines Fahrradrahmens aus Bambus, das „Green-Bamboo-Bike“ im Jahr 2009. Ein Jahr später entstand daraus die ehemalige Projektwerkstatt „Nawaro-Fahrrad“. Im Laufe von acht Semestern entwickelten verschiedene Studentengruppen ein Fahrrad aus nachwachsenden Rohstoffen. Als Studenten aus der Projektgruppe Fahrradlampen-Prototypen mit 3-D-Druckern bauten, dachte Thomas Finger: „Das sieht richtig gut aus, damit kann man noch viel mehr machen.“

In der TU haben Studenten schon länger die Möglichkeit, 3-D-Drucker für ihre Projekte zu nutzen. In mehreren Instituten stehen sie Forschungsgruppen zur Verfügung. Die „Nawaro-Fahrrad“-Gruppe arbeitete im Laufe der Zeit immer wieder mit den Druckern, neben Lampen sind so auch Prototypen für einen Sattel und Pedale entstanden. „Man kann damit wirklich viel experimentieren und entwickeln“, sagt Thomas Finger. Das wollte er nicht nur speziellen Forschungsgruppen, sondern allen Studenten und der Öffentlichkeit ermöglichen. Ein allgemein zugänglicher 3-D-Drucker musste her.

Repair Café hofft auf Spender für weitere Geräte

Also stellten Thomas Finger und seine Mitstreiter im vergangenen Wintersemester einen Antrag beim gemeinnützigen Förderverein „Gesellschaft von Freunden der TU Berlin“ – und hatten schnell Erfolg. Der Verein sponserte ihnen den ersten 3-D-Drucker des niederländischen Herstellers Ultimaker. Es ist die kleinste Version, damit können Gegenstände bis zu einer Höhe von elf Zentimetern gedruckt werden. Als Dankeschön hat Thomas Finger 30 Schlüsselanhänger mit der Internetadresse des Fördervereins gedruckt. Die Vorlage dafür entwickelte er mit einer Software.

Zusätzlich zu dem gesponserten Drucker stellt ein Student noch einen seiner beiden privaten 3-D-Drucker für das Repair Café zur Verfügung. „Damit kann man sogar zweifarbig drucken“, sagt Thomas Finger. Weitere Geräte für das Café sollen dazukommen. „Wir haben Firmen angeschrieben und hoffen, dass sie uns weitere Geräte spenden.“

Das Wichtigste an den 3-D-Druckern ist für Thomas Finger, dass sie mit ökologisch verträglichen Materialien drucken. Zurzeit fertigt der 3-D-Drucker im Repair Café die Ausdrucke mit Polylactid-Filament an – ein biokompatibler Kunststoff. Langfristig möchte Thomas Finger am liebsten mit Lignin, einem biologisch abbaubarem Kunststoff drucken: „Ich war früher bei den Pfadfindern. Die Zeit hat sicher ihre Spuren hinterlassen.“

TU Erweiterungsbau; Straße des 17. Juni 145, INI-Keller Raum EB-018. Öffnungszeiten: Mo., 18–20 Uhr, Di., 16–20 Uhr, Mi, 14–20 Uhr, Do., 16–18 Uhr. 3d-repaircafe.de/makerspace/

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