Friedrichshain

Mann gesteht Schuss mit Gewehr auf Neunjährigen

Der 49-jährige Dariusz B. schoss in Friedrichshain mit einem Federdruckgewehr auf Kinder. Jetzt steht er in Moabit vor Gericht.

Der wegen versuchten Totschlags angeklagte Dariusz B. bei der Verhandlung im Moabiter Kriminalgericht

Der wegen versuchten Totschlags angeklagte Dariusz B. bei der Verhandlung im Moabiter Kriminalgericht

Foto: wolfgang mrotzkowski / Wolfgang mrotzkowski

Es wird nicht klar, was Dariusz B. am 19. März vergangenen Jahres geritten hat. Er kann nicht erklären, warum er an diesem Tag gegen 19.20 Uhr plötzlich zu einem Federdruckgewehr griff, aus dem Fenster auf spielende Kinder schoss – und eines im Bauch traf.

Seit Donnerstag muss sich der 49-Jährige wegen versuchten Totschlags vor einem Moabiter Schwurgericht verantworten. Er ist ein kleiner schmaler Mann, mit einem Gesichtausdruck, als könne er nicht begreifen, warum er hier vor Gericht stehen muss. Ein Dolmetscher übersetzt seine Angaben. Dariusz B. kam vor sieben Jahren aus Polen nach Berlin. Er ist Bauarbeiter, hatte auch an jenem 19. März auf dem Bau gearbeitet und abends, wie er es ausdrückt, „einen Empfang“ gegeben.

Außer Dariusz B. waren noch sechs Personen der Wohnung der Familie B. in der Straße der Pariser Kommune im Ortsteil Friedrichshain. Nachbarn sollen sich darüber beschwert haben, dass es so laut sei. Sie hätten die Musik dann auch leiser gestellt, sagt Dariusz B. Warum er wenig später zu dem Gewehr griff, das neben einem Schrank stand, kann er angeblich nicht sagen. Es war ein Federdruckgewehr „Norica“. Der Angeklagte hatte es in Tschechien gekauft, in Polen zwischengelagert und schließlich illegal nach Deutschland eingeführt. Er muss sich nun auch noch wegen eines Verstoßes gegen das Waffengesetz verantworten.

Geladen war das Federdruckgewehr mit einem Spitzkopf Diabolo. Dariusz B. wusste um die Gefährlichkeit dieser Waffe. Er hatte kurz vor der Tat in der Wohnung Schussübungen durchgeführt. Dabei hatten die Diabolos ein Holzbrett durchschlagen. „Ich habe es gemacht, aber ohne Grund“, beantwortete er die Frage des Vorsitzenden Richters Matthias Schertz nach seinem Motiv. „Waren die Kinder zu laut?“, fragte Schertz. „Nein, mich hat keiner gestört.“ „Hatten sie vorher irgendwann mal Probleme mit den Kindern oder deren Familien?“, wollte der Richter wissen. „Es gab keine Kontakte“, antwortete der Angeklagte. „Wir kannten uns nicht. Es gab höchstens mal ein ,Guten Tag’ “

Die Waffe versteckte er nach der Tat unter der Couch

Einer seiner Bekannten soll Dariusz B. noch versucht haben, von der Tat abzuhalten. „Schieß nicht! Da spielen Kinder! Beruhige dich!“ Doch Dariusz B. ließ sich nicht beirren. Im Anklagesatz steht, er habe „gezielt in Richtung einer in 25 Meter Entfernung spielenden Gruppe von Kindern geschossen, um eines von ihnen zu verletzen, wobei er auch einen tödlichen Verlauf billigend in Kauf nahm.“ Das Geschoss habe nur knapp den Kopf eines Zwölfjährigen verfehlt und einen Neunjährigen im Bauch getroffen. „Die Kugel durchschlug die Jacke des Kindes und drang ca. vier bis fünf Zentimeter in den Körper ein, wodurch der Darm perforiert und eine Notoperation erforderlich wurde.“ Dem Jungen soll es inzwischen wieder gut gehen.

Dariusz B. betonte vor Gericht mehrfach, dass er „durch Alkohol benebelt“ gewesen sei. Tatsächlich hatte er viel getrunken. Ob das jedoch seine Straf mildert, bleibt abzuwarten. Der Staatsanwalt zumindest bezweifelt, dass der Angeklagte zur Tatzeit in seiner Steuerungsfähigkeit beeinträchtig gewesen sei. Dagegen spreche sein Verhalten nach der Tat. Zeugen aus der Wohnung sagen, Dariusz B. habe sofort nach dem Schuss gesagt, das Licht solle ausgeschaltet werden, damit andere denken, sei seien gar nicht zu Hause. Das Gewehr versteckte er unter der Couch. Dort wurde es wenig später von der alarmierten Polizei gefunden.

Bei ersten Aussagen erklärte er, dass er sich mit dem Federdruckgewehr in einer Gardine verheddert habe. Dabei habe sich versehentlich der Schuss gelöst. In dem Zimmer gab es gar keine Gardine. Ein Haftrichter hatte ihn damals noch von der Haft verschont. Als das Hauptverfahren vom Schwurgericht geprüft wurde, gab es doch noch einen Haftbefehl. Seit drei Monaten sitzt er in Untersuchungshaft. Der Prozess wird fortgesetzt.