Uferpromenade

Potsdam hat jetzt einen neuen Uferweg

Flanieren oder am Wasser Kaffee trinken – in Potsdam hat der Oberbürgermeister das erste Teilstück des neuen Uferwegs freigegeben.

Foto: Gudrun Mallwitz

Potsdam.  Die Kabarettistin Barbara Kuster hält sich mit Lob gewöhnlich sehr zurück. Seit Jahren engagiert sich die streitbare Potsdamerin in der Initiative „Mitteschön“. Einem Verein, der für die möglichst originalgetreue Wiederherstellung der historischen Innenstadt eintritt. An diesem Montag aber sitzt sie am Ufer der Havel und strahlt. „Ich freue mich auf die lauen Sommernächte. Wenn alles fertig ist, wird dies sicherlich einer der neuen Lieblingsplätze der Potsdamer sein“, sagt Kuster am Rande der Eröffnung des ersten Teilstücks des neuen Uferwegs in der historischen Stadtmitte. Die Vorbereitungen dazu liefen seit drei Jahren.

Noch endet die wiederhergestellte Promenade, die am neuen Otto-Braun-Platz neben dem Landtagsschloss beginnt, nach etwa 200 Metern. Wegen laufender Bauarbeiten an weiteren Wohn- und Geschäftshäusern markiert ein Bauzaun momentan das Ende. Wann der Weg entlang der Havel bis zur Schiffbauergasse in der Berliner Vorstadt, also in etwa doppelter Länge, freigegeben wird, hänge vom Abschluss der Hochbauarbeiten in der Brauerstraße ab, sagte der Geschäftsführer der Sanierungsträger Potsdam GmbH Horst Müller-Zinsius. Das Konzept für die Gestaltung der Promenade stammt vom Berliner Büro sinai, einer Gesellschaft von Gartenbauarchitekten.

Der Siegerentwurf trägt den Namen „Zwiegespräche am Fluss“. Er sieht vor, dass zwei Plätze das Havelufer einrahmen. „Den urbanen Otto-Braun-Platz konnten wir bereits im letzten Herbst eröffnen“, sagte Müller-Zinsius. Am östlichen Ende der Havel Uferpromenade soll zudem ein grüner Gartenplatz entstehen. Für die Promenade, die über Stufen oder barrierefrei über einen Lift zu erreichen ist, sei heimisches Bernburger Kleinstpflaster verwendet worden.

Durchgängige Sitzfläche auf der Spundwand

Der weitaus wichtigere Teil der Bauarbeiten wurde unter Wasser durchgeführt. Denn die Spundwand wurde entlang des gesamten Weges saniert. Hinter der bestehenden Wand war landseitig eine zweite Spundwand eingerammt worden. So entstand eine durchgängige Sitzfläche. „Die Potsdamerinnen und Potsdamer und Gäste der Landeshauptstadt können dort die Sonne genießen, picknicken oder nur die Füße baumeln lassen“, so Müller-Zinsius. „Auf der Promenade wird es auch dank der gastronomischen Angebote städtisch zugehen“, fügte er hinzu. „Wer eine Auszeit braucht, dreht dem Ganzen den Rücken zu und lässt den Blick über das Wasser auf das Grün der Freundschaftsinsel schweifen.“ Rund 2,3 Millionen Euro haben Stadt und Land in die Promenade bislang investiert. Allein die Munitionssuche kostete etwa eine Million Euro. Gefunden wurden Bombenteile, Granatsplitter und Teile der alten Brücke.

Noch wirkt alles ein wenig kahl. Der Italiener „L´Osteria“ hat einige Tische auf der Promenade stehen. Seit seiner Eröffnung im Herbst vorigen Jahres entwickelt sich das Restaurant immer mehr zum Politikertreff. Denn der Landtag im wiederaufgebauten rosa Stadtschloss liegt direkt nebenan. Auch die Ministerien sind nicht weit. Der Vizepräsident des Brandenburger Landtags, Dieter Dombrowski findet: „Die Promenade ist ein großer Gewinn für die Attraktivität der Stadt.“ Oberbürgermeister Jann Jakobs (SPD) kommt gar ins Schwärmen und spricht davon, dass das Ufer seinem historischen Ruf als „Klein-Venedig“ Potsdams bald wieder gerecht werde. „Schon jetzt kann sich sehen lassen, wie lebendig die neue Potsdamer Mitte wird“, sagt der Oberbürgermeister. Im Januar 2017 wird dann auch das von Hasso Plattner gestiftete Kunst-Museum im wiederaufgebauten Palais Barberini an der Promenade eröffnen. Geplant ist auch ein Museumscafé.