Marzahn-Hellersdorf

Flüchtlinge wohnen in Berlin bald im Sandwich

Der Bau der ersten modularen Flüchtlingsunterkünfte in Marzahn-Hellersdorf hat begonnen. Natürlich nicht ohne Verzögerung.

Modularbau: Sozialsenator Mario Czaja (l.) und Werkleiter Gerhard Nopp

Modularbau: Sozialsenator Mario Czaja (l.) und Werkleiter Gerhard Nopp

Foto: Lorenz Vossen

Das Sandwich besteht aus drei Schichten: Ganz außen die sogenannte Vorsatzschale, sie soll Temperaturschwankungen ausgleichen, damit der Beton sich nicht verformt. Dann die Dämmung und zuletzt die innere, die Tragschale aus Massivbeton. „Sandwichelemente“ werden diese mehr als acht Tonnen schweren Bauteile genannt, die von der Firma Klebl im brandenburgischen Frankenförde produziert und seit Montag nach Berlin geliefert werden.

In Marzahn-Hellersdorf bilden sie die Außenwände der ersten beiden modularen Unterkünfte für Flüchtlinge (Muf). Mit einem Monat Verspätung – im Boden befand sich noch Bauschutt eines früheren Bauwerks – hat der Bau nun begonnen.

Nach den Plänen des Senats sollen bis zu 60 dieser Gebäude entstehen, die insgesamt Platz für knapp 30.000 Flüchtlinge liefern. Die ersten sollen ab 2017 bezugsfertig sein. Wo genau die restlichen stehen, ist noch unklar, da die Liste der Standorte sich permanent ändert. Doch die Vorteile der grauen, fünfstöckigen Bauten scheinen offensichtlich: Dauert der Bau eines Hauses von Planung bis Einzug rund drei Jahre, sind es hier nur eins. Billiger als normale Wohnungen sind sie natürlich auch. Und sie haben die „volle Flexibilität“, wie Klebl-Werkleiter Gerhard Nopp erklärt: „Innen lässt sich mit Trennwänden aus Rigips die Raumaufteilung leicht variieren.“

7000 Betonteile sind für zehn Bauwerke nötig

Nopps Firma konnte die Ausschreibung um die ersten zehn Bauten für sich entscheiden. Sie sollen als Gemeinschaftsunterkünfte dienen, mit Räumlichkeiten etwa für Kochen und Deutschkurse im Erdgeschoss und den Wohneinheiten darüber. 7000 vorgefertigte Betonteile sind für den Bau nötig, ein Großteil davon wird in Sachsen-Anhalt produziert.

Auch Mario Czaja (CDU), unter dessen Verantwortung die Unterbringung der Flüchtlinge abläuft, ist von den Muf überzeugt. Der Sozialsenator hat sich zum Besichtigungstermin nach Frankenförde aufgemacht. „Hier werden die neuen Häuser für Berlin gebaut“, stellt er fest. Czaja weiß, dass neuer Wohnraum besser heute als morgen zur Verfügung steht. Von den 44.000 Flüchtlingen, deren Asylverfahren noch läuft, wird rund die Hälfte ein Aufenthaltsrecht bekommen. Dazu kommen weiterhin täglich zwischen 25 und 30 Menschen neu in die Stadt. Und eine beträchtliche, wenn auch nicht genau bekannte Zahl an Flüchtlingen lebt bereits seit über sechs Monaten in Not- oder Gemeinschaftsunterkünften – und damit länger als die gesetzlich erlaubte Mindestdauer.

Czaja muss sich also in der ungewohnten Rolle des Bauherrn üben, und stößt dabei nach eigener Darstellung im Senat auf Gegenwehr. Es geht um das Nutzungskonzept der Muf. Außer den ersten zehn sollen sie komfortabler als Gemeinschaftsunterkünfte werden; Wohnungen nach einfachem Standard mit mehr Platz für die Bewohner. Sie sollen mittelfristig auch von Nicht-Flüchtlingen, etwa Wohnungslosen oder Studenten genutzt werden können.

Standorte für nächsten fünf Containerdörfer stehen fest

Doch offenbar ist die Senatskanzlei gegen diesen Passus. Für Czaja unverständlich: „In einem halben Jahr, wenn viele Flüchtlinge ein Aufenthaltsrecht haben, sind sie per Definition ja auch Wohnungslose.“ Bei der Sitzung des Hauptausschusses am Mittwoch wird das Thema auf der Agenda stehen.

Unterdessen hat das Landesamt für Gesundheit und Soziales (Lageso) die Standorte der nächsten fünf Containerdörfer bekannt gegeben: Venusstraße (Treptow-Köpenick), Zossener Straße (Marzahn-Hellersdorf), Wollenberger Straße (Lichtenberg), Siverstorpstraße (Pankow) und Am Oberhafen (Spandau).