Ausstellung

Fliegende Stars auf der ILA

Die Internationale Luft- und Raumfahrtschau lockt wieder Zehntausende Besucher nach Schönefeld. Erstmals findet sie verkürzt statt.

Foto: Wolfgang Kumm / dpa

Sven Jäger ist geduldig. Auch wenn die Zahl der Wartenden vor ihm groß ist, weicht er keinen Schritt aus der Schlange. Sein Ziel kann der Reinickendorfer dabei nicht aus den Augen verlieren: Direkt vor ihm steht ein Airbus A310. Noch 2014 reiste Außenminister Frank-Walter Steinmeier (SPD) mit dem Flieger durch die Welt, dann ging er in die Hände des Deutsches Zentrums für Luft- und Raumfahrt (DLR) über. Nach dem Umbau bekam der A310 den markanten Zusatz „Zero-G“.

Mit der Maschine werden nun Parabelflüge geflogen, bei denen die Passagiere, aber auch alle Gerätschaften an Bord für 22 Sekunden schwerelos sind. Vergleichsweise preiswert können so Mediziner, Physiker oder Biologen unter Weltraumbedingungen experimentieren oder gar für einen Flug ins All trainieren. Schwerelos sein, das ist für Sven Jäger „eine überaus faszinierende Vorstellung“. Auch wenn ein solcher Flug hier nicht möglich ist, so will er doch wenigstens mal an Bord dieses einzigartigen Fluggeräts sein. „Dafür lohnt sich auch eine Stunde Anstehen“, sagt er.

Fachaussteller wollten eine verkürzte Messedauer

Der A310 Zero-G ist einer der Stars der diesjährigen Internationalen Luft- und Raumfahrtausstellung (ILA), die am Rande des Flughafens Schönefeld veranstaltet wird. Erstmals ist die auch als Berlin Air Show bezeichnete Messe auf vier Tage verkürzt, zwei Tage weniger als noch in den Jahren zuvor. Eine Konzeptänderung, die sich die Fachaussteller gewünscht hätten, heißt es bei den Veranstaltern, dem Bundesverband der Deutschen Luft- und Raumfahrtindustrie (BDLI) und der Messe Berlin.

Doch auch die beliebten Publikumstage fallen nun kürzer aus. Der heutige Sonnabend ist somit bereits der letzte ILA-Tag. Der bietet aus Sicht der Veranstalter noch etliche Höhepunkte. Bereits am Morgen will etwa die Lufthansa ihren „Siegerflieger“, eine Boeing 747-8, nach Berlin bringen. Das längste Passagierflugzeug der Welt brachte vor zwei Jahren die deutsche Fußballnationalmannschaft nach ihrem WM-Sieg in Rio zur Siegesfeier nach Berlin. „Wer wissen will, wo Schweini oder Poldi damals gesessen haben, sollte sich einen Rundgang durch die Maschine nicht entgehen lassen“, sagt ILA-Sprecher Wolfgang Rogall. Eine Besichtigung des Jumbojets soll fast den ganzen Tag über möglich sein, allerdings dürfte es da auch heißen: Zeit einplanen fürs Anstehen.

Veranstalter empfehlen Anreise mit dem öffentlichen Nahverkehr

Angesichts der erneut erwarteten hochsommerlichen Temperaturen und des weitgehend fehlenden Schattens auf dem ILA-Gelände empfiehlt Rogall allen Besuchern, Kopfbedeckungen und Sonnenschutz mitzubringen. Auch sollte während des Aufenthalts reichlich getrunken werden. Auf dem ILA-Gelände selbst gibt es zwar zahlreiche Imbiss- und Getränkestände. Doch für eine Apfelschorle müssen die Besucher schon mal 3,50 Euro hinlegen. Also doch besser gleich zu Hause ein, zwei Wasserflaschen mit einpacken. Zwar gibt es scharfe Einlasskontrollen zum ILA-Gelände, doch das Mitbringen von Getränken ist erlaubt. „Allerdings keine Glasflaschen“, betont eine ILA-Sprecherin.

Für die Anreise empfehlen die ILA-Veranstalter, öffentliche Verkehrsmittel zu nutzen. Zwar gibt es zwei Besucherparkplätze, doch deren Kapazität ist mit zusammen 16.000 Stellplätzen begrenzt. Wer das Auto stehen lässt, fährt mit der Regionalbahn oder mit der S-Bahn (Linien S9, S45) bis zum Bahnhof Flughafen Schönefeld oder nur mit der S-Bahn (S2) bis Schichauweg sowie mit der U-Bahn bis Rudow (U7). Von dort aus fahren kostenlose Shuttlebusse.

Das klappte am Freitag, dem ersten Publikumstag, recht gut. Die Zubringerbusse benötigen je nach Abfahrtsort zwischen fünf und 20 Minuten bis zum ILA-Gelände. Direkt am Eingang können die Eintrittskarten gekauft werden. Anschließend folgt eine Einlasskontrolle – ähnlich der am benachbarten Airport. Es gebe zwar keine Hinweise auf eine erhöhte Gefährdung, aufgrund der allgemeinen Lage in Deutschland habe man das Sicherheitskonzept aber angepasst, so die ILA-Veranstalter. Das heißt eben auch: Einsatz von Metalldetektoren und „stichpunktartige“ Taschenkontrollen.

Neue Airbus-Maschinen sind bei der Flugschau mit dabei

Neben dem „Siegerflieger“-Jumbo will die Lufthansa am Sonnabend noch einen weiteren Vertreter nach Schönefeld entsenden. Es ist die weltweit erste ausgelieferte Maschine des Typs A320 neo, die durch den Einsatz neuartiger Turbinen deutlich weniger Kerosin als ihre Vorgänger verbraucht und zudem besonders leise sein soll. Der A320 neo wird auch an den Flugvorführungen am Sonnabend teilnehmen. Mit dabei ist dann auch der neueste Airbus-Typ, der Langstreckenflieger A350 XWB.

Auf dem Flugprogramm, für das die derzeit ungenutzte Südbahn des neuen Hauptstadtflughafens BER genutzt wird, stehen zudem mehrere „Leistungs-Demonstrationen“ der Bundeswehr, die als größter Einzelaussteller auf dem ILA-Gelände so ziemlich alles aufmarschieren ließ, was sie derzeit im Arsenal hat. Dazu gehören auch der neue Truppentransporter Airbus A400M sowie ein Airbus A319, der für die Bundesregierung fliegt. „Nur ein Drittel der Aussteller ist aber aus dem militärischen Bereich. Im Vergleich zu anderen Luftfahrtmessen sind wir damit die zivilste“, sagt ILA-Sprecher Rogall.

Öffnungszeiten: Die ILA am Flughafen Schönefeld ist Sonnabend, am 4. Juni, von 10 bis 18 Uhr geöffnet. Eintritt: 22 Euro, ermäßigt 14 Euro. Kinder im Alter bis zu sechs Jahren haben in Begleitung von Erwachsenen freien Eintritt.