Liegenschaften

Bäderbetriebe profitieren vom Verkauf von Flächen

SPD und CDU erwägen Bau von Wohnungen auf Liegewiesen von Freibädern.

Das Sommerbad Pankow in der Wolfshagener Straße

Das Sommerbad Pankow in der Wolfshagener Straße

Foto: dpa Picture-Alliance / euroluftbild.de / picture alliance / ZB

Die landeseigene Immobiliengesellschaft Berlinovo hat sich von der Bad Bank der früheren Bankgesellschaft zu einem wichtigen Instrument des Berliner Senats entwickelt. Das Unternehmen ist Partner des Landes beim Bau von Flüchtlingsheimen. Und es soll 2500 Wohnplätze für Studenten schaffen. Dabei mangelt es Berlinovo-Chef Roland J. Stauber vor allem an Grundstücken. Auf der Suche nach Bauplätzen sind jetzt die Liegewiesen städtischer Freibäder in den Blick geraten.

Die Berlinovo verhandelt mit den Berliner Bäderbetrieben (BBB) konkret um vier Standorte am Rande von Bäder-Grundstücken. Bis 2020 könnten dort 900 Studentenappartements entstehen. Um welche Grundstücke es geht, ist noch geheim. Denn politisch ist das Thema heikel, weil die Bezirke Sport- und Erholungsflächen in Bauland umwidmen müssten.

Nachbarschaft für Studenten unproblematisch

Die Nachbarschaft zu Schwimmbädern sei für die avisierte Klientel unproblematisch. „Die Studenten stört der Lärm nicht, und außerdem sind im Sommer Semesterferien“, so der Berlinovo-Chef, der kürzlich den ersten Spatenstich für Studentenappartements an der Storkower Straße in Lichtenberg setzte. Weitere Häuser mit Mikro-Wohnungen sind an der Prenzlauer Promenade und auf dem Schlachthofgelände in Pankow geplant, zusätzliche Standorte werden gesucht.

Dabei wagen sich die Berlinovo-Entwickler auch an schwierige Fälle. Damit haben sie Erfahrung, weil sie seit Jahren frühere Bankgesellschaftsimmobilien im In- und Ausland entwickeln und so erfolgreich vermarkten, dass sie jetzt in Berlin investieren können.

Auch im Frühsommer waren noch zahlreiche Schwimmbäder geschlossen

Für die Bäderbetriebe bietet sich mit einem Verkauf von Teilflächen die Möglichkeit, Geld in die Kassen zu bekommen, das in Sanierung ihrer Bäder fließen oder für zusätzliches Personal verwendet werden könnte. Die Bäder wurden zuletzt im Abgeordnetenhaus hart kritisiert, weil auch im warmen Frühsommer zahlreiche Schwimmbäder geschlossen blieben. Die Immobilien der Bäderbetriebe gehören formal der BBB-Infrastruktur-Tochter und bilden den Hauptteil von deren Eigenkapital in Höhe von 88 Millionen Euro.

Bäder-Aufsichtsratschef Frank Henkel (CDU), Berlins Senator für Inneres und Sport, hält den Verkauf von Teilflächen für vernünftig. Die wachsende Stadt sei auf neuen Wohnraum angewiesen, so ein Sprecher. Auch der Bäder-Experte der SPD, Dennis Buchner, hat mit den Überlegungen „sportpolitisch kein Problem“. Einige Grundstücke der Bäderbetriebe seien größer, als sie eigentlich sein müssten. „Wenn der Badebetrieb nicht gefährdet wird, kann das eine Win-Win-Situation sein“, sagte Buchner.

Wohnheime des Studentenwerks reichen nur für sechs Prozent der Studierenden

Wohnraum auch für Studenten wird in Berlin dringend benötigt. Der frühere Regierende Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD) hatte den Bau von 5000 Plätzen angekündigt. Die Berlinovo plant mit 2800 in den nächsten vier Jahren. Die Wohnheime des Studentenwerks reichen nur für sechs Prozent der Studierenden, in anderen Universitätsstädten sei der Versorgungsgrad doppelt so hoch, argumentiert die Berlinovo. Gerade für Studenten aus dem Ausland sei es aber angesichts des angespannten Wohnungsmarktes sehr wichtig, ein öffentliches Wohnungsangebot zu erhalten.

Private Immobilienentwickler haben Studierende längst als Zielgruppe entdeckt. Ihre Appartements sind aber meist als Eigentumsobjekte für die Eltern geplant oder kosten mehr als 500 Euro Monatsmiete. Die Berlinovo will für ihre Mini-Wohnungen von 16 Quadratmetern 315 Euro warm verlangen.