Baden in Berlin

Die acht lebenswichtigen Regeln für Badegäste

Trotz der vielen Rettungsschwimmer sollte jeder auch auf sich selbst achten. Die Morgenpost zeigt acht Überlebensregeln.

16 Menschen sind 2015 in Berlin ertrunken. Ein Jahr vorher waren es zehn. An vielen Berliner und Brandenburger Badestellen achten Bademeister auf die Sicherheit der Besucher. Das bedeutet jedoch nicht, dass diese nicht auch selbst etwas für ihre Sicherheit tun können. Die Deutsche Lebens-Rettungs-Gesellschaft (DLRG) legt Badegästen deshalb ans Herz, sich mit den wichtigsten Baderegeln vertraut zu machen. Sie ist an 26 Stationen im Einsatz. Von Mai bis September achten dort insgesamt 350 bis 500 Rettungsschwimmer auf Badegäste. Michael Neiße, Leiter der Verbandskommunikation der DLRG Berlin, erläutert die wichtigsten acht Regeln.

Abkühlen: Vor dem Schwimmen abkühlen. Also nicht überhitzt ins Wasser springen. Michael Neiße warnt vor einem Kreislaufkollaps. „Es sollten zuerst Beine und Arme ins Wasser gehalten werden, dann langsam Richtung Herz abkühlen und den Körper an die Temperatur gewöhnen.“

Leerer Magen: Nie mit vollem oder leerem Magen ins Wasser gehen. Nach dem Essen schaltet der Körper auf Verdauung um. Der Magen benötigt dazu Energie, das Blut fließt Richtung Magen. „Weil der Kreislauf belastet ist, fühlen wir uns müde und kraftlos. Besonders nach einer üppigen Mahlzeit sollte man deshalb mehrere Stunden warten“, sagt Michael Neiße. Und auch bei Hunger ist der Kreislauf geschwächt.

Nichtschwimmer: Als Nichtschwimmer nur bis zum Bauch ins Wasser gehen. „Dabei geht es vor allem um Eigenschutz“, sagt Michael Neiße. „In unbekannten Gewässern kann man einen Schritt weiter schon nicht mehr in Brusttiefe stehen.“ Bei Kindern ist der Oberkörper schwerer als die Beine, sie ertrinken schnell und lautlos. Eltern sollten deshalb ihre Kinder keine Sekunde aus den Augen lassen.

Kräfte einschätzen: Den Körper nicht überschätzen. Laut der Badetoten-Statistik der DLRG zählen Leichtsinn und Übermut zu den häufigsten Todesursachen. „Im Wasser werden generell Kräfte überschätzt“, warnt Neiße. „Aus vermeintlich 100 Metern werden dann schnell 500 Meter.“ Oft reicht die Kraft dann nicht mehr aus, um ans rettende Ufer zu kommen. Unter Medikamenten, Alkohol- oder Drogeneinfluss wird diese Selbstüberschätzung noch verstärkt.

Kopfsprünge: Nie in unbekannte Gewässer springen. „Vor allem mit einer Kerze oder einem Kopfsprung taucht man besonders tief ins Wasser ein“, sagt Michael Neiße. Durch einen unerwarteten Aufprall auf dem Grund oder einem unbekannten Gegenstand kann es zu einer Verletzung oder Querschnittslähmung kommen.

Schifffahrt: Nicht dort baden, wo Schiffe und Boote fahren. Schiffsführer oder Segler entdecken Schwimmer oftmals nicht oder zu spät. Deshalb sind jegliche Schifffahrtsstrecken für Schwimmer tabu.

Fehlalarm: Nicht um Hilfe rufen, wenn keine gebraucht wird. Ein Klassiker für die DLRG. Kinder erlauben sich im Schwimmbad einen Scherz und rufen grundlos um Hilfe. Tritt dann ein wirklicher Notfall auf, halten die Rettungskräfte die Hilferufe möglicherweise für einen Fehlalarm. Darum niemals ohne Grund um Hilfe rufen.

Schlechtes Wetter: Bei schlechten Wetterbedingungen das Wasser meiden. „Auch Wellen gehören zu schlechten Wetterbedingungen“, sagt Michael Neiße. Besonders schlechte Sicht und Gewitter können für einen Schwimmer das Ende bedeuten. Blitze werden vom Wasser nämlich angezogen. Bei aufkommendem Unwetter sollte schnellstmöglich Schutz in einem Haus oder Auto gesucht werden, empfiehlt Neiße. Außerdem gibt es Fahnensignale der DLRG: Gelb bedeutet eingeschränktes Badeverbot, eine rote Fahne oder ein roter Ball ein generelles Badeverbot.

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