Ausstellung

Neues Wohnen im Mikro-Appartement

Wohnen im Mikro-Appartement ist nicht nur finanziell günstiger, sondern auch chic. Bewegliche Wände und begehbare Einbaumöbel machen es möglich.

Wenn das Einbaumöbel zum Zimmer wird: „Min win“ nennen die

Wenn das Einbaumöbel zum Zimmer wird: „Min win“ nennen die

Foto: SEHW / BM

Laut Statistik sind die Berliner Wohnungen im Schnitt 73 Quadratmeter groß und werden von 1,8 Personen bewohnt. Damit beträgt der Pro-Kopf-Wohnflächenverbrauch aktuell 38,8 Quadratmeter je Einwohner. In Zeiten steigender Mieten und des Wohnungsmangels wird das zunehmend zum Pro­blem. Dass kleine Wohnungen aber nicht beklemmende Enge und Komfortverzicht bedeuten müssen, wollen 14 Berliner Architekturbüros zeigen. In der Ausstellung "Mikrowohnen auf 27 qm" widmen sie sich der Frage, wie das Wohnen auf kleinstem Raum funktionieren kann. Ihre Antworten sind jetzt im Foyer des Stilwerk Berlin in Charlottenburg zu sehen.

"Weniger ist mehr" ist das Credo aller Entwürfe

Die Architekturschau, die auf Initiative des Berliner Einrichtungsplaners Minimum entstand, befasst sich mit einer Trendwende, die sich nicht nur in Berlin, sondern in vielen deutschen Großstädten abzeichnet. Deutschlandweit standen in der Nachkriegszeit jedem Bürger rund 20 Quadratmeter Wohnfläche zu Verfügung. Anfang der 1970er-Jahre waren es 36, schließlich mehr als 45. Für das Jahr 2020 und die neuen Bundesländer (mit Berlin) wurde bisher eine Pro-Kopf-Wohnfläche um 48 Quadratmeter prognostiziert.

Inzwischen jedoch, das bestätigen Bauträger, steigt die Nachfrage nach kleineren Neubau-Appartements. Auch in Altbauwohnungen wird wieder zusammengerückt. So schrumpfte 2015 die den Berlinern zur Verfügung stehende Wohnfläche von 39 um 0,2 auf die erwähnten 38,8 Quadratmeter. Damit wohnen Berliner immer noch raumgreifender als etwa Hamburger (36,1 m2), und erst recht die Einwohner anderer europäischer Metropolen wie etwa Rom (33 m2) oder Warschau (24,5 m2).

Die neue Bescheidenheit, so jedenfalls lässt sich die Schau im Stilwerk interpretieren, ist aber nicht nur durch Platzmangel und die Mieten erzwungen. Sie ist chic: "Mobilität, Flexibilität und Digitalisierung prägen den Städter des 21. Jahrhunderts", so Minimum-Geschäftsführer Wilfried Lembert, der die Architekten zum Wettbewerb und dann zur Ausstellung geladen hatte. "Das Arbeiten im Co-Working-Space, der Feierabend mit Kollegen im Wasch-Café oder das Abendessen mit Freunden im mietbaren Koch-Haus skizzieren typische Stationen, die neue Lebensstile hervorbringen." Zum neuen urbanen Lebensgefühl passe das Mikrowohnen.

Bad und Küche hinter den Nussbaum-Paneelen

Besonders radikal setzten diesen Gedanken die Gewinner des zweiten Preises um. Nicht nur die Eingangstür, gleich die ganze Wand lässt sich so verschieben, dass der Flur vor dem Appartement mitzunutzen ist. Eine Abtrennung zur Hausgemeinschaft kann zwar hergestellt werden. Aber der Lebensraum, so die Botschaft des Architekturbüros Sinestezia, endet nicht an der Wohnungstür. Share Economy macht vor den eigenen vier Wänden nicht halt.

Den ersten Preis gewann das Büro "bfs d flachsbarth schultz". "Nicht studentisch funktional, sondern elegant und sinnlich" soll ihr "microchic"-Appartement sein, schreiben die Planer auf ihrem Plakat. Eine begehbare Wand, verkleidet mit beweglichen Nussbaum-Paneelen, gibt den 27 Quadratmetern Struktur. Dahinter verbergen sich das Bad mit begehbarer Dusche, Studioküche und Schlafbereich. Je nach Tageszeit wird der Raum der Nutzung angepasst.

"Ein leistungsfähiger Computer steckt heute in jeder Hosentasche." Diesen Satz haben SEHW-Architekten ihrem Entwurf vorangestellt. Die Botschaft ist klar: mini ist modern. Deshalb tauften die Planer ihren Entwurf selbstbewusst "min win": In einem einzigen Einbaumöbel aus einfachem Kiefernholz verbergen sich, freigelegt mit wenigen Handgriffen, Arbeits- und Schlafzimmer sowie die Küche. Die Idee von einem Raumelement, das alle erforderlichen Wohnfunktionen in sich vereint, verfolgen auch Ludloff + Ludloff Architekten. Das Element kann so gedreht werden, dass die gerade benötigte Funktion in den Raum zeigt.

"Mikrowohnen auf 27 qm", bis zum 19. Juni 2016i, Foyer des Stilwerk Berlin, Kantstraße 17, 10623 Berlin. Der Eintritt ist frei.

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