Schädlingsbekämpfung

Genickbrecher-Fallen töten Berliner Ratten

In Berlin sind bereits Tausende Ratten in neuartige Fallen getappt. Nach der Testphase wollen die Wasserbetriebe sie weiter nutzen.

Eine elektrische Rattenfalle in der Kanalisation. Nach einer Testphase kommen Genickbrecher für Berliner Ratten auch weiterhin zum Einsatz.

Eine elektrische Rattenfalle in der Kanalisation. Nach einer Testphase kommen Genickbrecher für Berliner Ratten auch weiterhin zum Einsatz.

Foto: Jörg Carstensen / dpa

Mit Genickbrecher-Fallen geht es den Berliner Ratten auch weiterhin an den Kragen. Nach einer Testphase wollen die Berliner Wasserbetriebe (BWB) nun zwei der neuartigen Fallen mieten. „Wir machen erst einmal für zwei Jahre am Standort des Pilotprojekts an den Treptowers in Treptow ‎weiter“, sagte BWB-Sprecher Stephan Natz.

Bis zu 15 Fallen waren seit Anfang 2015 im Einsatz. Schrittweise wurde ihre Anzahl auf zwei reduziert. Bis zum Frühjahr 2016 lösten sie etwa 4500 Mal aus. Die Vertriebsfirma Anticimex verspricht eine hundertprozentige Tötungsrate.

Die fest in der Kanalisation montierten Fallen funktionieren mit Sensoren, die Bewegung und Körperwärme registrieren. Wenn die Ratte unter eine Falle läuft, fahren 14 Kunststoffbolzen mit einer Geschwindigkeit von 130 Kilometern pro Stunde aus und erschlagen das Tier binnen weniger Sekunden. Nach der Tötung werden die Bolzen wieder eingefahren, die Falle ist bereit für das nächste Tier. Jeder Einsatz wird automatisch gemeldet. Das Mieten einer Falle kostet etwa 1200 bis 1500 Euro pro Jahr.

Bedenken von Tierschützern

Laut Vertriebsleiter Markus Gaßmann müssen sich die Ratten nicht quälen. Außerdem sei die Methode auch umweltfreundlicher, da Rattengift gespart werde. Der Deutsche Tierschutzbund gibt allerdings zu bedenken, dass - wie bei anderer Technik auch - Fehlfunktionen möglich seien, die Leiden bei den betroffenen Tieren verursachen könnten. Natz zufolge prüfen die Wasserbetriebe gerade, wie hoch die Fehlerquote war.

Die Wasserbetriebe sind verpflichtet, Schädlinge wie etwa Ratten zu bekämpfen. Die Kanalisation ist laut Sprecher Natz ein bei den Nagern beliebter Ort, um geschützt vor Feinden wie Autos, Krähen und Stadtfüchsen von A nach B zu gelangen. Wie viele Ratten es in Berlin gibt, könne niemand genau sagen. Nach Berechnungen seines Hauses könnten es um die zwei Millionen Tiere sein. Neben den derzeit getesteten Fallen seien nach wie vor Giftköder das Mittel der Wahl.

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In Deutschland sind die Fallen mit dem Namen „Smart Trap“ seit etwa eineinhalb Jahren zugelassen. Auch in anderen Städten wurden sie getestet. Laut Gaßmann haben sich Marne im Kreis Dithmarschen (Schleswig-Holstein), Dresden und Bochum für einen dauerhaften Einsatz entschieden.

Ratten können verschiedene Krankheitserreger übertragen. Nach Angaben des Landesamtes für Gesundheit und Soziales (Lageso) zählen dazu unter anderem Salmonellen, die Durchfallerkrankungen auslösen können. Auch an der Ausbreitung von Tierseuchen (Schweinepest, Maul- und Klauenseuche) sind Ratten demnach häufig beteiligt.