Baden in Berlin

Größer, tiefer, klarer: Eine Typologie der Berliner Seen

39 offizielle Badestellen gibt es im Stadtgebiet. Jeder Berliner hat daher wohl seinen ganz persönlichen Lieblingssee. Eine Typologie.

Der Schlachtensee gilt als einer der saubersten der Stadt. Die Wasserqualität wird regelmäßig überprüft

Der Schlachtensee gilt als einer der saubersten der Stadt. Die Wasserqualität wird regelmäßig überprüft

Foto: Reto Klar

Die Seen in Berlin und Brandenburg sind vielfältig. Jeder Berliner hat daher wohl seinen ganz persönlichen Lieblingssee. Die Berliner Morgenpost hat eine kleine Typologie zusammengestellt.

Der Größte: Der Müggelsee ist mit einer Länge von 4,3 Kilometern und einer Breite von 2,6 Kilometern der größte See in Berlin. Bei windiger Wetterlage kann der Wellengang schon einen Hauch vom Meer vortäuschen. Das 1930 erbaute Strandbad am Fürstenwalder Damm 838 in Köpenick wartet noch auf seine Sanierung, dafür ist der Eintritt frei. Immerhin wurde die kaputte Uferkante im vergangenen Jahr entfernt, sodass man wieder vom Sandstrand ins Wasser springen kann. Am Müggelsee befinden sich außerdem je eine Wasserrettungsstation in Fried­richshagen und in Rahnsdorf, die in den Sommermonaten an den Wochenenden besetzt sind. Durch den Müggelsee fließt die Spree, die hier auch die Müggelspree genannt wird.

Der Tiefste: Der Flughafensee in Reinickendorf entstand in den 50er-Jahren durch den Kiesabbau. Der eher kleine See mit einer Länge von 1000 Metern misst an seiner tiefsten Stelle erstaunliche 34 Meter. Die Badenden schätzen den Sandstrand, aber besonders beliebt ist der See bei Tauchern wegen seiner außergewöhnlichen Tiefe und der guten Sicht unter Wasser. Auch Angler treffen sich hier gern. Die Badestelle liegt am Betzdorfer Pfad. Die Badestelle wird regelmäßig auf ihre Wasserqualität überprüft, ist aber nicht bewirtschaftet. Es gibt weder Imbissbude noch Duschen.

Der Flachste: Der Jungfernheideteich inmitten des Volksparks Jungfernheide ist besonders bei Familien mit kleinen Kindern beliebt. Das Strandbad am Jungfernheideweg 60 in Charlottenburg hat durch sein flaches Ufer einen besonders ausgedehnten Nichtschwimmerbereich. Der etwa 6,5 Hektar große Jungfernheideteich misst an seiner tiefsten Stelle gerade vier Meter. Die mittlere Tiefe beträgt 1,84 Meter. In dem gepflegten Bad gibt es einen ausgedehnten Sandstrand, Strandkörbe und eine kleine Rutsche, die im flachen Wasser endet. Die Größeren können ihren Köpper vom Ponton ins tiefere Wasser machen. Vom Rettungsturm aus sind die Kinder gut bewacht. Trotzdem ist bei den kleinen Kindern Vorsicht geboten. Die Sichttiefe in dem Teich ist im Hochsommer oft nur sehr gering. Die Tageskarte für Erwachsene kostet im Strandbad sechs Euro, für Kinder vier Euro.

Der Sauberste: Als einer der saubersten Seen Berlins gilt der Schlachtensee in Zehlendorf. Die außerordentliche Wasserqualität liegt darin begründet, dass der See zum Teil aus der Oberflächenwasser-Aufbereitungsanlage Beelitzhof gespeist wird. Jährlich werden dort fast drei Millionen Kubikmeter Wasser aus dem Großen Wannsee von Phosphat befreit und dann mit nahezu Trinkwasserqualität am Südwestende des Schlachtensees eingeleitet. Zudem unterliegt der vom Wald umgebene See als Teil des Landschaftsschutzgebietes Grunewald einer besonderen Kon­trolle. Ein Geheimtipp ist er allerdings nicht, da er mit der S-Bahn sehr gut zu erreichen ist. So ist die Wasserqualität natürlich auch immer abhängig vom Verhalten der zahlreichen Badegäste.

Der Klarste: In Berlin gibt es viele klare Seen, wer jedoch im klarsten See von ganz Norddeutschland baden will, der muss die Stadtgrenze etwa anderthalb Stunden mit dem Auto hinter sich lassen. Der Aufwand lohnt sich. Der Stechlinsee in Neuglobsow versetzt jeden Besucher ins Staunen mit seinen Sichttiefen von acht bis zehn Metern. Die Wasseroberfläche schimmert türkisblau inmitten des lichten Buchenwaldes. Grund für diese ungewöhnliche Klarheit ist der geringe Nährstoffgehalt des Wassers. Dadurch kann sich das Phytoplankton nur wenig vermehren. Die Lichtdurchlässigkeit des Wassers wiederum ermöglicht das Pflanzenwachstum auf dem Grund in einer Tiefe bis zu 70 Metern. Für Badegäste gibt es eine gepflegte Liegewiese und viele kleine Buchten. Vom Ruderboot aus kann man die besondere Pflanzen- und Fischwelt beobachten. Zum Beispiel die Stechlin-Maräne, eine nur im Stechlinsee vorkommende Fischart.

Der Kleinste: Der Orankesee in Alt-Hohenschönhausen ist mit seiner Uferlänge von gerade 940 Metern wohl der kleinste offizielle Badesee in Berlin. Dafür ist das Strandbad an der Gertrudstraße 7 ein echtes Highlight. Im sauberen Sandstrand stehen Strandkörbe, es gibt Tischtennisplatten, ein Beachvolleyballfeld, einen kleinen Spielplatz und Imbissstände. Wer es lieber schattig mag, kann sich unter die Bäume auf die Wiese liegen. Die Attraktion für Kinder ist die 52 Meter lange windungsreiche Wasserrutsche. Für die Jüngsten gibt es noch eine kleine Rutsche, die im Flachwasser endet. Außerhalb des Strandbades ist das Baden im Orankesee nicht erlaubt. Der Eintritt kostet 4,50 Euro, ermäßigt drei Euro.

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