City West

Millionen-Coup am Kudamm: 300.000 Euro Belohnung ausgelobt

Bei einem Einbruch am Kudamm sind Rolex-Uhren und Geld gestohlen worden. Der Wert der Beute liegt im zweistelligen Millionenbereich.

Am Kudammm: In dieses Rolex-Geschäft wurde eingebrochen

Am Kudammm: In dieses Rolex-Geschäft wurde eingebrochen

Foto: Reto Klar

Nur neun Tage nach dem spektakulären Überfall auf ein Luxusuhrengeschäft am Kurfürstendamm, haben Kriminelle in der Nacht zu Montag erneut auf dem Boulevard in der City West zugeschlagen: Mindestens vier Tätern gelang dabei ein Millionencoup.

Sie flüchteten nach dem Einbruch in die Rolex-Boutique mit mehreren Hundert hochwertigen Uhren und einer größeren Summe Bargeld mit einem dunklen BMW-Kombi.

Ein Funkstreifenwagen der Polizei, der das Fluchtauto kurz nach Mitternacht verfolgt hatte, wurde kurzerhand gerammt. Der Gesamtwert der Beute soll sich nach Informationen der Berliner Morgenpost im zweistelligen Millionenbereich bewegen.

Die Einbrecher hatten sich nach Polizeiangaben gegen 0.15 Uhr gewaltsam über einen Nebeneingang den Zutritt in die Geschäftsräume der Rolex-Boutique am Kurfürstendamm 184 verschafft. Dort räumten sie den Tresor aus. Wie sie dabei vorgingen, wollte die Polizei aus ermittlungstaktischen Gründen nicht preisgeben. Auch die Frage, ob eine Alarmanlage auslöste oder von den Tätern ausgeschaltet wurde, blieb zunächst unbeantwortet.

>> So flüchteten die Rolex-Diebe durch die City West

Der Abtransport der Beute in schweren Säcken war Monteuren aufgefallen, die gerade mit dem Abbau einer Musikanlage beschäftigt waren. Laut Polizei hätten vier Maskierte die Säcke zu einem dunklen BMW der 3er oder 5er Serie neuerer Bauart geschleppt, bevor das Fahrzeug mit hohem Tempo in Richtung Olivaer Platz davonraste. Passanten machten die Besatzung einer Funkstreife auf die Flüchtenden aufmerksam.

Die Verfolgung endete allerdings jäh in der Xantener Straße: In einem Baustellenbereich wendete der Fahrer das Fluchtfahrzeug und rammte den dahinter stehenden Polizeiwagen. Anschließend raste der BMW mit sichtbaren Schäden am Heck und im Bereich der Stoßstange in Richtung Paulsborner Straße davon. Die Polizeibeamten blieben dabei unverletzt.

Edle Uhren und Juwelen ziehen professionelle Banden an

Damit konnten erneut professionell vorgehende Täter am von Luxusgeschäften gesäumten Einkaufsboulevard große Beute machen. Die geballte Menge hochwertiger Schmuckstücke sei für solche Tätergruppen enorm lukrativ, so Ermittler zum Tatmotiv. Selbst die Tatsache, dass derartige Luxusgegenstände ohne Herkunftsnachweis nur schwer absetzbar sind, scheine diese Täterklientel nicht abzuschrecken.

Berlins Innensenator Frank Henkel (CDU) sagte: „Aufgrund der exponierten Lage sind am Kurfürstendamm leider immer wieder spektakuläre Einbrüche zu verzeichnen.“ Es handle sich aber um Einzelfälle, die durch ihre Vorgehensweise und den oft hohen Schaden besonderes Aufsehen erregen würden.

Die Polizei hofft auf Hinweise von Zeugen, die sich auf das Fluchtauto beziehen. Wer den schwarzen BMW beobachtet hat oder etwas zu dessen Verbleib weiß, wird gebeten, sich an (030) 4664-944 321 oder jede andere Polizeidienststelle zu wenden. Laut Zeugen trug er das Kennzeichen B - FL 35xx, möglicherweise B - FL 3533.

Die Versicherung des Geschäfts lobte am Montag eine Belohnung in Höhe von 300.000 Euro für Hinweise aus, die zur Ergreifung der Täter führen - oder zur Wiederbeschaffung der Beute. Hinweise unter: 0173 - 9513478.

Vor wenigen Tagen Blitzüberfall auf Hublot-Filiale

Erst vor zehn Tagen hatten mehrere Täter bei einem Blitzüberfall ein Geschäft für Luxusuhren am Kurfürstendamm ausgeraubt und dabei hochwertige Uhren erbeutet. Die Täter brachen am Sonnabendmorgen gewaltsam den Eingang der Hublot-Filiale auf, indem sie mit einem VW Golf gegen die Tür fuhren. Dabei verwendeten die Kriminellen einen Holzbalken wie einen Rammbock. Dann stürmten die Räuber in den Laden und griffen sich zahlreiche Luxusuhren aus den Auslagen, bevor sie mit ihrer Beute flüchteten. Über den Wert der Beute wurden bisher keine Angaben gemacht. Den Golf ließen die Räuber am Tatort zurück. Das Fahrzeug war wie auch der Fluchtwagen zuvor gestohlen worden.

Während der Tat soll einer der Täter Schüsse abgegeben haben, offenbar um das Personal einzuschüchtern. Bei der Waffe soll es sich laut Polizei nach ersten Erkenntnissen um eine Schreckschusswaffe gehandelt haben. Körperlich verletzt wurde bei dem spektakulär ausgeführten Überfall niemand. Eine Angestellte hatte jedoch einen Schock erlitten und musste ärztlich versorgt werden.

Bis zum Montag lagen dazu sechs Hinweise, aber keine heiße Spur vor. Auch diesen Fall bearbeitet die für Taten und Serien mit Bezügen zur Organisierten und Bandenkriminalität zuständige Abteilung 4 des Landeskriminalamts.

Immer wieder spektakuläre Überfälle in der City West

Der jüngste Überfall auf das Rolex-Uhrengeschäft ist nur einer von zahlreichen aufsehenerregenden Raubtaten in der Berliner City West in den vergangenen Jahren. Kurz vor Weihnachten 2013 waren Kriminelle mit einem Wagen in die Fassade des Apple Store am Kurfürstendamm gerast. Die Räuber entkamen damals mit zahlreichen Smartphones, Laptops und Tablet-Computern. Doch bereits Ende Januar 2014 wurden mehrere der Täter vom Kudamm bei einem ähnlichen Überfall auf ein Elektronikgeschäft in Dresden gefasst. Sie wurden inzwischen zu Freiheitsstrafen verurteilt.

>> Überfälle und Einbrüche am Kudamm: Eine Chronologie

Nicht aufgeklärt werden konnten bislang zwei Raubüberfälle auf Geldtransporter am Kurfürstendamm und an der nahe gelegenen Tauentzienstraße. Ende Oktober 2014 war ein vor dem Apple Store wartender Werttransporter von drei Maskierten überfallen worden. Ein Sicherheitsmitarbeiter war mit Schusswaffen bedroht worden, die Täter entkamen mit einem Geldkoffer in einem Citroën. Das Fluchtauto wurde kurz darauf an der Bundesallee in Brand gesetzt.

Zehn Monate zuvor hatten maskierte Räuber in ähnlicher Weise vor dem Modegeschäft P&C am Tauentzien gehandelt. Einem Geldtransporter-Boten wurde ein Geldkoffer mit Einnahmen geraubt. Die Täter flüchteten mit einem Alfa Romeo, der in der Wexstraße angezündet wurde.