Polizeischüler

Schießtrainer verweigern Ausbildung an der Waffe

Gesundheitsgefahr: Schießtrainer der Landespolizeischule in Berlin weigern sich, Polizeianwärter weiter an der Waffe auszubilden.

Polizeipräsident Klaus Kandt untersagt simuliertes Schießen auf der Anlage an der Bernauer Straße.

Polizeipräsident Klaus Kandt untersagt simuliertes Schießen auf der Anlage an der Bernauer Straße.

Foto: Rainer Jensen / dpa

Mehr als 30 Schießtrainer der Landespolizeischule weigern sich, die Polizeianwärter weiter an der Waffe auszubilden. Hintergrund der Weigerung sind mögliche Gesundheitsgefahren für Trainer und Schüler auf der Schießanlage in Ruhleben. Nach Informationen der Berliner Morgenpost verlangen die Ausbilder ein Gutachten über die Unbedenklichkeit der Anlage.

Nach Angaben eines Schießtrainers soll auch die Zusagen gemacht worden sein, dass dieses Gutachten in zwei Wochen erstellt wird. Gleichzeitig seien die Trainer aber unter Druck gesetzt worden. Man habe mit Versetzung gedroht und angekündigt, im Zweifel Schießausbilder aus den Direktion für die Ausbildung der Polizeischüler einzusetzen. Eine Sprecherin der Polizei bestätigte, dass die Schießausbilder das Training mit scharfem Schuss ausgesetzt haben. „Mitarbeiter der vom Polizeipräsidenten eingerichteten Taskforce sind jetzt in Gesprächen mit den Beamten“, sagte die Sprecherin. Weitere Angaben konnte sie nicht machen.

Für den Polizeivollzugsdienst nicht einsatzfähig

Die Weigerung der Ausbilder kann dazu führen, dass von rund 400 Polizeischülern ein Teil ohne Waffenberechtigung ihre Ausbildung im Oktober beenden muss. Sie wären dann für den Polizeivollzugsdienst nicht einsatzfähig. In der Krise um die Schießstände der Polizei hatte Polizeipräsident Klaus Kandt immer Wert darauf gelegt, dass die Polizeianwärter ihr Schießtraining absolvieren können. Auch deshalb hatte er für die 17.000 Polizeibeamten zum Ersatz für das Training mit scharfen Waffen auch das Üben mit Laserwaffen zugelassen.

Aufgrund der Probleme mit Lüftungsanlagen und möglicherweise krebserregenden Dämmstoffen in den Anlagen wurden reihenweise Schießstände geschlossen. Von einst 73 Schießbahnen stehen derzeit nur noch drei an der Kruppstraße sowie zwei am Standort Ruhleben zur Verfügung. Erschwerend kommt hinzu, dass rund 9700 Beamte, unter anderem aus den Direktionen 2, 4 und 5, der Direktion Einsatz sowie Spezialeinsatzkommando (SEK) und Mobilem Einsatzkommando (MEK) nicht mehr in der Anlage Kruppstraße trainieren. Die Schießtrainer wollen dort solange nicht schießen, bis geklärt ist, ob die Anlage unbedenklich ist und die Ergebnisse ihrer Blutuntersuchungen vorliegen. Bislang sind 45 Polizeibeamte an der Charité untersucht worden. Bei 43 von ihnen wurden erhöhte Werte von Antimon im Blut festgestellt. Antimon wird zum Härten des Bleis in der Munition eingesetzt und steht im Verdacht, krebserregend zu sein.

Suche nach Ausweichstandorten in Brandenburg

Bei der Suche nach Ausweichstandorten in Brandenburg ist die Berliner Polizei zwar offenbar fündig geworden. Unter anderem an den Standorten Lehnin und Blumberg. Doch sowohl die Bundespolizei als auch der Brandenburger Polizei fordern von ihren Berliner Kollegen, dass sie ein Gutachten über die verwendete Munition vorlegen. Dabei geht es um die Frage, wie viel Blei diese Munition noch enthält.

Die Gewerkschaft der Polizei (GdP) zeigte Verständnis für die Weigerung der Schießausbilder. "Zwar ist die vollständige Ausbildung der Schüler jetzt in Gefahr“, sagte GdP-Sprecher Benjamin Jendro, „doch die Gesundheit aller steht für uns an erster Stelle.“ Zu den Berichten von Schießausbildern, dass ihnen mit Versetzungen gedroht wurde, sagte Jendro: „Es ist eine Frechheit, den Kollegen derartig die Pistole auf die Brust zu setzen und zu versuchen, die eigenen Unzulänglichkeiten und Fehler in der Schießstandaffäre zu übertünchen.“