Diskussion

Senatsbaudirektorin hofft auf 12 neue Hochhäuser in Berlin

Kaufleute, Stadtplaner und Architekten diskutieren über neues Wohnen in Berlin und die Bedeutung der dritten Dimension.

Blick auf das Hochhaus "Upper West" in Berlin und das Hotel Waldorf Astoria

Blick auf das Hochhaus "Upper West" in Berlin und das Hotel Waldorf Astoria

Foto: Jörg Carstensen / dpa

Berlin.  Wie viele Hochhäuser braucht Berlin? Diese Frage stand im Mittelpunkt einer Diskussion mit Senatsbaudirektorin Regula Lüscher und dem Landesvorsitzenden des Bundes Deutscher Architekten (BDA), Andreas Becher, beim Verein Berliner Kaufleute und Industrieller (VBKI). Die Antwort der Staatssekretärin war erwartungsgemäß diplomatisch: „Ich hoffe, dass die geplanten zwölf Hochhäuser in fünf Jahren gebaut werden, und würde mir weitere zwölf wünschen.“ Der BDA-Chef wollte sich auf keine Zahl festlegen und erst seine Mitglieder fragen.

Hochhäuser seien für das Bild einer Metropole nach außen als Sinnbild der Wirtschaftskraft wichtig, sagte Lüscher. Sie seien auch städtebaulich interessant, weil sie Orientierungspunkte geben und Zentren bezeichnen – „besonders in einer Stadt ohne Topografie wie Berlin“. Allerdings, schränkte die Senatsbaudirektorin ein, müsse die Hochhausnutzung „anders gedacht werden“. Damit meinte sie eine Mischnutzung von bezahlbarem Wohnen und Gewerbe.

Jeder Neubau produziert Widerstand

In einer Einschätzung waren sich Lüscher und Becher einig: Hochhausplanung produziert Widerstand – wie Bauprojekte generell. „Ich wünsche mir Standhaftigkeit der Politik“, sagte Becher. „Politiker wollen wiedergewählt werden“, ergänzte Lüscher und brachte damit die stadtplanerische Unbeweglichkeit der Berliner Stadtplanung auf den Punkt. „Planungen scheitern an den Strukturen“, sagte Becher und meinte damit die Bezirke.

Lüscher, die früher gegen ein programmatisches Hochhaus-Leitbild für die Stadtentwicklung war, sieht das heute anders. „Wenn eine Stadt wächst, schrumpfen die Bodenreserven“, sagte sie zur Begründung ihrer Meinungsänderung. In einem solchen Leitbild könnten qualitative Festlegungen getroffen werden, die Transformationspotenziale beschreiben. Die gesamtstädtische Ausstrahlung einzelner Hochhäuser könnte Bestandteil eines solchen Leitbildes sein. Auch der BDA befürwortet ein solches Papier.

Wettbewerbe zu zeitaufwändig

Für die Meinungsbildung favorisiert die Senatsbaudirektorin Konkurrenzverfahren, an denen sich etwa zehn Architektenbüros beteiligen können, mit einem Preisgericht, das entscheidet. Von zeitraubenden Wettbewerben für Bauprojekte hält sie wenig. Auch eine flankierende Bürgerbeteiligung über soziale Netzwerke sei vorstellbar. „Doch die Planung sollte man Fachleuten überlassen“, sagte Lüscher.

Mit Blick auf die wachsende Stadt sagte die Senatsbaudirektorin, die in den nächsten Jahren erwarteten 300.000 Neu-Berliner müssten nicht alle in Hochhäusern untergebracht werden. Zudem sei der Bau von Hochhäusern nicht die schnellste Option. „Hochhäuser bleiben eine spezielle und eher hochpreisige Wohnform.“ Es sei aber auch ein Fehler, das Wohnen im Hochhaus zu stigmatisieren.