Asylbewerber

Die Schönwetter-Halle für die Flüchtlinge von Tempelhof

Im Freizeitzentrum für Flüchtlingskinder soll nun endlich der Betrieb beginnen. Doch bei Regen und Gewitter müssen alle den Bau verlassen.

In dieser Halle auf dem Tempelhofer Feld soll ein Freizeitzentrum für Flüchtlinge entstehen

In dieser Halle auf dem Tempelhofer Feld soll ein Freizeitzentrum für Flüchtlinge entstehen

Foto: Ricarda Spiegel

Strahlend weiß und etwas klobig steht sie auf dem Vorfeld des ehemaligen Flughafens Tempelhof, die sogenannte Blumenhalle. Kindern und Jugendlichen aus der Flüchtlingsunterkunft in den Hangars sollen dort Freizeitaktivitäten angeboten werden, aber das gestaltet sich schwierig. Der Betrieb soll zwar „zeitnah“ starten, möglicherweise bereits in der kommenden Woche. Doch die Jugendlichen müssen die Halle verlassen, wenn es regnet oder ein Gewitter aufziehen könnte.

Noch kein Blitzschutz installiert

Die Halle wurde am 20. Mai baulich abgenommen. Am gestrigen Freitag folgte nach Angaben der Senatsjugendverwaltung die Brandschutzabnahme. Allerdings ist ein technischer Brand- und Blitzschutz noch immer nicht installiert, er soll in drei bis vier Wochen folgen. Bis dahin darf sich in der Leichtbauhalle bei einem Gewitter niemand aufhalten. Nun dürfen die Kinder und Jugendlichen nicht warten, bis es tatsächlich blitzt und donnert. „Wir sollen raus, wenn der Himmel sich dunkelgrau färbt“, sagte Maria Kipp, Sprecherin des Unterkunftsbetreibers Tamaja GmbH, der Berliner Morgenpost. Ilja Koschembar, Sprecher der Senatsjugendverwaltung, erklärte, es werde ein „gebührenpflichtiger Service des Wetterdienstes“ in Anspruch genommen. Bei einer Gewitterwarnung werde eine „Meldekette“ gestartet.

Weil die Halle bislang nicht über einen Boden verfügt, sondern direkt auf dem betonierten Vorfeld steht, könne sie auch bei Regen nicht genutzt werden, erläuterte Kipp. Das Gelände sei insgesamt leicht abschüssig, der Regen laufe in eine Rinne. Die Halle stehe aber genau auf dieser Rinne. Constanze Döll, Sprecherin der Tempelhof Projekt GmbH, sagte, für den Standort seien unter anderem Sicherheitsabstände, Logistik- und Verkehrsflächen sowie Rettungswege berücksichtigt worden. Die GmbH ist Bauherrin im Auftrag des Landes Berlins bei allen Vorhaben am Ex-Flughafen Tempelhof.

Innenausbau erfordert Bauantrag

Es wäre in jedem Fall notwendig gewesen, die Entwässerungsrinne des Vorfeldes zu überbauen, so Döll. Diese verlaufe parallel zum Gebäude und erstrecke sich über das komplette Vorfeld. Immerhin: Für die endgültige Nutzung soll die Halle umgebaut werden und auch einen Bodenbelag erhalten. Dann stelle sich die Frage nicht mehr, erklärte die Sprecherin.

Wann der Innenausbau beginnen kann, ist noch unklar. Dazu muss ein Bauantrag gestellt und genehmigt werden. Tempelhof Projekt sucht derzeit per Ausschreibung ein Planungsbüro, das das von der Jugendverwaltung erarbeitete Konzept umsetzt. Vermutlich dauert es bis Ende des Jahres, bis in der dreischiffigen Halle die dort beschrieben Aktivitäten stattfinden können: Gruppen- und Projektarbeit, Veranstaltungen und Feste, Sport- und Bewegungsangebote, Tanz und Theater. Außerdem sind Räume für Gespräche sowie Ruhezonen und ein Garten vorgesehen. Die Zwischennutzung sieht vor allem Sport und Zirkus vor.

Halle für 1,8 Millionen Euro gekauft

Das alles hat seinen Preis. Die von Mario Czaja (CDU) geführte Sozialverwaltung hat die Halle für rund 1,8 Millionen Euro gekauft und zahlt 650.000 Euro für den Ausbau, Die Kosten für die Zwischennutzung, 250.000 Euro, steuert das Haus von Jugendsenatorin Sandra Scheeres (SPD) bei.

Im Spätherbst 2015 wollte der Senat die für die Internationale Gartenausstellung 2017 vorgesehene Halle von der Grün Berlin GmbH übernehmen, um dort für rund ein Jahr Flüchtlinge unterzubringen. Schnell stellte sich aber heraus, dass die Halle dafür nicht geeignet ist. Die Konstruktion gewährleiste weder eine akustische Trennung von Innen und Außen noch eine ausreichende Isolation gegen Wärme und Kälte, heißt es in einem Papier einer Senatsverwaltung, das der Morgenpost vorliegt. Dann wurde aber nicht auf die Übernahme der Halle verzichtet. Vielmehr wurde beschlossen, den Leichtbau als Freizeitbereich zu nutzen. Die somit längerfristige Perspektive machte aber auch den Kauf notwendig.

„Unnötige Investitionen können wir nicht gebrauchen“

Die Notwendigkeit von Freizeitangeboten für Kinder und Jugendliche am Flughafen Tempelhof bestreitet niemand, die Notunterkunft ist groß. Über die Frage, ob diese Halle dafür geeignet ist oder ob es bessere Alternativen gegeben hätte, darüber wird politisch diskutiert. Unter Abgeordneten heißt es, das Thema habe sich irgendwann verselbstständigt. „Der Vorgang wirft viele Fragen auf, unnötige Investitionen können wir nicht gebrauchen“, sagte Grünen-Abgeordnete Clara Herrmann der Berliner Morgenpost. „Man hat den Eindruck, dass der Quatsch immer quätscher wird“, erklärte Stefan Evers, Vizefraktionschef der CDU im Landesparlament. Er erwarte von Jugendsenatorin Scheeres ein Konzept, das für die Zukunft tragfähig ist – „damit ich mir nicht jeden Tag die Frage stellen muss, ob es nicht doch besser gewesen wäre, in der Halle Blumen auszustellen“.