Friedrichshain

Mercedes-Benz-Arena bekommt eine Partymeile

Nach amerikanischem Vorbild entsteht vor der Mercedes-Arena ein Entertainment District mit Music Hall, Kinos und Bowling-Center.

 Bis Herbst 2018 entsteht auf dem Mercedes Platz das neue Herzstück des Areals rund um die Mercedes-Benz Arena

Bis Herbst 2018 entsteht auf dem Mercedes Platz das neue Herzstück des Areals rund um die Mercedes-Benz Arena

Foto: Alexander Ware / ©Archimation 2015

Noch ist das Vergnügungsviertel nach amerikanischem Vorbild rund um die Mercedes-Arena lediglich ein Versprechen. Denn trotz der regen Bautätigkeit auf dem Gelände des ehemaligen Ostgüterbahnhofs in Friedrichshain ist die 2008 eröffnete riesige Veranstaltungshalle noch immer der einzige Baustein für das „Entertainment District“ genannte Unterhaltungsquartier, den die Anschutz Entertainment Group bislang gesetzt hat. 15 Jahre, nachdem US-Milliardär Philip Anschutz das Areal gekauft hat und zehn Jahre nach der Grundsteinlegung für die Arena soll das Quartier nun endlich Gestalt annehmen: Am Montag setzte Tom Miserendino, Europa-Chef der Anschutz Entertainment Group (AEG), gemeinsam mit Berlins Regierendem Bürgermeister Michael Müller (SPD) und Mercedes-Vertriebsleiter Carsten Oder den ersten Spatenstich.

200 Millionen Euro sollen in das Projekt fließen

Während beidseitig der Arena bereits zahlreiche neue Bürogebäude entstanden – darunter die Mercedes-Benz-Vertriebszentrale und der Hauptsitz für den Internethändler Zalando – war das Areal direkt vor der Arena bis hin zur Mühlenstraße und der dahinter liegenden East Side Gallery noch unbebaut geblieben. Doch inzwischen haben die Bagger den gepflasterten Vorplatz und auch die beiden Rasenflächen links und rechts davon abgeräumt. Auf einer Fläche von rund 20.000 Quadratmetern sollen bis Herbst 2018 vier Gebäude mit einer Bruttogeschossfläche von insgesamt 70.000 Quadratmetern entstehen. Die AEG beziffert die Entwicklungskosten mit rund 200 Millionen Euro.

Herzstück des neuen Quartiers soll ein 7000 Quadratmeter großer öffentlicher Platz mit Wasserfontänen und Schatten spendenden Platanen vor der Arena werden, der „Mercedes Platz“. Der Automobilkonzern ist seit knapp einem Jahr Namensgeber für die Arena – auch wenn auf Hinweisschildern im Umfeld immer noch O2-World zu lesen ist. „Leider handelt es sich bei diesen Schildern um offizielle Straßenschilder, die wir nicht einfach austauschen dürfen“, bedauerte AEG-Projektleiter Michael Kötter. Dass der Automobilkonzern überhaupt als Namensgeber für den Platz fungieren darf, liegt daran, dass es sich um eine private Fläche mit öffentlicher Nutzung handelt.

Um diesen Platz herum sollen sich die neuen Gebäude gruppieren, die, so der Ehrgeiz des Investors, zum Anziehungspunkt für die ganze Stadt werden sollen. So ist auf der Ost-Seite eine Music Hall für kleinere Konzerte und Veranstaltungen mit Platz für rund 4000 Besucher vorgesehen.

„Lifestyle Bowling“ mit 28 Bahnen, DJ und Live-Musik

Auf der westlichen Seite der Arena wird sich ein Premierenkino mit 14 Sälen und 2500 Plätzen anschließen. Betreiber des Kinos wird die UCI Kinowelt, wie Kötter mitteilte. Ebenfalls geplant ist ein „Lifestyle Bowling Konzept“ mit 28 Bahnen, DJ und Live-Musik. Im Erdgeschoss der beiden Gebäude sind zudem zehn bis 15 Cafés, Restaurants und Bars sowie ein Mercedes-Showroom geplant. Angrenzend werden zwei Hotels – eines mit 118, eines mit 254 Zimmern – sowie ein Bürogebäude entstehen, die den Platz zur Mühlenstraße hin einfassen.

Die Sorge, dass das Unterhaltungsviertel im Bezirk Friedrichshain-Kreuzberg, der über Berlin hinaus für seine Off-Kultur-Szene bekannt ist, wie ein Fremdkörper wirken könnte, teilt der Regierende Bürgermeister jedoch nicht. Er habe sich vor drei Monaten in Los Angeles den dortigen Entertainment District der AEG-Gruppe angeschaut und sei sich sicher, dass das Unterhaltungsangebot viele Berliner begeistern werde – „auch diejenigen, die sich jetzt noch fragen, ob wir das alles überhaupt brauchen“, zeigte sich Müller zuversichtlich.

Besucherzentrum für die East Side Gallery geplant

Der Regierende verwies auch darauf, dass die AEG-Gruppe sich kompromissfähig gezeigt habe. An einem Ort mit einer so besonderen Geschichte habe der Bezirk zu Recht bestimmte Ansprüche, die sich in dem Projekt widerspiegeln müssten.

Müller spielte damit auf die nahegelegene East Side Gallery an. Anders als in den ursprünglichen Planungen des Investors soll es in einem der Gebäude direkt an der Mühlenstraße auf Betreiben des Bezirks künftig im Erdgeschoss auch ein Besucherzentrum für die East Side Gallery geben.

Geplant ist auch eine Dachterrasse, von der aus die gesamte, 1,3 Kilometer lange Open-Air-Ausstellung auf dem längsten noch erhaltenen Teilstück der Berliner Mauer zu überblicken wäre. Noch sei allerdings nicht klar, wer der Betreiber des Besucherzentrums werden solle und welchen Anteil die AEG daran haben soll. „Wir sind noch in Verhandlungen“, so AEG-Projektleiter Kötter.